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4:1 über VfR Wardenburg SV Baris Delmenhorst feiert Kreisliga-Titel gebührend

Von Daniel Niebuhr | 14.05.2017, 17:55 Uhr

Der SV Baris hat die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga am drittletzten Spieltag perfekt gemacht. Nach dem 4:1 gegen den VfR Wardenburg brechen alle Dämme.

Es war lange Zeit ein ziemlich geruhsamer Nachmittag für den Fußball-Trainer Önder Caki; relativ spät musste der Übungsleiter des SV Baris aber doch noch einmal Todesängste ausstehen. Seine freudetrunkenen Spieler hatten ihn geschnappt und bedrohlich hoch in die Luft geworfen; der vor Meistersekt triefende Caki bekannte hinterher, ihm sei dabei recht flau geworden. „Da kriegt man ja Höhenangst. Ich dachte, die lassen mich fallen“, stöhnte der Trainer. Es war glücklicherweise der einzige bange Moment für ihn an diesem Sonntag.

„Wir sind verdienter Meister“

Zuvor hatte Baris mit einem eindrucksvollen 4:1 (3:0) über den schockierend schwachen VfR Wardenburg auch die letzten Zweifel an der Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga ausgeräumt und den Titel bereits am drittletzten Spieltag perfekt gemacht – praktisch ohne dabei auch nur kurz in Gefahr zu geraten. Die Wardenburger, die Baris als einziger noch hätten einholen können, leisteten bestenfalls überschaubare Gegenwehr und brachten in den 90 Minuten genau einen Schuss auf das Baris-Tor zustande. Es war Tim Conrigs Ehrentreffer zehn Minuten vor dem Ende – da führte Baris längst mit 4:0. Nicht zuletzt deshalb stellte Caki fest: „Wir sind ein verdienter Meister.“ Keiner der Anwesenden wollte ihm da widersprechen.

Dreierpack für Isik

Baris präsentierte sich vor 180 mit Trommeln und Fahnen ausgerüsteten Fans von seiner Schokoladenseite, war bissig in den Zweikämpfen und wuchtig im Angriffsspiel. Der 31-fache Torschütze Dennis Kuhn musste dieses Mal gar nicht treffen, um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, er war auch ohne eigenes Tor der überragende Mann. Das 1:0 durch Devin Isik bereitete er nach einer Viertelstunde mit einem Sololauf vor, seiner Physis war kein Wardenburger gewachsen. Überhaupt präsentierten sich die Gäste lethargisch und standen auch beim 2:0 durch einen Kopfball von Verteidiger Sinan Uygun in der 28. Minute Spalier – der glänzende Kapitän Mert Caki hatte ihn mit einer Ecke bedient. Er legte Isik auch das 3:0 auf (34.). Ob solcher Tore schwärmte Vater Önder Caki: „Spielerisch sind wir die beste Mannschaft der Liga.“

Kuhn und Mert Caki glänzen als Vorlagengeber

Die Delmenhorster können es aber auch mit Gewalt, wie Kuhn beim 4:0 demonstrierte. Nach einem Befreiungsschlag spurtete er allen davon – zwei Wardenburger waren beim Versuch, ihn zu foulen, von ihm abgeprallt – und bediente erneut Isik. Da waren noch 40 Minuten zu spielen, und man musste ernsthaft ein Wardenburger Debakel befürchten. Baris schaltete aber frühzeitig in den Austrudel-Modus, so kamen die Gäste gelegentlich auch mal in Strafraumnähe und erzielten sogar den Ehrentreffer. Torwart Pascal Götz verhinderte mit diversen Glanzparaden, dass das Ergebnis noch heftiger wurde. „Es sah nicht unbedingt so aus, als ob meine Spieler große Lust gehabt hätten“, stellte Wardenburgs scheidender Trainer Jörg Beckmann fest.

Erstmals Bezirksliga

Schon in der 88. Minute wurden auf der Baris-Bank dann die Meistershirts verteilt und die Sektflaschen aus den Kartons geholt; als Schiedsrichter Frank Dobroschke dann abpfiff, brachen alle Dämme. Spieler und Zuschauer stürmten den Platz und feierten den ersten Bezirksliga-Aufstieg der 35-jährigen Vereinshistorie. Zwischen 2004 und 2006 hatte der Club mal in der Bezirksklasse gespielt. „Wir haben Geschichte geschrieben, anders kann man es nicht nennen“, jubelte Mert Caki, ehe er sich wieder in die Feierlichkeiten stürzte. Am Ende der Sektduschen war kaum ein Trikot mehr trocken, Fans und Spieler skandierten „Baris, Baris“.

Caki will weitermachen: „Habe ich denn eine Wahl?“

In der kommenden Saison wird Delmenhorst damit definitiv weiter in der Bezirksliga vertreten sein – vielleicht mit zwei Vereinen, wenn der SV Tur Abdin dort die Klasse noch hält. Weitere Fahrten und ein höheres Niveau schreckten Önder Caki nicht unbedingt ab, er freute sich schon „auf die willkommene Abwechslung. Es tut auch den Spielern ganz gut, mal andere Gegner zu haben.“ Er wird dann weiter auf der Bank sitzen – oder muss es, wie er scherzhaft sagt: „Wir haben noch nicht darüber gesprochen. Aber habe ich denn überhaupt eine Wahl?“ Dann verschwand er Richtung Kabine, weiterfeiern. Sein letzter Satz des Tages: „Ich glaube, morgen nehme ich mir frei.“