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Arrowhead-Turnier 2017 Bogensport Delmenhorst richtet EM-Qualifikation aus

Von Lars Pingel | 29.06.2017, 16:27 Uhr

An diesem Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, richtet Bogensport Delmenhorst auf dem Gelände in Schlutter das internationale Arrowhead-Turnier 2017 aus. Für die Feldbogenschützen des DSB-Kaders geht es dort um die Startplätze für die Europameisterschaft. Zuschauer dürfen die Wettkämpfe nicht verfolgen.

Der erste Eindruck könnte täuschen. Deshalb warnen der Wiesbadener Klaus Lindau, Bundesreferent für Bogensport im Deutschen Schützenbund (DSB), und der Kölner Peter Lange, DSB-Disziplintrainer der Feldbogenschützen, davor, diesem zu folgen. „Es gibt dort keine Berge“, sagt Lindau über das Bogensportgelände in Schlutter, auf dem der Verein Bogensport Delmenhorst an diesem Samstag und Sonntag, 1. und 2. Juli, sein internationales Arrowhead-Turnier 2017 ausrichtet. „Der Kurs ist allerdings intelligent ausgesteckt, dadurch wird er sehr anspruchsvoll“, fährt Lindau fort. Lange sieht die Sache genauso: „Das Gelände ist nicht alpin; es hat aber trotzdem seine Reize.“ Unterschätzen sollten es die besten deutschen Feldbogenschützen also nicht. Sie treten dort an, um in dem Ranglistenturnier Punkte zu sammeln, die für die Kaderbildung des kommenden Jahres dienen, und um sich einen Startplatz bei der Europameisterschaft zu sichern, die vom 22. bis 26. August in Mokrice-Catez in Slowenien ausgetragen wird. Dementsprechend hochklassig ist das 96-köpfige Teilnehmerfeld besetzt: Zwölf Aktive des DSB-Feldbogen-Kaders, 35 Mitglieder der Kader der Landesverbände – damit 47der 50 deutschen Kaderschützen – und insgesamt fünf Starter aus den Niederlanden und Belgien haben sich angemeldet, teilte das Organisationsteam von Bogensport mit. Der gastgebende Verein wird mit fünf Feldbogenschützen in den verschiedenen Klassen vertreten sein.

15-köpfiges Organisationsteam

Die Planungen für das Turnier 2017 begannen unmittelbar nach Abschluss der vergangenen Auflage im Juni 2016, erzählt Eike Christian Böse, Vorsitzender von Bogensport. Die Vorbereitung und Ausschreibung für ein zweitägiges und so hochklassiges Turnier sei schon recht aufwendig. 15 Vereinsmitglieder bilden das Organisationsteam, erklärte Böse. Alles habe gut geklappt.

Zuschauer dürfen nicht ins Gelände

Eine Besonderheit hat ein solches Turnier der Feldbogenschützen allerdings. „Aus Verkehrssicherungsgründen ist der Kurs für die Öffentlichkeit nicht zugänglich“, erklärt Böse: „Selbst ich darf nicht ins Gelände.“ Dort, in dem Waldgebiet in Schlutter, sind 24 Stationen aufgebaut, an denen die Teilnehmer in Gruppen auf die Scheiben schießen werden. Diese werden nicht ebenerdig aufgestellt, sondern erhöht oder leicht schräg zum Schützen. Außer den Sicherheitsgründen gibt es einen weiteren Anlass dafür, dass Zuschauer den Wettkampfbereich nicht betreten können. „Die Schützen dürfen keine Informationen über die Stationen bekommen“, erklärt Lange.

Zwei Runden

Die Teilnehmer treten mit drei Bogenarten – Recurvebogen, Blankbogen und Compoundbogen – in dem Turnier an. Mit diesen ermitteln sie Sieger und Platzierte in den Klassen Kadetten (w/m), Junioren (w/m), Damen, Herren und Master (w/m). Am Samstag wird auf unbekannte Entfernungen geschossen, am Sonntag auf bekannte, erklärten Martina Birke, stellvertretende Vorsitzende von Bogensport, und Pressewart Hermann Weber: „Begrüßung ist an beiden Tagen um 9.30 Uhr, Schießbeginn um 10 Uhr.“ Die Ergebnisse beider Runden werden addiert, daraus ergibt sich die Gesamtwertung.

Birke und Weber haben in der Teilnehmerliste ein paar Favoriten ausgemacht. Zu ihnen gehören der amtierende Vize-Weltmeister Sebastian Rohrberg (SV Dauelsen), der 2004 und 2008 den WM-Titel gewonnen hatte, und Carolin Landesfeind (Oberursel), die bei der Feldbogen-WM 2016 Bronze gewann. Vierte wurde dort Daniela Klesmann (BS Nürtingen).

Silbermedaillengewinnerin Lisa Unruh hat gemeldet

Eine der ersten Anwärterinnen auf den Sieg in Schlutter ist natürlich auch die populärste deutsche Bogenschützin Lisa Unruh. Sie ist Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Dort gewann die Berlinerin mit dem Recurvebogen den Wettbewerb nach WA-Regeln, in dem zweimal 36 Pfeile auf 70 Meter Entfernung geschossen werden und die Medaillen im K.o.-Verfahren vergeben werden, die erste Olympische Einzelmedaille für einen Bogenschützen im DSB. Außer in der Olympischen Sportart feiert sie aber auch im Feldbogenschießen große Erfolge. Sie war beispielsweise 2014 in Zagreb sogar Weltmeisterin geworden. Sie führt derzeit die DSB-Rangliste der Feldbogenschützinnen mit dem Recurvebogen an.

Kaderschützen kämpfen um EM-Tickets

„Der Wettbewerb wird schon sehr spannend“, erklärt Lange, was er von den beiden Durchgängen in dem Waldgebiet bei Delmenhorst erwartet. Seine Kaderschützen sollten sich „vorne durchsetzen“, sagt er. Deshalb seien Überraschungen aber nicht ausgeschlossen, denn auch die Schützen, die keinem Kader angehören, sind in der Lage sehr starke Leistungen abzurufen. Die EM-Tickets gehen in den drei Bogenklassen jeweils an die beste Kader-Schützin und den besten Kader-Schützen des Bogensport-Turniers. „Sie müssen aber auch die internationale Norm erfüllt haben“, ergänzt Lange. In der Kadersichtung für das Jahr 2018 ist die Veranstaltung des Delmenhorster Vereins das zweite von drei Ranglisten-Turnieren. Das erste fand im April in Wirsberg statt, das dritte wird die DM in Hohegeiß (15. und 16. Juli) sein.