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Basketball-Oberliga Delmenhorster TV erlebt bitteres Ende eines starken Jahres

Von Daniel Niebuhr | 17.12.2017, 23:33 Uhr

Das Oberliga-Spitzenteam Delmenhorster TV verliert sensationell das Spiel gegen Schlusslicht BG Rotenburg/Scheeßel mit 68:75. Nach 13 Siegen in Folge reist die Heimserie.

Wenigstens Stacy Sillektis bekam am Sonntagabend noch die Möglichkeit, sich abzureagieren. Der Spielertrainer des Delmenhorster TV musste sich nach dem 68:75 (30:31) seiner Oberliga-Basketballer gegen die BG Rotenburg/Scheeßel nicht groß umziehen, er lief danach auch noch für die zweite Mannschaft des DTV auf und konnte auf dem Feld mit der Verarbeitung der bittersten Pleite des Jahres beginnen. So frustriert, wie er aussah, musste man allerdings befürchten, dass es damit noch etwas länger dauern könnte.

ErsteHeimniederlage seit Septemburg 2016 für die „Devils“

Die Niederlage gegen Schlusslicht Rotenburg war auch für Sillektis eine Sensation und das überraschende Ende einer großen Serie für die Devils. Sie verloren dadurch nicht nur die Tabellenführung und den inoffiziellen Titel des Wintermeisters an Bremen 1860, sie verpassten auch eine perfekte Bilanz von elf Siegen aus elf Heimspielen 2017. „Dass dieses gute Jahr so aufhört, ist ganz ärgerlich“, erklärte der Coach, während neben ihm die Rotenburger nach zuvor fünf Niederlagen in Folge ihr Glück nicht fassen konnten.

Seit September 2016 hatte in 13 Spielen kein Gastteam mehr in der Stadtbadhalle gewonnen; warum es gestern passierte, war leicht zu erklären: Die Delmenhorster Distanzwurf-Spezialisten schlugen sich mit einer desaströsen Trefferquote und einer foullastigen Verteidigung größtenteils selbst. „So einen Gegner müssen wir eindeutig kontrollieren“, fand Sillektis und gestand: „Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir verlieren könnten.“

DTV liegt zur Pause zurück

Die Indizien hatten sich im Laufe des Spiels aber verdichtet. Nach dem Zwischenstand von 10:10 kassierten die Devils im ersten Viertel elf Punkte in Serie zum 10:21 und liefen dem Rückstand bis zur Halbzeit hinterher. Direkt zu Beginn des dritten Viertels schien der Favorit die Partie in die erwarteten Bahnen zu lenken. Mit fünf schnellen Punkten brachten Ali Akkurt und Terryl Woolery die Delmenhorster mit 35:31 nach vorne, nach dem 47:46 zogen die Rotenburger zum 50:47 wieder vorbei. Allein dieser Zwischenstand nach drei Vierteln ließ die Wurfschwäche erahnen – im Schnitt hatten die Devils in dieser Saison in ihren Spielen nach drei Vierteln 21 Zähler mehr erzielt, 68,8 ganz genau.

59 Sekunden vor Schluss führt Delmenhorst noch

Die Delmenhorster sind allerdings Spitzenteam genug, um dem Sieg dennoch ganz nahe zu kommen. Fünf Minuten vor Schluss sahen sie beim 49:58 wie der klare Verlierer aus; das dann von Sillektis verordnete Pressing funktionierte zwar nicht optimal, aber gut genug, um wieder heran zu kommen. Roman Holder erzielte das 63:63, Ali Akkurt besorgte 59 Sekunden vor Schluss von der Freiwurflinie die 68:67-Führung. Im Gegenzug gerieten die Gastgeber mit 68:69 in Rückstand, in den folgenden drei Devils-Angriffen verfehlten Tim Frerichs und zweimal Akkurt von der Dreierlinie.

Die Delmenhorster foulten nach jedem Fehlwurf direkt, doch die bei Freiwürfen bis dahin wackligen Rotenburger trafen plötzlich sicher von der Linie. Bezeichnenderweise ging auch Frerichs’ letzter Versuch mit der Schlusssirene weit daneben. DerRoutinier räumte selbstkritisch „eine schwache Quote“ ein. Dass der starke Marc Polley in den entscheidenden Minuten nach seinem fünften Foul nur noch zuschauen konnte, trug nicht zu Sillektis’ Erheiterung bei, nach dem Spiel stellte er die Schiedsrichter zur Rede, die mit einer strengen Linie insgesamt 37 Fouls pfiffen – 22 gegen die Devils. „Man durfte sich nicht viel erlauben“, meinte Frerichs. Sillektis wetterte: „Manchen Pfiff habe ich überhaupt nicht verstanden.“

Trotz der Niederlage ist der DTV über Weihnachten immer noch Zweiter und ein ernster Aufstiegskandidat – wenn die 2. Regionalliga denn eine Option wird. Eine Liga höher würde Sillektis als Coach ausfallen, eine Entscheidung über die Wahrnehmung des Aufstiegsrechts steht noch aus. Unabhängig davon war das Jahr 2017 aus Delmenhorster Sicht ein erfolgreiches mit 13 Siegen aus 17 Spielen. „Die Niederlage heute ist kein Beinbruch“, sagte Sillektis. „Wir werden in dieser Halle noch das eine oder andere Team schlagen.“