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Agravis-Cup 2018 Ganderkeseerin Sandra Auffarth „ist total zufrieden“

Von Lars Pingel | 04.11.2018, 20:18 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee hat am Sonntag nach dem internationalen Spring- und Dressurturnier Agravis Cup 2018 ein positives Fazit gezogen. Sie platzierte sich mit Landlord und Nupafeed‘s La Vista in der EWE Arena in Oldenburg in zwei Springen, in denen Weltranglisten-Punkte vergeben wurden. Den Großen Preis der Springreiter gewann der Molberger Mario Stevens, die FEI-Grand-Prix-Kür der Dressursportler entschied Kathleen Keller aus Appen für sich. Die 18-jährige Dressurreiterin Rebecca Horstmann vom RV Ganderkesee bekam am Sonntag das Reitabzeichen in Gold verliehen.

Sandra Auffarth ließ sich die letzte Chance nicht entgehen. Diesen Namen hatten die Organisatoren des internationalen Spring- und Dressurturniers Agravis-Cup 2018 einer Prüfung gegeben, mit der die viertägige Veranstaltung am Sonntag, die laut der ausrichtenden Escon Marketing GmbH 29.500 Zuschauer anlockte, endgültig zu Ende ging. Die 31-Jährige vom RV Ganderkesee nahm diese Konkurrenz, eine Zeitspringprüfung (CSI3*), mit der von ihrem Vater Karl-Heinz Auffarth gezogenen Stute Nupafeed‘s La Vista in Angriff. Auch das zweite Pferd, mit dem die Vielseitigkeits-Olympiasiegerin in der großen EWE Arena in Oldenburg gestartet war, hatte ihr Vater gezüchtet. Mit Landlord war sie zuvor im Großen Preis von Oldenburg (CSI3*/1,55 m) gestartet, qualifizierte sich mit acht Fehlerpunkten für zwei Hindernisfehler aber nicht für das Stechen. Auffarths Fazit fiel dennoch positiv aus. „Das war ein super Wochenende. Ich bin total zufrieden“, sagte sie.

Sandra Auffarth in Weltranglisten-Springen platziert

„Landord ist gestern so schnell gegangen, da wollte er jetzt wieder richtig Gas geben“, erklärte Auffarth nach dem Umlauf im Großen Preis. „Das darf man ihm nicht übel nehmen.“ Sie und der Oldenburger Wallach hatten am Samstagabend die Zuschauer begeistert. Im zweiten Springen des Turniers (CSI3*/1,50 m), in dem es um Weltranglisten-Punkte ging, hatte sie mit ihm Maßarbeit geleistet. Sechs Hundertstelsekunden war Auffarth unter der erlaubten Zeit geblieben und zog so mit einer Null-Fehler-Runde ins Stechen ein. Dort war sie die letzte Starterin. Mit ihrem mitreißenden Ritt steuerte sie lange auf Siegkurs, doch dann berührte Landlord mit einem Hinterbein eine Stange des letzten Oxers - und die fiel: vier Fehler, Platz vier (36,09 Sekunden). Über den Sieg freute sich Andreas Kreuzer von der RTG Silberhof. Der 28-Jährige, der seit einigen Monaten in Damme lebt, blieb mit Calvilot in 37,83 Sekunden fehlerfrei. Zweiter wurde der Ire Billy Twomey mit Lady Lou (0.00/40,45) vor Kendra Claricia Brinkop vom ZRV Borken mit Caramia (4.00/36,03). Schon im ersten Springen um Weltranglisten-Punkte (CSI3*/1,45 m) hatte sich Auffarth platziert. Am späten Freitagabend belegte sie mit La Vista nach einem Abwurf im Stechen Rang 14.

Mario Stevens gewinnt Großen Preis von Oldenburg

Den Großen Preis von Oldenburg gewann derweil der Molberger Mario Stevens mit Lordano. Der Deutsche Meister, der schon im Vorjahr in der EWE Arena triumphiert hatte, war der letzte Starter in dem spannenden und hochklassigen Stechen, das acht Paare erreicht hatten. Mit einem furiosen Ritt unterbot er mit seinem neunjährigen Oldenburger in 34,45 Sekunden die Zeiten der sechs Reiter, die ebenfalls „Null“ geblieben waren. Stevens war zwei Zehntelsekunden schneller als der Niederländer Gerco Schröder mit Glock‘s Zaranza (34,65). Dritter wurde der Münchner Denis Nielsen mit Cashmoaker (34,77). „Ich kann das eigentlich nicht fassen“, meinte Stevens: „Es kommt ja nicht so oft vor, dass man zweimal hintereinander gewinnt - und dann noch mit dem selben Pferd.“

Reitabzeichen in Gold für Ganderkeseerin Rebecca Horstmann

Gänsehautmomente erlebte am Sonntag Rebecca Horstmann vom RV Ganderkesee. Die 18-jährige Dressurreiterin erhielt im Dressurviereck vor einer gut gefüllten Tribüne von Claus Bergjohann, dem Vorsitzenden des Pferdesportverbands Weser-Ems, das Deutsche Reitabzeichen in Gold verliehen. Moderiert wurde die Ehrung von Christoph Hess (Warendorf), einem internationalen Dressur- und Vielseitigkeitsrichter. Er lobte die Leistungen von Horstmann, die schon in ihrem ersten Jahr in der Altersklasse Junge Reiter (U21) die für die Auszeichnung notwendigen zehn Siege in Prüfungen der höchsten Klasse S gefeiert hat. Alle mit Fridolin, dem erst zehnjährigen Oldenburger Wallach, in dessen Geburtsurkunde der Name Friend of mine steht. Horstmann hat ihn seit 2012 selbst ausgebildet. Züchter sind ihre Eltern Anne und Klaus Horstmann. Gefeiert von den Reitsportfans zeigten Rebecca Horstmann und Fridolin auch ein wenig von ihrem großen Können, indem sie Lektionen aus den Wettbewerben ritten.

Dann sorgte Rebecca Horstmann noch für Gänsehautmomente für die Fans, als sie von Hess das Mikrofon in die Hand gedrückt bekam. „Ich möchte mich bei meinen Eltern und bei meinem Bruder bedanken, die das alles möglich gemacht haben. Ich bin ja noch jung und musste viel durch die Gegend gefahren werden. Ich möchte gar nicht wissen, wie die Kilometerstände unserer Autos sind“, sagte Rebecca Horstmann, die bei den Junioren unter anderem Team-Europameisterin, Deutsche Meisterin und Weltranglisten-Erste geworden war. „Und natürlich möchte ich mich ganz besonders bei Fridolin bedanken“, fuhr sie fort. „Er ist wirklich ein ,Once-in-a-Lifetime-Pferd‘. Fridolin hat mir gezeigt, dass alles möglich ist, wenn man an sich glaubt. Dann kann man viele Widerstände überwinden.“

Horstmann war nicht die einzige Reiterin, die das Reitabzeichen erhielt. Auch Sophia Funke vom RV Cappeln wurde damit geehrt. Die 21-Jährige erritt es sich durch Platzierungen in Grand-Prix-Prüfungen.

 Kathleen Keller gewinnt die FEI-Grand-Prix-Kür

Vor der Ehrung der „Nachwuchstars“ hatten acht Weltklasse-Dressurreiter die Zuschauer in der EWE Arena begeistert. Sie lieferten in der FEI-Grand-Prix-Kür starke Leistungen ab. Herausragend war der Ritt von Kathleen Keller aus Appen mit San Royal. Die 28-Jährige präsentierte mit dem Oldenburger Wallach eine perfekt zur Musik passende Kür, in der die schwierigen Lektionen fast spielerisch leicht gelangen. Das wurde von den fünf internationalen Wertungsrichtern mit 76,935 Prozent bewertet - die Bestnote. „Es war das vierte Mal, dass wir die Kür im Wettbewerb geritten sind“, erzählte Keller. Bei der Premiere, beim Derby in Hamburg, war sie ebenfalls siegreich. „Die Kür macht einfach Spaß mit ihm“, lobte Keller ihr Pferd. „Als er hörte, jetzt ist es mit Musik, war er noch ein bisschen konzentrierter. Er wusste genau, was er machen musste.“

Zweite wurde die Münsteranerin Ingrid Klimke mit Franziskus. Die Vielseitigkeits-Europameisterin zeigte mit dem zehnjährigen Hannoveraner zum ersten Mal eine überarbeitete Kür, für die zudem die Musik neu arrangiert worden war. Die 50-Jährige möchte mit dem Pferd in naher Zukunft im Weltcup starten. Mit den 74,835 Prozent, die sie erhielt, war sie zufrieden, sah aber dennoch Steigerungspotenzial. „Zu Hause hat es schon besser geklappt. Wir müssen noch ein bisschen daran feilen“, sagte sie. Dritte wurde Lara Butler aus Großbritannien mit Kristjan (73,860 Prozent.).

Sandra Auffarths Pferde bekommen eine Turnierpause

Sandra Auffarth wird ihren Pferden in den kommenden Monaten eine wohlverdiente Turnierpause gönnen. „Landlord hatte eine super Saison, er war in diesem Jahr in jedem Turnier platziert“, lobte sie. Und auch mit La Vista war sie hoch erfolgreich, wurde mit ihr Mitte Mai sogar Zweite beim Deutschen Spring-Derby in Hamburg. „Die beiden sind genug gesprungen“, erkärte Auffarth am Sonntag. „Sie werden jetzt erst einmal nur ein wenig im Gelände geritten und bekommen Zeit auf der Weide. Das ist ganz wichtig für die Gesunderhaltung und auch für die Psyche.“

Vorher nutzte Sandra Auffarth am Sonntag die letzte Chance dazu, noch einmal erfolgreich zu sein. Sie wurde in dem Zeitspringen mit La Vista in 50,15 Sekunden Zweite. Letzter Sieger des Turniers war der Niederländer Jur Vrieling mit Baltic in 49,73 Sekunden.