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Abstiegskampf adé Bookholzberger TB stabilisiert sich mit kreativen Mitteln

Von Daniel Niebuhr | 04.11.2016, 07:38 Uhr

Die Fußballer des Bookholzberger TB haben mit dem Abstiegskampf in der 1. Kreisklasse überraschend wenig zu tun – auch dank einiger Flüchtlinge.

Als kleiner Verein muss man auf der Suche nach Neuzugängen kreative Wege gehen. In über 50 Jahren im Amateurfußball hat Helmut Steinmann in dieser Hinsicht schon einiges gesehen – und doch erlebte der Vorsitzende des Bookholzberger TB im Frühjahr noch einmal etwas ganz Neues. Er kam im provisorischen Flüchtlingsheim in seinem Ort an der Essensausgabe mit drei geflohenen Syrern ins Gespräch, im Sinne der Integration lud er sie direkt zum Training ein. Besagtes Flüchtlingszelt wurde kurz danach wieder abgebaut, die Brüder Asim und Darwesh Haskani und Zainal Saleh sind aber seitdem Teil der ersten Bookholzberger Mannschaft. „Sie lernen natürlich noch“, sagt Steinmann, „aber bisher haben eigentlich alle davon profitiert.“

Schon drei Siege mehr als in der Vorsaison

Es liegt nicht nur an den Verstärkungen aus Syrien, dass der BTB bislang eine beachtliche Saison in der 1. Kreisklasse spielt. Im Juni nach nur zwei Siegen aus 28 Spielen noch fast abgestiegen, steht die Mannschaft von Trainer und Abteilungsleiter Christian Brinkmann nun auf Rang elf – mit drei Siegen und fünf Punkten mehr als nach der gesamten letzten Saison. „Das ist hervorragend, wir sehen die Entwicklung sehr positiv“, sagt Steinmann. Es werde nicht alles von heute auf morgen besser, „aber ein Schritt kommt nach dem anderen“.

Zwischen großen Nachbarn

Für den BTB ist das ein gesunder Plan, der Verein hat traditionell mit einem Standorthandicap zu kämpfen. Zwischen den großen Nachbarn VfL Stenum und TSV Ganderkesee, die zu den fünf mitgliederstärksten Vereinen im Landkreis gehören, kocht man in Bookholzberg auf etwas kleinerer Flamme. Es gehe nur über den Zusammenhalt, sagt Steinmann, der dafür auch zu aufsehenerregenden Maßnahmen bereit ist. Der Verkauf des hinteren Platzes der vereinseigenen Anlage an die Gemeinde Ganderkesee soll knapp 100000 Euro bringen, die in das neue Vereinheim investiert werden, das wieder zum Treffpunkt für die Mitglieder werden soll (wir berichteten). „Das wird dem Vereinsleben guttun“, sagt der Clubchef.

Rückkehrer Ibrahim schon mit 15 Toren

Dass man sich in Bookholzberg sportlich wohlfühlen kann, wird der prominenteste Spieler wohl vorbehaltlos unterschreiben. Bassal Ibrahim kam nach einer eigentlichen erfolgreichen Saison beim Kreisliga-Aufsteiger TSV Ippener zurück zum BTB und schoss, beflügelt vom bekannten Umfeld bereits 15 Tore in den ersten 14 Spielen. „Er hatte sich in Ippener nicht ganz wohlgefühlt“, erklärt Steinmann. Ibrahim brachte selbst noch zwei Bekannte mit, die aus Syrien geflohen waren und nun seine Teamkollegen sind. Auch bei den Oldies und in den Jugendmannschaften spielen Flüchtlinge, wie Steinmann erzählt: „Wir sind auch etwas stolz auf unseren Beitrag zur Integration.“

Letzter in der Fair-Play-Tabelle

Dass es aber im Leben im Allgemeinen und im Fußball im Speziellen nie ganz reibungslos geht, zeigen die aktuellen Fair-Play-Wertungen: Bookholzberg I ist da ebenso Letzter wie Bookholzberg II in der 4. Kreisklasse. Kein Verein bekam mehr Spiele gegen sich gewertet als der BTB, nämlich bislang vier. Drei davon entstanden durch den unrechtmäßigen Einsatz eines Spielers in der Reserve, ein dummer Fehler, wie Steinmann klagt: „Da haben wir die Paragrafen nicht richtig gelesen. Wir werden daraus lernen.“