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Atlas-Vorsitzender im Interview Jörg Borkus: „Dem Trainer reinreden? Niemals!“

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 31.05.2017, 09:24 Uhr

Nach der Landesliga ist vor der Oberliga: Jörg Borkus, der Vorsitzende des SV Atlas Delmenhorst, will nach der Landesliga-Meisterschaft und dem Oberliga-Aufstieg die Arbeit schnell wieder aufnehmen. Im großen dk-Interview blickt der Unternehmer auf das elektrisierende Saisonfinale zurück, spricht über steigende Eintrittspreise und wünscht sich Flutlichtspiele am Freitagabend.

 Herr Borkus, an dieser Stelle noch einmal Glückwunsch zur Meisterschaft in der Landesliga und dem Oberliga-Aufstieg. Wie waren die Feierlichkeiten? 

Sehr anstrengend. (schmunzelt). Wir haben am Sonntag erst mit den Fans im Stadion gefeiert, dann bis 4 oder 5 Uhr morgens bei Jan Harpstedt. Am Montag haben wir uns ab 10 Uhr zum Frühschoppen in der Innenstadt getroffen. Das Feiern hat viel Kraft gekostet, aber das wollten wir ja so. Es war grandios. (Weiterlesen: SV Atlas stürmt in die Oberliga) 

 Dabei hatten Sie gar keine Feier geplant ... 

Das stimmt. Das war die unvorbereiteteste Party, die wir je geschmissen haben. Aber besser eine geile und spontane Meisterfeier als eine perfekt durchorganisierte Vizemeisterfeier.

 David Lohmann hat kurz nach dem Titelgewinn schmunzelnd beklagt, dass der Vorstand noch nicht einmal Aufstiegsshirts organisiert habe. Er müsse ein ernstes Wort mit ihnen reden. 

 (lacht) Wir haben vor ein paar Wochen im Vorstand wirklich über dieses Thema gesprochen. Aber nach dem 0:1 beim SC Melle und dem 1:1 bei BW Lohne haben wir uns dagegen entschieden. Wir müssen auch respektvoll mit unseren Konkurrenten umgehen. (Weiterlesen: Die Meilensteine des SV Atlas Delmenhorst) 

 Haben Sie bereits Kontakt mit dem SV Bad Rothenfelde aufgenommen? Ohne die starke Leistung des SVR beim 3:3 gegen Lohne wäre Atlas nicht Meister geworden. 

Ich habe am Dienstag mit einem Verantwortlichen gesprochen und ihm versprochen, dass wir einige Bierfässer nach Bad Rothfenfelde rollen werden. Nachdem, was man so alles liest und hört über dieses Spiel, muss man nur sagen: Ein Riesenkompliment an diese Mannschaft, die aufopferungsvoll gekämpft hat. (Weiterlesen: Randnotizen zum Atlas-Aufstieg) 

 Nachdem die Meisterschaft feststand, hat sich das Stadion in ein blau-gelbes Tollhaus verwandelt. Sie brauchten mehr als zehn Minuten, um nach den zahlreichen Umarmungen und Bierduschen endlich zu Trainer Jürgen Hahn durchzudringen. Was haben Sie besprochen? 

Erst einmal waren wir beide fix und fertig. Dann habe ich Jürgen inständig gebeten, dass wir in der Oberliga bitte einmal eine normale Saison als Aufsteiger ohne Abstiegssorgen spielen müssen. Da musste Jürgen ziemlich laut lachen und sagte: ,Das kann ich dir nicht versprechen.‘ Und ich habe in dem Moment auch nicht so richtig daran geglaubt. Bei uns ist immer etwas los, das ist einfach unglaublich.

 Welchen Anteil hat Jürgen Hahn an der Meisterschaft? 

Einen sehr großen natürlich. Klar, wir haben einen starken Kader. Aber Jürgen schafft es, aus vielen hochveranlagten Spielern ein Team zu formen. Da kommt es ihm sicherlich zu Gute, dass er früher bei Jahn Regensburg unter Profi ähnlichen Bedingungen trainiert hat. Mit Marco Büsing hat Jürgen außerdem einen exzellenten Co-Trainer. Aber auch das Team hinter dem Team, seien es die Betreuer oder die Manager Bastian Fuhrken und Tammo Renken: alle leisten überragende Arbeit.

 Wer hat Sie in der Meistermannschaft in der vergangenen Saison denn am meisten überzeugt? 

Mit Patrick Degen und Dennis Janssen haben wir vor der Saison zwei richtige Königstransfer gelandet. Die beiden haben ein ohnehin schon homogenes und intaktes Spiel menschlich und sportlich enorm bereichert. Die haben uns noch mal einen Extra-Kick gegeben. Wenn man auf unseren Kader guckt, muss man sagen: Wir haben 17, 18 absolut gleichwertige Spieler. Da jemanden hervorzuheben wäre gegenüber den anderen unfair. Die Offensivspieler stehen auf Grund ihrer spektakulären Aktionen ja ohnehin mehr im Fokus. Aber man darf auch nicht die Defensivleute vergessen. Wir hatten einmal mehr die beste Abwehr. Das war vielleicht auch ein Schlüssel für die Meisterschaft. Wenn ich jetzt aber einen Spieler der Saison nennen soll, dann mache ich das doch: Das ist für mich Tom Witte. Unaufgeregt, immer zuverlässig und zweikampfstark auf seiner linken Abwehrseite. Als er nach seinem Handbruch ausgefallen ist, hat man das schon gemerkt. Tom ist kein Lautsprecher, dafür aber ein absoluter Teamplayer. (Weiterlesen: Maximilian Klatte und sein perfekter Abschied) 

 Haben die Atlas-Anhänger auch ihren Anteil an der Meisterschaft? 

Absolut. Aus Fansicht war für mich die Auswärtspartie in Lohne das Spiel der Saison mit den fast 1000 Fans, die uns begleitet haben. Die farbenfrohen Choreografien von Blau Gelb Reloaded waren beeindruckend. Fast eine halbe Spielfeldhälfte war in blau und gelb – das war ein beeindruckendes Bild. Dazu dann noch die lautstarke Unterstützung aus dem Block H. Am meisten beeindruckt hat mich das Verhalten unserer Fans nach dem Spiel. Beide Fanclubs haben die Mannschaft direkt wieder aufgebaut. Das war überragend.

 Sie sollen nach dem Spiel aber von einigen Fans bepöbelt worden sein, die die Auswechslungen von Jürgen Hahn in diesem Spiel nicht verstanden haben und Sie aufgefordert haben, einzugreifen. Ist das richtig? 

Diese Beleidigungen gab es, ja. Aber nur von ganz wenigen Personen. Ich war nach dem bitteren Ausgleich in der 88. Minute auch todtraurig, das konnte man nicht übersehen. Aber ganz viele Fans haben mir danach auf die Schulter geklopft und gesagt: ,Jörg, die Meisterschaft ist noch nicht entschieden.‘ Das tat richtig gut. Und noch kurz zu den Auswechslungen: Wir werden nie, nie, nie in die Arbeit unserer Trainer eingreifen und ihnen reinreden. Das überlassen wir anderen Vereinen. Wir haben ja beim alten SV Atlas hautnah erlebt, was passiert, wenn nur ein Mann das Sagen hat. Unser Motto bleibt: Wir arbeiten seriös. (Weiterlesen: Stimmen zum Atlas-Aufstieg) 

 Seriosität ist ein gutes Stichwort. Was erwartet den SV Atlas denn zukünftig in der Oberliga? 

Zunächst einmal eine Menge Arbeit (lacht). Wir müssen unseren Etat erhöhen, das ist klar. Um wie viel, das kann ich noch nicht sagen. Es sind ja nicht nur die höheren Buskosten auf Grund der längeren Fahrten, die anfallen, sondern auch viele weitere Ausgaben, die man vielleicht gar nicht so wahrnimmt. Vor allem die Kosten für die Sicherheit und die Infrastruktur werden steigen. In dieser Hinsicht war unser Spiel gegen Kickers Emden mit den 2100 Zuschauern schon mal ein guter Testlauf. (Weiterlesen: Auch die Oberliga ist für den SV Atlas attraktiv) 

 Wo sehen Sie denn Möglichkeiten, das Budget zu erhöhen? Bei den Sponsoren? 

Auf jeden Fall zuerst bei den Sponsoren. Allerdings haben alle Sponsoren gestaffelte Verträge, die sich pro Liga erhöhen, die es weiter nach oben geht. Wir müssen jetzt schleunigst die Euphorie nutzen, um noch mehr Sponsoren zu akquirieren. Wir wissen aber auch: Wir müssen unseren Sponsoren etwas bieten. Ich denke, dass es zum Beispiel die eigene Sponsorentribüne, wie wir sie auch schon gegen Emden hatten, häufiger geben wird beziehungsweise muss.

 Was ist mit den Eintrittspreisen? 

Die werden sich erhöhen müssen. So viel kann ich schon verraten. Aber in einem moderaten Rahmen. Wir werden auch wieder Dauerkarten oder Kombitickets anbieten, wodurch die Einzeltickets im Schnitt billiger werden. Was es ganz sicher nicht geben wird, sind Topzuschläge, wie es Lohne gegen uns gemacht hat. Das verbietet sich für uns. Was stabil bleiben wird, sind die Preise für Bier und Bratwurst.

 Sehen Sie im Stadion weitere Einnahmequellen? 

Auf jeden Fall. Wir müssen das Catering verbessern und erweitern. Die Möglichkeiten im Stadion sind zwar begrenzt, aber wir haben da schon unsere Ideen. Vielleicht können wir uns zumindest in diesem Fall dann doch etwas von BW Lohne abgucken: Was die mit ihrem Biergarten, dem Vereinsheim und allem drum und dran anbieten können, davor kann ich nur den Hut vorziehen.

 Das Stadion hat die Oberliga-Tauglichkeit erhalten, Flutlichtspiele sind dort allerdings nicht möglich. Ihr Verein denkt allerdings schon länger darüber nach, dieses Problem zu beheben. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? 

Vorweg muss ich an dieser Stelle die Arbeit der Verwaltung und speziell die Zusammenarbeit mit Hero Mennebäck vom Fachbereich Sport loben. Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt sind beschränkt, aber wir versuchen alles, um dort auch Spiele unter Flutlicht, möglicherweise unter mobilem Flutlicht, in der Oberliga austragen zu können. Das wäre zum Beispiel gegen unsere Nachbarn BV Cloppenburg, VfL Oldenburg oder TB Uphusen denkbar. Freitagabend, Flutlicht, ein attraktiver Gegner: Mehr geht doch nicht. Das ist für uns auch aus kommerziellen Gründen wichtig. Dann ist bei uns im Stadion mehr los als in einigen Diskotheken. (Weiterlesen: Delmenhorster Stadion ist bereit für die Oberliga) 

 Zum Abschluss eine sportliche Frage: Mit welchen Neuzugängen ist nach Marco Prießner, Mark Spohler und Nick Köster zu rechnen? 

Den Wechsel von Thade Hein aus der A-Jugend der SG Delmenhorst kann ich bestätigen. Mit Oliver Rauh vom TV Munderloh haben wir sehr gute Gespräche geführt. Alles Weitere werden wir bald bekannt geben. (Weiterlesen: SV Atlas verpflichtet Nick Köster)