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Atlas-Trainer im Interview Jürgen Hahn: „Es gibt mehrere Schlüsselmomente“

Von Klaus Erdmann | 09.06.2017, 10:52 Uhr

Atlas-Trainer Jürgen Hahn äußert sich im dk-Interview um richtungsweisende Spiele, Neuzugänge und den Respekt der Konkurrenz. Und einiges mehr.

Pfingsten befindet sich auf der Zielgeraden. Im Biergarten des Oldenburger Restaurants „Der Schwan“ geht es eher ruhig zu. Gelassenheit ist Trumpf. Das trifft auch auf den Gemütszustand von Jürgen Hahn zu. Der im oberpfälzischen Amberg geborene Cheftrainer des SV Atlas Delmenhorst, Aufsteiger in die Fußball-Oberliga, präsentiert sich zufrieden und gut gelaunt. Der 46-Jährige blickt zufrieden auf die nahe Vergangenheit zurück und sieht mit Vorfreude der Zukunft entgegen.

Herr Hahn, zwei Tage nach dem Gewinn der Meisterschaft haben Sie ein Spiel der EWE-Baskets verfolgt und jetzt waren Sie auf Norderney, wo Pfingsten immer viel Sport auf dem Programm steht. Geht es in der fußballlosen Zeit nicht ohne Sport?

Ganz ohne Sport geht es eigentlich nie. Ich trainiere ja auch noch die E-Jugend des Post SV Oldenburg. In dieser Mannschaft spielt mein Sohn Finn. Oftmals fahre ich von der E-Jugend direkt zum Atlas-Training. Die Jungs haben noch zwei Spiele.

2017/18 spielt der SV Atlas Delmenhorst in der Oberliga. Wann haben Sie das realisiert?

Das ging bei mir recht schnell. Ich habe mir zuvor auch Spiele des VfL Oldenburg oder SSV Jeddeloh angesehen. ‚Was wäre, wenn... – das hat man in Gedanken natürlich schon mal durchgespielt.

Haben Sie an allen Feierlichkeiten teilgenommen?

Ich habe am Sonntagabend gefeiert. Am Montag musste ich wieder arbeiten und konnte nicht am Frühschoppen teilnehmen. Am Donnerstag gab es noch ein Abschlussessen mit der Mannschaft bei „Jan Harpstedt“.

Pfingsten stand Mallorca auf dem Programm von Spielern und Funktionären. Warum sind Sie bei dieser Teambuilding-Maßnahme nicht dabei?

Das sollen die Jungs mal schön alleine machen (schmunzelt).

Schauen wir auf die Saison 2016/17 zurück. Wann hatten Sie das Gefühl, dass es mit dem Aufstieg klappen könnte?

Es gab mehrere Schlüsselmomente. Am zweiten Spieltag, beim 3:0 in Nordhorn, wusste ich, dass wir mithalten können. Wir sind dort toll aufgetreten. Nach den Spielen gegen Melle (1:1, Anmerkung der Redaktion) und Lohne (0:1) folgte das Rückspiel in Bad Rothenfelde. Beim 2:1 waren wir mutig und selbstbewusst und ich wusste, dass wir auch gegen Spitzenmannschaften gewinnen können. Nach dem guten Spiel gegen Dinklage (2:0) dachte ich mir: Wir können es schaffen. Gegen Dinklage war ein großer Wille vorhanden. Der hat sich in den Spielen in Lohne (1:1) und gegen den VfL Wildeshausen (5:1) wiedergefunden.

Sie sind ja auch ein Freund der Statistik. Worauf sind Sie diesbezüglich besonder stolz?

Wir haben in jeder Liga die wenigsten Gegentore bekommen. Das zeigt, dass wir diszipliniert und stabil stehen. Außerdem bauen wir kontrolliert auf. Und vorne ist dann alles möglich.

Ihre Elf verfügt über die beste Rückrundenbilanz.

Ja, wir haben uns stetig verbessert. Erstens als Mannschaft und zweitens, wenn es um die Einstellung geht. Wir spielen leistungsorientierten Fußball und müssen alles professionell sehen. Manchmal muss man an die Schmerzgrenze gehen – das ist währen der Saison passiert. Wir haben auf jeden Gegner gut reagiert und waren bis zum Schluss einigermaßen locker. In den Jahren zuvor hatten wir Aufstiegsdruck.

Was hat Sie 2016/17 angenehm überrascht?

Der Wechsel der Einstellung. Es gibt eine gute Identifikation mit dem Verein. Zudem hat die sportliche Entwicklung weiter angehalten.

Welcher Spieler hat Sie positiv überrascht?

Tom Witte. Er wollte ja ursprünglich in die USA gehen und wir hatten ihn schon nicht mehr auf er Karte. Doch dann kam der zu uns zurück. Wir haben ihn zum Linksverteidiger umfunktioniert und er hat seine Sache überragend gemacht. Tom Witte war ein stabiler Faktor.

Mit Marco Prießner, Mark Spohler, Nick Köster Thade Hein und Oliver Rauh hat der Verein fünf neue Spieler verpflichtet. Haben Sie das Kapitel Neuzugänge beendet?

Marco Prießner und Mark Spohler haben bereits vor längerer Zeit bei uns trainiert. Sie haben schon ihren Platz in der Kabine. Nick Köster kenne ich noch von meiner Zeit beim VfB Oldenburg her. Wir hatten stets Kontakt. Er ist ein toller Spieler und ein guter Typ. Thade Hein kann sich in der Vorbereitung zeigen. Er war eine Woche bei uns und hat es gut gemacht. Oliver Rauh hat zweimal bei uns trainiert. Er ist ein Spieler für die Außenbahn. Ich bin noch mit anderen Spielern in Gesprächen. Übrigens: Bei uns bewerben sich viele Spieler. (Weiterlesen: SV Atlas verpflichtet Thade Hein und Oliver Rauh)

Am 22. oder 23. Juli spielt Ihre Mannschaft in der ersten Runde des niedersächsischen Pokalwettbewerbs gegen den doch nicht aus der Regionalliga abgestiegenen BSV Rehden. Kommt dieses Spiel zu früh?

Wir starten am Montag, 3. Juli, mit dem Training. Bis zum Pokalspiel sind es dann drei Wochen. Das ist in Ordnung so. Es ist toll, dass wir in der Runde der letzten 32 sind und gegen einen Regionalligisten spielen. Wir sind Außenseiter, aber wir haben eine reelle Chance.

Der Sieger des Spiels Delmenhorst gegen Rehden trifft in Runde zwei auf den Drittligisten und Niedersachsenpokal-Gewinner VfL Osnabrück. Dieser Name elektrisiert bereits jetzt einige Fans ...

Eventuell ein Pflichtspiel gegen Osnabrück – das ist einfach irre. Aber warten wir mal ab.

Der BSV Rehden bezeichnet den SV Atlas als starken Aufsteiger. Uwe Erkenbrecher, Trainer des Oberliga-Siebten MTV Gifhorn und gebürtiger Delmenhorster, traut Ihnen sehr viel zu. Mit welchen Gefühlen betrachten Sie solche Vorschusslorbeeren?

Das, was Erkenbrecher & Co. sagen, zeugt von Respekt vor unserer Leistung. Es ist Anerkennung für den ganzen Verein. Sie haben registriert, was passiert ist und gesehen, dass wir tolle Fans haben. Auf der anderen Seite muss man die Erwartungshaltung in der Oberliga relativieren. Ich habe viele Spiele gesehen und weiß, dass wir uns etablieren müssen. Der Trainer ist zwar sehr ehrgeizig, aber auch Realist (lacht). (Weiterlesen: Wiedersehen mit „Erke“ und „Isi“)

Jörg Borkus, Vorsitzender des SV Atlas Delmenhorst, hat in einem vorausgegangenen großen dk-Interview gesagt, dass Sie seiner Bitte nach einer „normalen“ Saison nicht nachkommen könnten ...

Ja, das stimmt, Jörg Borkus hat sich beschwert (lacht). Aber mit einer normalen Saison rechne ich nicht. Bei Atlas ist immer viel los. (Weiterlesen: Atlas-Vorsitzender Jörg Borkus im Interview)

Wie sieht der Fahrplan vor der Oberliga-Saison 2017/18 aus?

Wie gesagt: Am 3. Juli ist Trainingsauftakt. Wir werden dann bald eine Leistungsdiagnostik betreiben. Die Spieler haben von Marco (Co-Trainer Marco Büsing, Anm. d. Red.) Hausaufgaben bekommen. Die müssen sie allerdings erst nach der Mallorca-Fahrt erledigen (lacht). In der ersten Woche ist ein Trainingsspiel gegen die eigene zweite Mannschaft geplant. Ferner sind die Teilnahme am Turnier in Ahlhorn, wo wir Titelverteidiger sind, ein Freundschaftsspiel gegen Tur Abdin, wobei die Betonung auf Freundschaft liegt, und am 14. oder 15. Juli ein Treffen mit Jeddeloh vorgesehen. Das ist eine gute Generalprobe vor dem Pokalspiel gegen Rehden. Wir werden auch wieder ein Trainingslager in Westerstede beziehen.

Machen Sie Urlaub?

Auf jeden Fall. Unter anderem mache ich auch wieder den alljährlichen Heimaturlaub.