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Delmenhorster schreibt Karate-Buch Marco Beyer – der schreibende Kämpfer

Von Moritz Praß | 07.04.2019, 15:43 Uhr

Der Delmenhorster Marco Beyer hat sein erstes Buch über Karate veröffentlicht. Der 46-Jährige erzählt von einer kaum bekannten Kunstform seiner Sportart. Er lässt auch seine mehr als 30-jährige Erfahrung mit einfließen.

Man kann Marco Beyer wohl ohne Übertreibung einen Veteranen des Karate nennen. Der Delmenhorster ist seit 1986 Mitglied im Delmenhorster Turnverein und hat mit seinem Sport nun doch Neuland betreten: Er ist unter die Autoren gegangen. Am 1. März erschien ein Buch des 46-Jährigen über Karate, das den Titel „Chinte – Kampfsystem und Mythos“ trägt und eigentlich als Nebenprodukt begonnen hatte.

Auf dem Weg zu seinem zweiten Dan Shotokan – mittlerweile besitzt er den dritten dieser Meistergrade – musste der ehemalige Bundesliga-Kämpfer eine schriftliche Arbeit abgeben und hatte dabei mehrere Themen, die sich wiederfinden sollten. Er recherchierte wochenlang über „Chinte“, eine Kunstform des Karate, bei der man gegen mehrere imaginäre Gegner kämpft. Bei richtiger Anwendung könne man sich aber laut Beyer „im Ernstfall auch problemlos gegen mehrere reale Gegner durchsetzen“. Es fiel ihm nach einiger Zeit auf, dass seine gesammelten Informationen nur wenig mit den Prüfungsthemen zu tun hätten. Beyer wollte seine lange und intensive Recherche jedoch nicht einfach wegwerfen, dafür fand er das Gefundene zu interessant und spektakulär – er hatte in seinen 32 Jahren als Kampfsportler noch nie davon gehört.

„Hätte mir das jemand gesagt...“

Schließlich entschied er sich, seine Ergebnisse parallel zu seiner eigentlichen Arbeit zu veröffentlichen. Dass er damit tatsächlich zum Autor werden würde, wäre für ihn vorher undenkbar gewesen. „Hätte mir das jemand vor ein paar Jahren gesagt, dann hätte ich dem wahrscheinlich den Vogel gezeigt“, sagt Beyer. Er schickte sein Manuskript nach München zum Utz-Verlag – und der machte daraus ein 80-seitiges Buch.

Beyer besitzt den dritten von insgesamt zehn Dan Shotokan, bei dem es um die Perfektion des Menschen und des Wesens geht, und den 1. Dan Kyusho Jitsu, den Beyer braucht, um bestimmte Kampfformen des Karate in Delmenhorst unterrichten zu dürfen. Jede Stufe des Dan Shotokan benötigt mehrere Jahre Vorbereitungs- und Trainingszeit und Seminare, die halbjährig verteilt durch Deutschland stattfinden. Für den 1. Dan Kyusho Jitsu benötigt man mindestens zwei Jahre Vorbereitung. Bei diesem Rang ist es aber auch essenziell, sich nach den Seminaren selbst das nötige Wissen und die Techniken anzueignen und in der Praxis anzuwenden.

Zuletzt 2016 Vizelandesmeister

Das Buch beschreibt zudem die Entstehung, die Überlieferung und die Rolle der chinesischen Einflüsse auf die Form des Chinte, somit ist auch ein allgemeiner Blick in die Historie des asiatischen Kampfsportes gegeben, der Beyer auch wichtig ist: „So kann ich dem Leser die Welt des Kampfsportes näherbringen und sein Interesse wecken.“ Die Botschaft hinter dem Buch soll auch folgende sein: Jeder mit einem speziellen Interesse soll sich trauen, der Welt davon zu erzählen.

Der DTV-Ehrennadelträger in Silber ist aber auch als Sportler erfolgreich, unter anderem im „Kata“, einer stilisierten Form des Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner. Kata hat eine festgelegte Serie von Bewegungen. Zum Kata zählt auch die Form des Chinte. Die Wettkampf- und Trainingsform „Kumite“, bei der die Techniken vor einem Kampf nicht abgesprochen, aber während des Kampfes vom Angreifer angesagt, vom Verteidiger bestätigt und anschließend vom Angreifer fünfmal wiederholt werden, sind die besten Disziplinen Beyers. 1995 startete er sogar in der Bundesliga im Kumite. In beiden Disziplinen, Kata und Kumite, ging er in mehreren Wettkämpfen an den Start und erreichte zuletzt 2016 bei den Niedersächsischen Landesmeisterschaften in der Altersklasse Ü40 den zweiten Platz im Kata und den dritten Platz im Kumite.