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Analyse zur EM 2016 „Die Schiedsrichter pfeifen bislang sehr gut“

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 20.06.2016, 09:01 Uhr

In einer kleinen dk-Serie geben die Schiedsrichter Harald Theile (Ausschuss-Vorsitzender im Fußball-Kreis) und Sven Schlickmann (Lehrwart) jeden Montag ihre Eindrücke von den Leistungen der Referees wieder, sprechen über mögliche strittige Entscheidungen und die Umsetzung der neuen 95 Regeln, die seit dem 1. Juni weltweit gelten.

Ein Grund, warum Fußball in den meisten Ländern der Welt die mit Abstand beliebteste (Mannschafts-)Sportart ist, liegt auch in ihren Regeln begründet: Die wichtigsten – mit Ausnahme vielleicht noch der Abseitsregel – sind auch für Laien relativ einfach zu verstehen. Die Beliebtheit für den Kick mit dem runden Leder dürfte sich auch nach der EM nicht grundregelnd ändern. Dabei hat es zum 1. Juni eine der größten Regelreformen in der Geschichte des Fußballs gegeben. Satte 95 (!) Änderungen haben die Regelhüter vor Kurzem beschlossen. Sie kommen schon bei der EM zum Einsatz und greifen auch jetzt schon im Fußball-Kreis.

Die wichtigsten der 95 neuen Fußball-Regeln

Doch die Zahl der Regeländerungen klingt dramatischer als sie ist. „Die meisten Anpassungen bekommt der Zuschauer gar nicht mit“, hat Harald Theile nach der ersten EM-Woche beobachtet. Die offensichtlichste Regeländerung ist diese: Beim Anstoß kann der Ball in jede Richtung gepasst werden – die deutsche National spielte den Ball bislang zweimal zurück in die eigene Hälfte. Bisher musste der Ball erst in die gegnerische Hälfte gespielt werden. Schiedsrichter-Chef Theile findet diese Regelanpassung „sehr sinnvoll“.

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Eine weitere Regeländerung, die bei der EM bislang aber noch nicht zum Tragen kam: die sogenannte Dreifachbestrafung im Strafraum kann entfallen. Das heißt, bei einer Grätsche nach dem Ball im Strafraum soll eine Notbremse nun nicht mehr mit Strafstoß und Rot bestraft werden, sondern mit Strafstoß und Gelb. „Zieht der Verteidiger aber am Trikot oder versucht gar nicht, den Ball zu spielen, kann es weiterhin Rot geben“, erklärt Theile und betont: „Da gibt es für die Schiedsrichter weiterhin viel Interpretationsspielraum.“ Der Schiedsrichter-Chef findet diese Anpassung der Regel „gut“.

Unterschiede in der Leistungsdichte bei WM und EM

Die Leistungen der Schiedsrichter wie etwa der des deutschen Unparteiischen Dr. Felix Brych beim „Briten-Battle“ zwischen England und Wales bewerten sowohl Theile als auch seine Kollege Sven Schlickmann bis auf ein paar Kleinigkeiten als „sehr gut“. Warum die Schiedsrichter kaum im Fokus stehen, hänge mit der Leistungsdichte der Referees in Europa zusammen, erklärt Schlickmann. Im Vergleich zu Weltmeisterschaften, wo Schiedsrichter von (fast) allen Kontinenten pfeifen, sieht der Kreislehrwart „deutliche Unterschiede“. „Das Niveau der Ligen ist in Europa einfach höher als in Asien oder Afrika. Das macht sich dann leider auch bei den Leistungen der Referees bemerkbar.“