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„Das ist eine Unverschämtheit“ NFV-Präsident Karl Rothmund weist Vorwürfe zurück

Von Frederik Böckmann | 24.06.2015, 10:00 Uhr

NFV-Chef Karl Rothmund will sich im Zuge der Diskussionen über die geplante Kreisfusion nicht als Sündenbock abstempeln lassen – und die Vereine auf dem Kreistag über seine Sicht der Dinge informieren.

Die Zeitungen wälzen, Online-Artikel lesen, darüber informieren, was in den Fußball-Kreisen in Niedersachsen passiert – das ist auch eine der Aufgaben, denen sich der Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) in seiner knapp bemessenen Zeit widmen muss. Das, was in den vergangenen Wochen und Monaten an Nachrichten aus dem Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst zu vernehmen war, hat auch Karl Rothmund aufmerksam verfolgt. Stichwort: Die mögliche Fusion dieses Fußball-Kreises mit fünf weiteren. Rothmund nahm diese Schlagzeilen zur Kenntnis, vielleicht mehr zerknirscht als zufrieden, aber dennoch gefasst. Doch die Nachrichten, die der NFV-Chef in den vergangenen Tagen vernommen hatte, verdarben ihm die Laune dann mächtig. „Das ist eine Unverschämtheit“, meint Rothmund angesichts der scharfen Kritik, die der Ex-Kreisvorsitzende Harmut Heinen in den Tageszeitungen am NFV äußert und dem Vorwurf von anderen Funktionären, von Barsinghausen aus sei Einfluss auf die angedachte Fusion genommen worden.

Heinen widerspricht Rothmund

Rothmund war darüber so sehr verärgert, dass er vor allem mit Heinen das Telefonat suchen wollte – es dann aber doch ließ. Zur Erinnerung: Der damalige Kreischef hatte in einem dk-Interview und auf einer Arbeitstagung öffentlich vehement für den Großkreis geworben, war dann zurückgerudert, um schließlich wenige Tage später in Hundsmühlen im Beisein von Rothmund, dem Bezirksvorsitzenden Dieter Ohls und den fünf anderen Kreischefs die Absichtserklärung pro Kreisfusion zu erneuern. „Die Absichtserklärung musste ich am Anfang der Tagung unterschreiben, damit wir überhaupt weitere Gespräche führen konnten“, sagte Heinen am Dienstag. Die anschließend vom NFV verschickte Pressemitteilung, in der stand, dass alle sechs Kreisvorsitzende weiter für den Großkreis sind, kritisierte Heinen als taktisches Manöver aus Barsinghausen. Er habe seine Bedenken zum Zusammenschluss der sechs Kreise auf der Tagung deutlich gemacht, sagte Heinen. „Aber meine Einschätzung zur Fusion wollte man gar nicht wissen.“

Rothmund widerspricht Heinen

Das sieht Rothmund etwas anders. „Herr Heinen muss auf einer anderen Veranstaltung gewesen sein. Er hat sich auf dem Treffen in Hundsmühlen ausdrücklich für die Fusion ausgesprochen und sich nicht von dem Papier distanziert.“ Das, was Heinen jetzt erzählt, sei „falsch“.

NFV-Präsident kritisiert Heinens „Kasperle-Theater“

Für den NFV-Präsidenten ist „völlig unverständlich“, warum Heinen jetzt diesen Kurs fahre. „Wir kennen uns seit 1990 und hatten immer ein freundschaftliches Verhältnis. Wenn ihm etwas nicht gepasst hätte, hätte er mich doch anrufen können.“ Heinens Aussagen seien für ihn „Kasperle-Theater“, mit denen er nicht nur ihn, sondern NFV-Präsidium und -Verwaltung beleidige.

Rothmund will sich nicht als Sündenbock abstempeln lassen

Rothmund glaubt, dass im Zuge der Diskussionen über den möglichen Zusammenschluss der Kreise und Heinens Rücktritt ein „Sündenbock“ gesucht werde. Zu diesem will er sich nicht abstempeln lassen. Deshalb hat Rothmund auf dem ordentlichen Kreistag am 14. Juli (19 Uhr in Kirchhatten) ein „großes Bedürfnis“, seine Sicht der Dinge darzulegen. Bislang habe er „weder die Chance gehabt noch die Notwendigkeit gesehen, die Vereine zu informieren“. Das habe sich durch Heinens Aussagen geändert. Gleichzeitig möchte Rothmund ein zweites Thema ansprechen: nämlich die kolportierte Einflussnahme der NFV-Spitze.

„Die Kreise wollten sich zusammenschließen“

Auf der vergangenen Arbeitstagung hatte Wildeshausens Abteilungsleiter Ottmar Jöckel diesen Punkt abermals öffentlich kritisiert. Auch der Kreisvorstand deutete dies auf der Tagung indirekt an. Rothmund aber sagt: „Es war doch der Wunsch der Kreise, sich zusammenzuschließen.“ Auch Heinen sagt: „Beim Thema Fusion gab es keinen Druck vom NFV.“ Diese sei freiwillig und solle nur auf demokratischem Wege – sprich: mit der Zustimmung der Vereine – abgewickelt werden, sagt Rothmund. Die Vereine sollten sich fragen: „Können wir auch in Zukunft alle Aufgaben erfüllen?“ Der Verband habe nämlich „die Verpflichtung, in allen Kreisen gleiche Bedingungen“ zu schaffen.

„Vorstand hat die Vereine schlecht informiert“

Bleibt die Frage, warum die Vereine im Kreis trotz der möglichen Synergieeffekten in vielen Bereichen fast ausnahmslos gegen die Fusion votierten und keine Vorteile in einem Großkreis sehen? Rothmund meint, dass „der Kreisvorstand die Vereine einfach nicht ausreichend informiert“ habe.

Große Kreise sollten die kleinen aufnehmen

Der NFV-Präsident räumt ohne Umschweife ein, dass der angedachte Zusammenschluss des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst mit Oldenburg-Stadt, Wesermarsch, Friesland, Ammerland und Wilhelmshaven in Barsinghausen favorisiert werde. „Natürlich sehen wir es gerne, wenn die kleinen Kreise von den großen aufgenommen werden.“

Kleine Kreise kaum noch lebensfähig

Denn die vielfältigen Aufgaben im Rahmen des DFB-Masterplans sind für Rothmund in Zukunft nur in einem großen Verbund zu meistern. Dort würden auch die Verteilung der Gelder gerechter ausfallen. Denn „die kleinen Kreise erhalten überproportional finanzielle Unterstützung“, um überhaupt noch lebensfähig zu sein.

Meenken erhält Unterstützung

Aber: Alleine sei dieser Fußball-Kreis sicherlich „auch noch vier, fünf Jahre lebensfähig“, davon ist auch Rothmund überzeugt. Das habe er dem kommissarischen Kreisvorsitzenden Erich Meenken am Montag per Telefon mitgeteilt. Der Unterstützung Rothmunds könne sich der designierte Kreischef trotz der Ablehnung der Kreisfusion sicher sein, versichert Rothmund, der sein Amt als Präsident im Herbst 2017 abgeben wird.