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CHIO 2017 in Aachen Sandra Auffarth siegt im Team und wird im Einzel Vierte

Von Lars Pingel | 22.07.2017, 19:07 Uhr

Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee hat an diesem Samstag mit ihrem Wallach Opgun Louvo in der Vielseitigkeitsprüfung des CHIO 2017 in Aachen in der Einzelwertung den vierten Platz belegt. Mit der deutschen Equipe gewann sie den Nationenpreis. An diesem Sonntag tritt sie im Großen Preis der Springreiter des Oldenburger Landesturniers in Rastede an.

Es ging um Sekunden. Für Sandra Auffarth sogar nur um eine Sekunde. Die fehlte der Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesse am Samstag nach dem abschließenden Geländeritt der internationalen Kurzprüfung auf Drei-Sterne-Niveau, dem zweithöchsten (CICO***), des CHIO 2017 in Aachen, um mit Opgun Louvo den dritten Platz zu belegen. Die beiden beendeten die 3940 Meter lange Strecke mit 27 Hindernissen in 7:00 Minuten fehlerfrei. Das waren allerdings fünf Sekunden mehr als die vorgegebene „Optimum-Zeit“, sodass zwei Strafpunkte (0,4 pro Sekunde) zu den 35,80 Zählern hinzukamen, die die Bergedorferin und ihr 15-jähriger französischer Wallach, der auch in Aachen mindestens genauso gut als Wolle bekannt ist, nach Dressur und Springen auf dem Konto hatten. So schob sich der Australier Shane Rose, der mit 36,70 Strafpunkten als Vierter ins Finale gegangen war, mit CP Qualified noch an Auffarth (37,80) vorbei auf Rang drei. Rose hatte sich im Gelände nur 0,8 Minuszähler eingefangen, weil er 120 Sekunden über der Zeit geblieben war: 37,50 Strafpunkte, Rang drei.

Ingrid Klimke siegt mit Horseware Hale Bob

Zur Sekundenfrage wurde auch die Entscheidung im Rennen um den Sieg. Michael Jung aus Horb ging mit seinem Wallach La Biosthetique Sam, mit dem er zwei Olympische Einzel-Goldmedaillen gewonnen hat, als Zweiter der Gesamtwertung auf die Strecke. Mit einem flüssigen, problemlosen Ritt (6:48 Minuten) blieb er bei 34,70 Minuspunkten. Damit stand fest, dass die Münsteranerin Ingrid Klimke (34,50) mit ihrem Horseware Hale Bob die vorgegebene Zeit ebenfalls nicht überschreiten durfte, um zum zweiten Mal nach 2015 in Aachen zu triumphieren. Das gelang der 49-Jährigen mit einer bravourösen Vorstellung: Nach 6:42 Minuten erreichte sie strahlend das Ziel im Springstadion in der Aachener Soers, wo sie von 37000 Zuschauern begeistert gefeiert wurde. „Ich mochte den Kurs. Es gab einige Herausforderungen, bei denen Reiter und Pferd sehr konzentriert sein mussten. Dazwischen lagen schöne Galoppstrecken“, sagte sie. „Für mich war es wunderschön, hier mit Bobby zu reiten.“ Der 13-jährige Oldenburger hatte sich schon in der Dressur (34,50/Platz zwei hinter Auffarth) und im Springparcous (fehlerfrei/1.) in glänzender Form präsentiert.

Michael Jung und Shane Rose loben ihre Pferde

Auch Jung, der 2016 in Aachen mit Takinou gewonnen hatte, lobte sein Pferd. „Er hat mir nach einer längeren Pause ein sehr gutes Gefühl gegeben, in der Dressur, im Springen und im Gelände“, sagte er über Sam: „Er war sehr fokussiert.“

Beste Laune hatte auch Shane Rose. „Ich bin sehr, sehr glücklich mit meinem Pferd“, sagte der 44-jährige Australier über den 14-jährigen Holsteiner Qualified CP. „Ich bin natürlich begeistert, dass ich schnell genug war, um so knapp Dritter zu werden. Der Platz ist großartig.“

Sandra Auffarth und Wolle glänzen in der Dressur

Auffarth freute sich derweil zunächst über die „großartige Dressur“ mit der Wolle am Freitag in die Prüfung gestartet war. „Er hat es in dem Stadion genossen“, sagte sie über den makellosen Auftritt, der mit einer Wertung von 78,78 Prozent, umgerechnet auf die Vielseitigkeitswertung 31,80 Minuspunkte, und der Führung nach der ersten Teildisziplin belohnt wurde. Die verlor sie nach einem Abwurf, der vier Strafzähler zur Folge hatte, noch am Freitagabend im Springparcours. „Wolle war etwas übermotiviert“, erklärte Auffarth. Im Gelände habe er dann wieder voll überzeugt. „Es ist natürlich schade, dass nur eine Sekunde zu Platz drei gefehlt hat“, meinte die 30-Jährige. Trotzdem zog sie ein sehr positives Fazit: „Das Wochenende war brillant.“

Sandra Auffarth startet mit Landlord im Großen Preis in Rastede

Das wird sie übrigens an diesem Sonntag in Rastede im Sattel beenden. Im Oldenburger Landesturnier geht sie nur in einen Springparcours. Der hat es allerdings durchaus in sich: Auffarth hatte sich bereits am Mittwoch für den Großen Preis qualifiziert, bei dem es sich um eine Prüfung der Klasse S*** mit Stechen handelt. „Ich starte dort mit Landlord“, erzählte sie am Samstag noch in Aachen.

Deutsches Team siegt im Nationenpreis souverän

Dort gab es für Auffarth auch noch einen Sieg zu feiern. Mit Wolle gehörte sie zum deutschen Team, das überlegen den Nationenpreis gewann. Die beiden und Jung mit La Biosthetique Sam, Klimke mit Horseware Hale Bob und Debütantin Josefa Sommer aus Immenhausen mit Hamilton, die im Einzel Rang 13 belegte, lagen mit 107,00 Strafpunkten klar vor Australien (152,60), das im Vorjahr in Aachen gewonnen hatte. Außer Shane Rose ritten Christopher Burton mit Nobilis (Sechster im Einzel), Katja Weimann mit BP Cosmopolitan (22.) sowie Emma McNab mit Fernhill Tabasco (28.) für die zweitplatzierte Mannschaft. Rang drei sicherte sich mit 160,60 Minuspunkten die schwedische Equipe. Sie trat mit Sara Algotsson Ostholt mit Reality (11.), Louise Svensson Jähde mit Wieloch‘s Utah Sun (12.) und Niklas Lindbäck mit Focus Filiocus (20.) an, hatte also kein Streichergebnis.

Stürze enden ohne Folgen

37 Starter waren am Samstag auf den Geländekurs gegangen, nur vier kamen innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel. Sechs Paare schieden vorzeitig aus, fünf nach einem Sturz. Dabei verletzten sich aber kein Pferd und kein Reiter. „Der Kurs war nicht schwerer zu reiten als in den vergangenen Jahren“, sagte Michael Jung. „Der Kurs war so aufgebaut, dass die Pferde umso sicherer wurden, je besser man ritt. Die schwierigen Abfragen waren dann kein Problem mehr“, erklärte Shane Rose. „Ich baue nach Gefühl“, erklärte Parcourschef Rüdiger Schwarz. „Wenn ich schwerer baue, dann traue ich das den Reitern auch zu.“