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Bundespokal-Turnier in Delmenhorst Blinde und sehbinderte Kegeler ermitteln ihre Besten

Von Klaus Erdmann | 04.05.2017, 23:38 Uhr

71 blinde oder sehbehinderte Kegler haben im Hotel Goldenstedt in Delmenhorst im 46. Bundespokal-Turnier in drei Kategorien ihre Besten ermittelt. Sportler und Funktionäre lobten die Gastgeber des „Familientreffens“.

758 Holz lösen bei Norbert Stolte gemischte Gefühle aus. „Ich bin zufrieden, aber es haben nur drei Punkte für den dritten Platz gefehlt. Darüber habe ich mich etwas geärgert“, sagt er. Einige Stunden zuvor hat der Lübecker dieses Ergebnis erzielt. Aus dem Stand. Das Spielgerät nimmt er in beide Hände. An seiner Seite: Ehefrau Renate. Sie reicht ihm die Kugeln, korrigiert ihn. „Sie ist meine Souffleuse“, betont Stolte, der im Hotel Goldenstedt zu den 71 Teilnehmern des 46. Bundespokal-Turniers des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV) gehört. „Dieses Turnier ist mit einer Deutschen Meisterschaft gleichzusetzen“, betont Dieter Sebastian. Der Wilhelmshavener ist 1. Sportwart des Keglerverbandes Niedersachsen (KVN). Sebastian und Stolte bilden die Turnierleitung.

Aktive und Begleiter sind aus neun Bundesländern angereist – von Bayern bis Schleswig-Holstein. Einzelstarter und Mannschaften haben sich zwischen September und Februar auf Landesebene für dieses Turnier qualifiziert.

Familientreffen in Delmenhorst

Wer das muntere Treiben auf den und abseits der Bahnen verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass es sich um ein „Familientreffen“ handelt. „Ja, wir sind wie eine große Familie“, bestätigt Stolte, der beim DBSV als Kegelwart fungiert. „Wir freuen uns gemeinsam über die Ergebnisse“, fügt er hinzu. Man kenne sich seit vielen Jahren. Wichtig sei, dass die Geselligkeit erhalten bleibe und man sich austauschen könne.

Ehrgeiz ist groß

Aber auch das wird schnell klar: Der Sport spielt keineswegs eine untergeordnete Rolle. „Die Ehrgeiz der Kegler ist groß und sie erzielen teilweise erstaunliche Ergebnisse“, sagt Albert Goldenstedt, Chef des Hauses.

Die Aktiven treten in drei Schadensklassen an. „Die Starter in der Kategorie B 1 sind vollblind“, erklärt Stolte. Die B-2-Starter könnten den Lauf der Kugel nicht nachvollziehen. Wer in der Kategorie B 3 starte, verfolge die Kugel mit dem Fernglas. Einige könnten auch die Zahlen erkennen. Stolte tritt in der Schadensklasse B 3 an.

Turnier bestens organisiert

In seiner Eigenschaft als Funktionär ist Stolte ein gefragter Gesprächspartner. Was er gehört hat, veranlasst ihn dazu, großes Lob an die Adresse des Gastgebers zu richten. „Ich habe ein sehr positives Feedback von den Teilnehmern bekommen“, führt er aus. Albert Goldenstedt und dessen Team hätten die Kegler hervorragend unterstützt. Sebastian pflichtet ihm bei: „Das Turnier war bestens organisiert. Die Infrastruktur des Hauses ist optimal auf Blinde und Sehbehinderte zugeschnitten.“. Bei der abschließenden Besprechung habe man nicht einen negativen Punkt gefunden.

Doch nicht nur die Gäste zeigten sich beeindruckt: „Albert Goldenstedt hat von einer tollen Erfahrung gesprochen“, verrät Norbert Stolte.

Favoriten setzten sich durch

Überraschungen habe es bei den Platzierungen nicht gegeben, sagt Sebastian. Er spricht von „Favoritensiegen“. Die Ersten, Mannschaften: Sachsen-Anhalt mit 3002 Holz vor Mecklenburg-Vorpommern (2854) und Niedersachsen II (2631). Damen B 1: Sylvia Schur (Mecklenburg-Vorpommern), 609 Holz; B 2: Gabriele Meyer (Sachsen-Anhalt) mit 765 Punkten und B 3: Christel Messer mit 739 Holz. Bei den B 1-Herren gewann Harry Wilde mit 708 Holz. In der Kategorie B 2 setzte sich Werner Klose mit 804 Punkten durch und in der Schadensklasse B 3 sammelte Joachim Rasch (alle Mecklenburg-Vorpommern) sogar 807 Holz.

„Rasch gehört zu den Abonnementsiegern“, berichtet Sebastian. „Er spielt für Stralsund in der Bundesliga. Bei den Sehenden.“