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Andere Probleme dringender Politik bremst Delmenhorster Fußballer bei Kunstrasen aus

Von Daniel Niebuhr | 16.02.2017, 22:03 Uhr

Die Fußballer in Delmenhorst werden wohl noch länger auf einen Kunstrasen in der Stadt warten müssen. Die Politik zeigt in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Sport, Wissenschaft und Kultur wenig Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung.

Funktionäre sind ja ausgesprochen begabt darin, just abgepfiffene Spiele sofort zu analysieren. Marco Castiglione zeigte in dieser Hinsicht gestern bemerkenswertes Talent; die Sitzung des Ausschusses für Bildung, Sport, Wissenschaft und Kultur war gerade erst vorbei, da hatte der Fußball-Chef des TV Jahn schon seine knackige Deutung parat. „Es war eine Niederlage für den Fußball“, befand er, „aber Fußballer müssen auch mit Niederlagen umgehen.“

Fraktionenübergreifende Skepsis

Aus ihm sprach die Erkenntnis, dass die Hoffnung auf einen Kunstrasenplatz in Delmenhorst seit der gestrigen Sitzung wieder kleiner geworden ist. Das Thema, das die Fußballer der Stadt seit Jahren umtreibt, stand zwar zumindest einmal auf der Tagesordnung, was erst einmal Hoffnung machte – die Motivation der Politik zur finanziellen Hilfe beim Bau einer Anlage hielt sich fraktionsübergreifend allerdings in sehr engen Grenzen. Edith Belz von den Linken fasste drastisch zusammen, was die meisten Ausschussmitglieder äußerten: „Es widerspricht jedem gesunden Menschenverstand, sich einen Kunstrasenplatz zu gönnen, wo viele andere Dinge dringender sind.“

Tenor: Sporthallensanierungen sind dringender

Der Tenor in nahezu allen Parteien ist aktuell: Kunstrasen ja, aber nicht mit städtischem Geld. Die Verwaltung hatte vorher Gespräche geführt, einen Kunstrasen an den Standorten in Adelheide, am Brendelweg und im Stadion durchgespielt und Kosten zwischen 700000 und 750000 Euro ermittelt – für die meisten war das zu viel. Nicht nur Uwe Dähne (UAD) verwies auf die miserablen Zustände in vielen Sporthallen, die erst saniert werden sollten. Bis 2019 stehen allein drei Vollsanierungen an – in den Hallen am Stadion, in Annenheide und Bungerhof –, für jede von ihnen schätzt die Verwaltung den Aufwand auf 1,5 Millionen Euro. Dähne fasste die 17 langfristig nötigen Teil- oder Vollsanierungen zusammen und fürchtete, „dass das 20 bis 25 Millionen Euro kosten wird“. Thomas Kuhnke von den Freien Wählern nannte daher allein die Überlegung, einen Kunstrasenplatz zu finanzieren, „Wahnsinn“.

Stadtsportbund soll Arbeitsgruppe leiten

Ein Argument gegen finanzielle Hilfe ist zweifellos die Tatsache, dass nur Vereine – allein oder als Zusammenschluss – Fördergelder im fünfstelligen Bereich vom Landessportbund abschöpfen können, die Stadt dagegen nicht. Womit der Ball, aus Sicht von Belz, weiter bei den Vereinen liegt.

Mehr als eine minimale Hilfestellung kam aus dem Ausschuss dann auch nicht. Bürgermeisterin Antje Beilemann (SPD) regte eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Politik, der Vereine und des Stadtsportbundes (SSB) an, die die Lage sondieren soll. SSB-Vorsitzender Holger Fischer erklärte seine Bereitschaft, die Federführung zu übernehmen, aber nicht ohne festzustellen: „Wir finden, dass andere Dinge, wie die Hallensanierungen, eher finanziert werden sollten.“

Fußballer reagieren enttäuscht

Für Castiglione – wie für viele Fußballer – ist das enttäuschend, Jahns Abteilungsleiter nannte das Ergebnis „ein Gnadenbrot“. Er wollte auch das Argument, Sporthallensanierung sei dringender, nicht gelten lassen: „Wenn es denn so wäre, dass statt des Baus eines Kunstrasenplatzes nun reihenweise Sporthallen saniert werden, wäre ja alles in Ordnung. Aber das passiert ja auch nicht.“