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Basketball-Nachwuchs boomt Die teuflische Talentschmiede des Delmenhorster TV

Von Daniel Niebuhr | 08.12.2016, 11:26 Uhr

Tim Frerichs, Jugendleiter bei den Basketballern des Delmenhorster TV, setzt auf Herzblut und Teamspirit. Dank der Korbjägerinnen in der U14 wird nun sogar über die Rückkehr des Damenteams diskutiert.

Vor drei Wochen hatte Tim Frerichs mal wieder so einen Sonntag. Mittags das Feld bereit machen, um 14 Uhr die U16 betreuen, dann bei der U14 zuschauen und abends die U18 coachen, gute acht Stunden in der Sporthalle, alles im Dienste des Basketballs. Vermutlich war er ausnahmsweise dankbar, dass er zwischendrin nicht noch selbst spielen musste.

Aber er macht es ja gern, der Jugendleiter des Delmenhorster TV – er hat sich diesen Stress schließlich selbst eingebrockt. Denn zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt stellen die Devils wieder drei Mannschaften im Nachwuchsbereich, was in der Hauptsache Frerichs‘ Verdienst ist, der seit Jahren im Jugendbereich unauffällige, aber bemerkenswerte Arbeit leistet. (Weiterlesen: Talente des Delmenhorster TV sind heiß auf Basketball)

„Es ist cool bei den Devils“

Unauffällig deshalb, weil es selten Titel zu feiern gibt, doch die Erfolge werden beim DTV in anderen Einheiten gemessen. Eine U14 und eine U18 hatten die Delmenhorster schon, nun kam eine U16 dazu – keines dieser Teams hat Personalnöte. Im Training tummeln sich regelmäßig bis zu 20 Spieler. Ein kleiner Boom sei das schon, meint Frerichs – und zwar einer, der mit der simpelsten aller Werbungen funktioniert: „Es ist cool bei uns, und das spricht sich rum.“

Dabei macht der Devils-Nachwuchs aktuell nicht unbedingt durch spektakuläre Siegesserien auf sich aufmerksam. Alle drei Mannschaften stehen einträchtig im Mittelfeld ihrer jeweiligen Bezirksklasse, alle drei sind aktuell Vierter und auf ihre Weise doch Farbtupfer im Teilnehmerfeld.

Im U14-Mixed-Team geben die Mädchen den Ton an

In der gemischten U14, trainiert von Natalie Klein und Mathias Lülker von Türk, geben die Mädchen den Ton an, allein Anastasia Scheremetjew erzielt fast 24 Zähler pro Spiel und ist damit Liga-Spitze. In keinem anderen Team hat ein Mädchen überhaupt gepunktet, bei den Devils ist das schon sechs Spielerinnen gelungen.

Es gibt deshalb mittlerweile die Idee, zur kommenden Saison wieder ein Damenteam ins Rennen zu schicken, das mit den Frauen aus der Erwachsenen-Mixedmannschaft aufgefüllt wird. „Wir wollen die Mädels nicht auseinander reißen“, sagt Frerichs, der die erfolgreichen Zeiten Delmenhorster Frauenteams noch gut im Gedächtnis hat.

U14-Spielerin Anastasia Scheremetjew punktet auch in der U16

Scheremetjew mischt auch in der U16 fleißig mit, die es gern spannend macht. In einer Liga, in der hohe Siege der Normalfall sind, wurden vier der zehn Delmenhorster Spiele mit zehn Punkten Differenz oder weniger entschieden, so viele wie bei keinem Ligarivalen.

Offenbar nahm sich die U18 daran ein Beispiel und zwang zuletzt den ungeschlagenen Tabellenführer Oldenburger TB II in die Verlängerung, die 57:61-Niederlage nennt Frerichs zwar „ärgerlich hoch zehn“, er freut sich aber, „dass wir mit den Besten mithalten“.

Männercoach Stacy Sillektis wirft Auge auf Toptalent Christoph Wiedemann

Überhaupt macht die U18 dem Verein eine Menge Freude, das eingespielte Team bietet einmal mehr Potenzial für die Oberliga-Herren, die schon in den vergangenen Jahren immer wieder junge Spieler integrierten. „Tim macht da eine super Arbeit“, sagt Männercoach Stacy Sillektis, der gerade eine Auge auf U18-Toptalent Christoph Wiedemann geworfen haben wird, der zu den besten Werfern der Liga zählt. „Er hat unendliches Potenzial“, sagt Frerichs, der Wiedemann ganz uneigennützig schon zu Probetrainings der Nachwuchs-Bundesliga anmelden wollte: „Aber Christoph mochte nicht, er ist hier verwurzelt.“

Für die kommende Saison wird sich Frerichs etwas einfallen lassen müssen, denn sieben Spieler aus dem U18-Kader wechseln in den Seniorenbereich. Eine U20 oder eine dritte Herrenmannschaft sind die wahrscheinlichsten Optionen – denn trennen will den verschworenen Haufen niemand. Ein Luxusproblem in einer Jugendabteilung, deren Entwicklung „gerade mega Spaß macht“, wie Frerichs findet. „Es steckt viel Herzblut darin, aber ich sehe, dass sich die Arbeit lohnt.“

Kurisose Dreier-Statistik

Eine kuriose Statistik soll allerdings auch nicht verschwiegen werden – auch wenn sie für den Nachwuchschef kein Ruhmesblatt ist. Die Jugendmannschaften der Devils gehören zu den schlechtesten Dreierschützen der Bezirksklassen, eigentlich ein Unding – denn Trainer Frerichs zählt in der Oberliga zu den Besten in dieser Disziplin. Seine 14 Treffer sind in der laufenden Saison mehr als alle Delmenhorster Nachwuchsspieler zusammen zustande gebracht haben. Niemand hat gesagt, es gäbe nicht noch Luft nach oben.