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Bezirksliga-Stadtderby Delmenhorster Stadtduell zum Sonnenuntergang

Von Daniel Niebuhr | 20.08.2015, 23:30 Uhr

Am Freitagabend trifft der SV Atlas auf Tur Abdin. Die Vereine freuen sich auf die spezielle Atmosphäre und dürfen von einer vierstelligen Zuschauerzahl träumen.

Nach 45 Minuten hatte Holger Timme am Sonntag offenbar genug gesehen. Der Trainer der zweiten Mannschaft des SV Atlas war von Jürgen Hahn zur Beobachtung des SV Tur Abdin geschickt worden; er schaute sich zwar nur die erste Halbzeit des Bezirksligaspiels gegen den Heidmühler FC an, doch was er seinem Kollegen aus der Ersten berichten konnte, war durchaus aufschlussreich. Als Timme ging, führte Tur Abdin mit 1:0, am Ende hieß es 1:1 – und zum ersten Mal in dieser Saison hatte man erahnen können, warum die Mannschaft in der Vorsaison mit Platz drei die Liga verblüfft hatte. „Nicht schlecht“ sei das gewesen, meinte Timme anerkennend, bevor er aus dem Stadion verschwand.

„Sind gespannt, wie der Freitagstermin ankommt“

Von der Stärke der Aramäer kann Atlas ohnehin schon die eine oder andere Geschichte erzählen, das 1:1 im ersten Delmenhorster Stadtderby war in der Vorsaison einer der Punktverluste, die die Blau-Gelben schließlich um die Meisterschaft brachten. Es war zugleich auch einer der Saison-Höhepunkte; 1800 Fans strömten damals ins Stadion an der Düsternortstraße. Dass es am Freitagabend ab 19 Uhr zum ersten Duell der Saison 2015/16 noch einmal so viele werden, ist eher unwahrscheinlich; „eine vierstellige Zuschauerzahl wäre aber schon toll“, sagt Atlas-Trainer Jürgen Hahn. Der Freitagabend ist dafür vielversprechend, glaubt Manager Bastian Fuhrken, der mit Atlas offiziell Gastgeber ist: „Wir sind selbst gespannt, wie der Termin angenommen wird.“

Derby-Gewohnheit? „Quatsch!“

Es ist das dritte Mal, das die beiden Teams nach der Wiedergründung des SV Atlas 2012 aufeinandertreffen; von einer Derby-Gewohnheit wollen aber beide Seiten nichts wissen. „Gewohnheit? Das ist Quatsch. Diese Spiele haben einen speziellen Charakter“, sagt Fuhrken. Sein Manager-Kollege Stefan Keller von Tur Abdin pflichtet bei: „Es herrscht immer eine Spannung, eine gewisse Begeisterung. Ich hoffe, dass es wieder voll wird.“ So ein Freitagabendspiel sei doch auch für Fans etwas Schönes: „Grillen können die Leute am Samstag ja immer noch.“ Dass die späte Anstoßzeit vermutlich bedeutet, dass es gegen Spielende schon langsam dunkel wird, ist beiden Seiten bewusst; „das sollte aber kein Problem werden“, meint Keller.

Atlas klarer Favorit

Sportlich geht es am dritten Spieltag für beide Klubs noch nicht um Wohl und Wehe der gesamten Saison, sehr wohl aber um ein Statement. Der SV Atlas will nach vier Siegen aus vier Pflichtspielen weiter die Muskeln spielen lassen und nebenbei vielleicht die Tabellenführung zurückholen – auch ohne den verletzten Daniel Isailovic. Tur Abdin hat dagegen vor, aus dem positiven Zeichen bei der mannschaftlich starken Vorstellung gegen Heidmühle möglichst einen kleinen Aufwärtstrend zu machen. „Dabei geht es weniger darum, unbedingt zu gewinnen“, erklärt Keller. „Uns ist wichtig, dass wir uns geschlossen präsentieren.“ Doch selbst wenn das gelingt, sei klar: „Wir sind krasser Außenseiter, das wird keiner ernsthaft bestreiten.“ Das tut bei Atlas auch niemand, allerdings liegt in der Favoritenrolle, wie immer, auch eine Tücke. „Jeder will uns ein Bein stellen“, sagt Fuhrken.

Begleitet wird das Stadtderby, wie auch die beiden vorangegangenen Ausgaben, übrigens von keinerlei verbalem Säbelrasseln. Der gegenseitige Respekt ist groß. „Zu Abdin haben wir ein freundschaftliches Verhältnis“, sagt Fuhrken.