Ein Angebot der NOZ

Beim Streik doch gepfiffen Schiedsrichter Dräger will nach Streit keine Spiele mehr leiten

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 23.03.2017, 21:58 Uhr

Horst „Blacky“ Dräger hat nach Zoff mit Schiedsrichter-Chef Harald Theile seine Schiedsrichter-Pfeife abgegeben. Auslöser für den Streit ist Drägers Aushilfs-Einsatz bei einem Landesliga-Einsatz des SV Atlas in Voxtrup – entgegen der Stallorder, beim Schiedsrichter-Streit keine Partien zu leiten.

Er versucht als Unparteiischer Probleme auf dem Spielfeld in der Regel auf kommunikative Art und Weise zu lösen, er gehört zu den beliebtesten Schiedsrichtern auf Kreisebene und ist dort einer besten: Doch in naher Zukunft wird Referee Horst „Blacky“ Dräger wohl keine Spiele mehr in dieser Fußball-Region pfeifen. Denn der 45-jährige Delmenhorster hat in einer E-Mail seinen Kollegen seinen Rücktritt als Schiedsrichter für den Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst erklärt.

Grund für Drägers plötzlichen Schritt ist ein Zoff mit Kreisschiedsrichter-Obmann Harald Theile in diversen E-Mails. Dort kritisiere Theile, dass Dräger trotz des Schiedsrichter-Streiks im Weser-Ems-Gebiet am 12. März die Landesligapartie seines SV Atlas beim VfR Voxtrup pfiff und sich nicht mit seinen Schiedsrichter-Kollegen solidarisch gezeigt habe.

Dräger von Beleidigungen getroffen

Dräger berichtet, dass er nach der nicht von ihm befolgten „Stallorder“ zum Schiri-Streik der Unparteiischen im Weser-Ems-Bezirk von Sonntag auf Montag „böse E-Mails mit persönlichen Anschuldigungen und Verunglimpfungen“ von Theile und weiteren Schiedsrichter-Kollegen erhalten habe. Auch auf dem jüngsten Lehrgang der Schiedsrichter sei bei der 90-minütigen Sitzung eine halbe Stunde lang nur über sein Verhalten debattiert worden.

Dräger, der bereits von zwei mit ihm als Schiedsrichter angesetzten Spielen abgesetzt worden war, erklärte daraufhin nach einigen Tagen Bedenkzeit seinen Rücktritt per E-Mail. In dieser schreibt er unter anderem: „Unterstellungen, dass ich aus ,egoistisch geprägten Gründen‘ gehandelt habe oder gar den ,Einfluss auf die Spielwertung‘ mit Blick auf den Aufstiegskampf des SV Atlas ,kontrollieren‘ wollte, ,wenn man böse denken würde‘, sind Punkte, die mich in meiner Sportlerseele getroffen haben. [...] Und da es bisher nur den Ausspruch ‚bis auf Weiteres‘ gab, nehme ich euch mit dieser Mail die Entscheidung über die Dauer ab! Mit dem heutigen Tage endet meine Zugehörigkeit zum Schiedsrichterkreis, ich stehe somit als Schiedsrichter für den Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst nicht mehr zur Verfügung!“. Denn auf Spiele in den unteren Kreisklassen, für die er – so Drägers Befürchtung – dann nur noch eingesetzt werde, habe er keine Lust. Dräger überlegt nun, eventuell im Fußball-Kreis Diepholz oder in Bremen Spiele zu leiten.

Rüchtritt kommt für Schiedsrichter-Chef überraschend

Für Schiedsrichter-Chef Harald Theile kam Drägers Rücktritt am Donnerstag „völlig überraschend“, wie er dem dk erklärte. Er ärgerte sich vor allem darüber, dass Drägers Schritt „ohne Vorwarnung“ über eine Pressemitteilung des SV Atlas mit einer „aus dem Zusammenhang gerissenen Vorwürfen angereicherte Erklärung“ publik wurde und sah sich deshalb ebenfalls veranlasst, schriftlich Stellung zu beziehen.

Dräger habe, so schreibt Theile, „die Anweisung, die ich mit den Ansetzern unseres Kreisschiedsrichterausschusses (KSA) abgestimmt habe, bewusst ignoriert und von sich aus seinem Verein sofort angeboten, die Spielleitung in Voxtrup zu übernehmen, ohne zuvor mit mir oder einem Mitglied des Ausschusses über seine Absicht in irgendeiner Form gesprochen zu haben“.

Im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit hätte man dies erwarten dürfen, wie es zum Beispiel einige verunsicherte Schiedsrichter auch getan hätten. „In der von mir geforderten Stellungnahme dazu hat Blacky Dräger sogar eingeräumt, dass er mit einer Sanktion gerechnet habe“, schreibt Theile weiter. „Es versteht sich von selbst, dass sich alle Schiedsrichter als Mitglied einer großen Solidargemeinschaft gewissen Prinzipien unterzuordnen haben und nicht jeder tun und lassen kann, was er möchte oder dann zumindest das Gespräch sucht“, meint Schiri-Chef Theile. Für ihn stellt sich die Frage, „warum sich alle Schiedsrichter an unsere Weisung gehalten haben – nur einer nicht“.

Theile berichtet von „Bedenken von vielen Seiten“

Es sei kein Geheimnis, dass Dräger ein Mitglied der Atlas-Fangruppierung „Block H“ sei. „Allein schon aus dieser Sicht heraus hätte es gut getan, sich vor diesem Hintergrund gerade nicht als Spielleiter anzubieten, da bei fragwürdigen Spielentscheidungen automatisch Spekulationen [...] ihren Lauf genommen hätten.“ Aus diesem Grund habe er in einer persönlichen E-Mail an Dräger seine Bedenken an der Spielleitung, die ihm von vielen Seiten aus zugetragen worden seien, mitgeteilt, „ohne dass dies meine persönliche Meinung sein sollte“, schreibt Theile.

Dräger findet hingegen die von Theile geäußerten Bedenken „schräg“. Ihm sei von allen Seiten eine souveräne Spielleitung attestiert worden und er habe beim späten Atlas-Sieg sogar 3.50 Minuten nachspielen lassen. Dräger, der seit 1988 mit Unterbrechungen Schiedsrichter ist und vorher für den Delmenhorster TB pfiff, begründete seinen Schiedsrichter-Einsatz in Voxtrup unter anderen damit: Die Fangruppierungen „Block H“ und „Blau Gelb Reloaded“ hatten Busse organisiert, dazu war im Vorfeld der Partie Vorfeld ein Jugendspiel beider Vereine vereinbart worden. Außerdem wäre die Partie mit 0:5 Toren gegen beide Mannschaften gewertet worden, wenn sich Voxtrup und Atlas nicht auf einen Referee hätten einigen können.

Theile schreibt dazu: „Das Argument des SVA, dass das Spiel in Voxtrup einen erheblichen Vorbereitungsaufwand erfordert hat, kann ich auch in der Form entkräften, dass diese auf keinen Fall umsonst gewesen wären, da das Spiel ja auf alle Fälle hätte stattfinden müssen, indem sich die Vereine im Vorfeld auf irgendeinen Spielleiter hätten einigen müssen.“