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„Das ist einfach mein Verein“ Roman Holder startet bei den Devils durch

Von Elisabeth Wontorra, Elisabeth Wontorra | 03.03.2016, 07:45 Uhr

Roman Holder hat seit der laufenden Saison eine neue Position beim Basketball-Oberligisten Delmenhorster TV inne: als Aufbauspieler. Seitdem startet der 27-Jährige durch und nimmt sich jeder Aufgabe an.

Man musste im Sommer schon ein wenig Angst um den Delmenhorster TV haben. Nach dem Abstieg aus der 2. Regionalliga erlebten die Basketballer einen bedenklichen Aderlass, mit Ali Akkurt, Ediz Bertan, Jan Fikiel, Andreas Herbig und Marius Ammermann hörte praktisch eine komplette Startformation auf, Trainer Stacy Sillektis fürchtete sogar, durchgereicht zu werden.

Ein Dreivierteljahr später haben sich die meisten Sorgen erledigt: Die Devils spielen noch um Platz vier, der Abstieg war nie ein Thema – und Sillektis weiß, wem das zu verdanken ist. „Die Spieler, die vorher in der zweiten Reihe gestanden haben, übernehmen Verantwortung, das ist der Schlüssel“, sagte der Coach.

Roman Holder blüht in seiner neuen Rolle auf

Einen sprach er dabei besonders an: Roman Holder, der in seiner Rolle als Aufbauspieler regelrecht durchgestartet ist. Der 27-Jährige ist bereits seit 1997 im Verein, die laufende Saison ist aber wohl seine beste im Devils-Trikot. Holder stand lange im Schatten anderer Leistungsträger, mittlerweile ist er zum Führungsspieler geworden. „Vor der Saison hatten wir viele Abgänge, aber man sieht, wie die jungen Spieler jetzt an ihren neuen Rollen wachsen. Ich hatte sonst zum Beispiel immer so meine fünf bis sieben Minuten Spielzeit, jetzt bin ich unser Aufbauspieler und muss die anderen mitreißen. Es macht unglaublichen Spaß“, schwärmt er. Waren die Devils in der vergangenen Saison noch von einzelnen Spielern abhängig, so sei es nun „mehr Team-Basketball“.

Sillektis hatte es genauso gefordert. „Bei Ali und den anderen konnte Roman sich nicht entwickeln. Jetzt wird er immer stärker und ist auf einem guten Weg.“ Holder habe seine Anweisungen „ganz gut umgesetzt“, auch wenn er seine Schwächephasen habe. Aber er sei „auch nicht mehr der Jüngste“. Sillektis weiß um die Stärken des Point Guard, immerhin kennen sich die beiden seit gut 20 Jahren: „Roman ist sehr schnell und dribbelt gut. In dieser Saison gelangen ihm auch viele gute Würfe.“ Konditionell könne sein Schützling „noch eine Schippe drauf legen“. Aber: „Roman gibt immer 100 Prozent. Daher ist es ganz normal, dass die Kondition dann nachlässt.“

Nach kurzer Auszeit Ende der Nuller Jahre wieder Lust am Basketball gefunden

Holder hat alle Jugendteams des DTV durchlaufen. Nur eine zweijährige Basketball-Unterbrechung findet sich in seinem Lebenslauf: „2007 habe ich eine Pause eingelegt, da waren mir andere Dinge wichtiger. Dann habe ich die Jungs beim Feiern getroffen und wieder angefangen.“ Von damals seien noch einige dabei, wie Ahmet Ildem oder eben Sillektis. Seit seinem Wiedereinstieg hält er dem Verein die Treue und er will „nirgendwo anders spielen“. „Das ist einfach mein Verein“, erklärt der gelernte Kaufmann im Groß- und Einzelhandel.

Sillektis beschreibt Holder als einen „umgänglichen“ Menschen, auf den er sich „immer verlassen kann. Roman drückt sich nie“, sagt der Coach. Dass Silektis Holder vom Flügel- zum Aufbauspieler gemacht hat, tut ihm gut, wie die Statistiken belegen. Der 1,77 Meter große Point Guard liegt mit 255 Punkten in 17 Spielen ist Holder auf Platz fünf der besten Werfer. Holder ist allerdings nicht nur aufgrund der Zahlen für die Devils wertvoll. „Roman hat schon einige Spiele für uns gewonnen“, sagt Sillektis.

Roman Holder wünscht sich mehr Wertschätzung

Schade finden beide nur, dass die Siege der Devils in der Delmenhorster Sportszene wenig Beachtung finden. Zu den Heimspielen in der Stadtbadhalle kommen selten mehr als 30 Zuschauer. „Das war mal ganz anders. Als ich bei den Minis war, hat man auf der Tribüne keinen Sitzplatz mehr bekommen. Leider haben sich die Zeiten geändert. Das ist etwas, worüber wir viel nachdenken“, gibt Holder zu. Er weiß, dass Delmenhorst eine Fußball-Stadt sei. „Es ist für Basketballer nicht einfach. Wir hängen schon Plakate auf, würden uns aber schon wünschen, etwas mehr wahrgenommen zu werden“, sagt er. Denn: „Wer unsere Spiele sieht, wird sehen, wie viel Spaß es macht.“ Auch, weil Holder derzeit so gut drauf ist.