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Bergedorferin tritt für die USA an Jenny Melville reitet bei der Islandpferde-WM

Von Katrin Brandes | 25.06.2015, 10:26 Uhr

Jenny Melville trainiert fast täglich für die Weltmeisterschaft im August in Dänemark. Die 27-jährige Bergedorferin liebt an den Islandpferden ihren klaren Kopf und ihr Temperament. Ein Porträt.

Eine Erfahrung hat Jenny Melville in den vergangenen zwei Jahrzehnten gemacht: „Man lernt viel durch die Pferde.“ Die 27-jährige Bergedorferin reitet, seit sie sieben Jahre alt ist – und ist voll und ganz den Islandpferden verfallen: „Isländer sind so besonders. Immer klar im Kopf und wahnsinnig temperamentvoll“, schwärmt sie, die zuerst auch Großpferde geritten ist. Aber „da fehlen mir die zusätzlichen Gänge“. Islandpferde bieten neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auch den sogenannten Tölt und teilweise Rennpass an.

Punkte sammeln bei World-Ranking-Turnieren

Melville ist amerikanische Staatsbürgerin. Daher tritt sie bei internationalen Turnieren für die USA an – und das äußert erfolgreich. Denn die Bergedorferin hat sich mit ihrem Top-Pferd Lýsingur frá Eystri-Hól (isländisch für „der goldene Wallach“) für die Islandpferde-Weltmeisterschaft 2015 im August in Dänemark qualifiziert. Bis Ende Mai hatte Melville auf vielen sogenannten World- Ranking-Turnieren genügend Punkte für die WM gesammelt. In Deutschland hätte die 27-Jährige dafür bis Juli Zeit gehabt. „Das war schon knapp, da Lýsingur im Winter vier Monate krank war,“ freut sie sich umso mehr über die erfolgreiche Qualifikation für den Start in Herning.

Schwere Prüfung in Belm gewonnen

Lýsingurs Paradedisziplin ist die Prüfung T2, bei der sich das Pferd selbst trägt. Das heißt, der Reiter gibt im schnellen Tölt die Zügelverbindung ganz auf, während die Zügel durchhängen. Das können nur sehr trainierte, talentierte Pferde. Gerade Anfang Juni hat Lýsingur diese Prüfung in Belm bei Osnabrück gewonnen. Bis zur Weltmeisterschaft in Jütland wird Melville deshalb weiter fleißig trainieren: „Ich will Lýsingurs Gesund behalten. Ihm soll die Arbeit Spaß machen.“

Erster Turniersieg beim ersten Turnierstart

Mit neun Jahren wagte Melville in der Pfalz den Umstieg auf die Islandpferde. Mit Þór (Thor) als erstem eigenen Pferd gewann die Bergedorferin gleich ihr erstes Gangpferdeturnier, mit der sie sich auch für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifizierte.

2008 aus der Pfalz nach Bergedorf gezogen

2003 kam Nachwuchspferd Rauðhetta (Rotkaeppchen) dazu, die sich mit ihrer roten Mähne den Namen redlich verdient hat. Sie und weitere Pferde, darunter auch Hengste, bildete Jenny Melville damals neben der Schule und dann neben dem Job im Einzelhandel aus. Melvilles Mutter Ingrid vermisste als gebürtige Vegesackerin aber die norddeutsche Heimat – und einen eigenen Hof. Den fanden Mutter und Tochter 2008 in einem ehemaligen Springreitstall in Bergedorf. In viel Eigenarbeit entstand am Boddensbrook mit der Töltbahn, Paddocks und Weiden ein heimeliges Zuhause, der Hof Atorka. „Das ist isländisch und bedeutet positive Energie, Tüchtigkeit, Tatkraft.“ Melville bewirtschaftet den Hof mit mehr als zehn Islandpferden fast alleine: „Ich habe mich ganz den Pferden verschrieben.“ Mutter Ingrid hilft, wenn es es ihre Zeit als Immobilienmaklerin zulässt.

Wallach in einem Trainingsstall entdeckt

2012 kam auch Melvilles aktuelles Top-Pferd Lýsingur auf den Hof. „Er hat wahnsinnig gute Grundgänge“, schwärmt Melville, die den Wallach in einem Trainingsstall entdeckte: „Ich kannte seinen erfolgreichen Vater und wusste: der wird was!“ Sein Talent hatte sie erkannt – und die viele Arbeit hat sich nun mit der WM-Teilnahme ausgezahlt.

Tolle Reitstrecken in Island und Kalifornien

Seit Anfang des Jahres lebt auch Ás Eyfjörð fra Bakka (Ase), ein pfiffiger siebenjähriger Schecke, auf dem Hof Atorka. Der Deckhengst hat bereits mit vier Jahren am renommiertesten Turnier Islands, dem Landsmót, teilgenommen. Island besucht Melville häufig. Denn die 27-Jährige hat dort gute Freunde und sucht immer wieder Nachwuchspferde aus. Sie liebt das Land: „Die Natur ist so wahnsinnig toll,“ ist sie noch heute von einer Reittour dort begeistert. „Die Islandpferde sind so tretsicher, man wächst in dem schwierigen Vulkangelände über sich hinaus.“

Nach der WM eventuell ein Studium

Und was kommt nach der WM? Melville überlegt, Marketing und Business Administration zu studieren. Aus einem guten Grund: „In Amerika hat jeder Hof einen Manager“, sagt Melville, die ihren Urlaub häufig bei Freunden in Kalifornien verbringt und dort ebenfalls viel reitet. „Das ist schon toll, dort in der Natur zu reiten.“ Doch auf Dauer ganz in die USA zu ziehen, das ginge nur „mit all meinen Pferden.“