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Agravis-Cup 2018 Team des RC Hude bejubelt zweiten Platz

Von Lars Pingel | 02.11.2018, 13:57 Uhr

Kurz vor dem Wettbewerb der Dressur-Teams im Agravis-Cup 2018 musste der RC Hude seine Equipe umstellen: Laura Lakeberg, die die Kür vorher nie geritten war, sprang für ihre erkrankte Schwester Jette Lakeberg ein. Das von Lutz Harfst vorgestellte Quartett, in dem auch Chiara Sophie Stöver, Marie-Pauline Philipp und Marten-Louis Philipp ritten, belegte trotzdem Platz zwei.

Es erscheint eigentlich unmöglich, dass jemand wie Lutz Harfst vor einer Dressur-Kür eines Teams, das er vorstellen wird, noch überrascht und dadurch vielleicht sogar leicht nervös werden kann. „Ich mache das jetzt seit 30 Jahren“, erklärte der Reitlehrer des RC Hude am späten Donnerstagabend in der EWE Arena in Oldenburg. Einige Stunden zuvor war genau das passiert, gestand er: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Er hatte nach dem auch für einen solchen Routinier aufregenden Tag sein Lachen aber schon lange wiedergefunden. Das ging vielen Hudern so, um Harfst herum feierten die Fans ein Quartett, das in der gut besuchten Halle eine glänzende Leistung geboten hatte. In der Dressurprüfung der Klasse A Kür für Vereinsmannschaften des Agravis-Cups 2018 waren Chiara Sophie Stöver mit Best Friend, Laura Lakeberg mit Frisco, Marie-Pauline Philipp mit Bob Braveheart und Marten-Louis Philipp mit Duke’s Diamond mit der Wertnote 17.8 Zweite geworden. Und das nachdem es kurz vor Prüfungsbeginn noch so ausgesehen hatte, als müsste der RCH den Start sogar absagen, denn Jette Lakeberg, die mit Frisco die Kür einstudiert hatte, war krank. „Es ging nicht, das konnten wir nicht riskieren. Doch dann hat Laura gesagt, dass sie für ihre Schwester einspringt. Das war trotzdem schon alles sehr schwierig“, meinte Harfst.

Laura Lakeberg schaut auf der Fahrt nach Oldenburg ein Video der Kür

Laura Lakeberg kannte die Kür im Grunde nicht. Sie wusste das, was ihre Schwester ihr erzählt hatte, und das, was sie beim Zuschauen beim Üben gesehen hatte. „Auf dem Pferd hatte sie höchstens zwei-, dreimal gesessen“, ergänzte Harfst. Er handelte. Schnell wurde eine Videoaufnahme von der Lektion besorgt, das sich Laura Lakeberg auf der Fahrt nach Oldenburg mehrfach anschaute. Vor der Halle „sind wir die Kür dann ein paar Mal zu Fuß abgegangen, damit Laura eine Vorstellung von den Räumen bekommt“, berichtete der RCH-Reitlehrer.

Doch damit nicht genug: Es tauchte plötzlich die Frage auf, ob ein Reiterwechsel so kurz vor der Prüfung noch möglich ist. „Die Richter haben dann gesagt, dass das geht.“ Damit war die letzte Klippe überwunden. Das Huder Quartett konnte als letztes der 14 Teams ins Viereck einreiten. Wenn es denn dort Schwierigkeiten gab, dann waren sie nur von Harfst und von exzellenten Dressurkennern zu erkennen. „Laura hat das extrem gut gemacht“, lobte der Reitlehrer: „Es war aber genauso super, wie die anderen Drei ihr geholfen haben.“

Wertungsrichter loben „Sport vom Feinsten“

Das RCH-Quartett begeisterte mit seinem Auftritt zu Musik die Wertungsrichter Christoph Hess und Michael Krüger. „Wir haben gutes Reiten gesehen“, sagte Hess in der Bewertung. „Das war insgesamt eine supersympatische Kür.“ Die Huder hätten „Sport vom Feinsten“ geboten. Das Quartett erhielt für die Ausführung eine 8.4 und für die künstlerische Gestaltung eine 9.4. Das ergab die Wertnote 17.8. Besser war nur das Team der TG Bad Zwischenahn, die sich mit einer 18.0 den ersten Rang sicherte. Platz drei ging an den RuF Wietmarschen (17.6).

„Ich habe ihnen gesagt, dass sie nichts zu verlieren haben“, erzählte Harfst später zwischen vielen Umarmungen, was er seinen Reitern vor dem Einritt in die Halle gesagt hatte. Die gewannen dort dann allerdings eine ganze Menge. „Oldenburg ist für uns ein gutes Pflaster“, stellte Harfst auch mit Blick auf den Erfolg der von Katja Stöver vorgestellten Ponymannschaft im Vorjahr fest.

Lutz Harfst möchte Teamgeist fördern

Harfst hat seine Faszination für die Mannschaftsdressur als junger Reitsportler gefunden. „Die habe ich von zu Hause mitbekommen. Schon mein Opa und mein Vater sind in Mannschaften geritten.“ Er sei immer in Teams, die von Dirk Wardenburg vorgestellt wurden, dabei gewesen. Irgendwann habe er sich dann gesagt, dass in seinem Verein jemand gebraucht wird, der dies fortsetzt. Also habe er angefangen, Reiter zusammenzusuchen. „Man übt zusammen, man kämpft zusammen, du brauchst den Teamgedanken“, sagte Harfst. Das sei in einer Individualsportart wie Reiten gerade für den Zusammenhalt in einem Verein wichtig. Inzwischen mehr denn je. Heutzutage würden die Sportler bei vielen verschiedenen Reitlehrern an unterschiedlichen Orten trainieren, während sich früher alle auf der Vereinsanlage bei einem Reitlehrer getroffen hätten.

Es sei natürlich nicht immer leicht, mehrere Reiter „unter einen Hut zu bekommen“, sagte Harfst. Doch im RC Hude ist es gelungen, das Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, dass eine Mannschaft außer dem reiterlichen Können eben auch stark macht. Das Pferdeteam ist eine größere Gruppe als die vier Sportler, die ursprünglich in Oldenburg antreten sollten. Aus dem Quartett, das mit dem Erfolg bei der Kreismeisterschaft Mitte August auf dem eigenen Platz den Startplatz im Agravis-Cup gesichert hatte, war dort nur noch ein Reiter dabei, berichtete Harfst. Kerstin Drieling, Merle Harfst, Marie-Pauline Philipp und Jette Lakeberg holten den Kreistitel. „Das ist ebenfalls etwas, das es ausmacht: Dass der Nächste reinkommt und es funktioniert auch“, erklärte Harfst. Wenn dann eine Schwester ganz kurzfristig einspringt, gerät sogar ein erfahrener Reitlehrer wie Lutz Harfst nach einer Prüfung noch ein bisschen ins Schwärmen. Ob die Leistung seines Quartetts nicht mit sensationell beschrieben werden könne, wurde er gefragt. „Ja“, antwortete er schmunzelnd, „das kann man schon so sagen.“