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DFB-Aktion „Danke Schiri“ Das sind die drei Schiedsrichter-Vorbilder im Kreis

Von Daniel Niebuhr | 05.01.2019, 07:51 Uhr

Der Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst ehrt ein besonderes Schiedsrichter-Trio mit der Aktion „Danke Schiri“. Die drei Sieger könnten kaum verschiedener sein. Doch sie vereint die Lust am Pfeifen auch in schwerer gewordenen Zeiten.

Es lässt sich nicht klären, ob Rudolf Grabowski am 19. August 2018 vielleicht mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, vielleicht waren die Spieler an diesem Tag auch besonders auf Krawall gebürstet. Jedenfalls tat der Schiedsrichter im Spiel des Delmenhorster BV II gegen Grün-Weiß Kleinenkneten II Ungewöhnliches: Er zeigte gleich drei Gelbe Karten, alle gegen den DBV – dabei lässt Grabowski den Karton eigentlich gern in der Tasche stecken.

Der Referee von Borussia Delmenhorst ist einer der „alten Haudegen“, wie Kreis-Schiedsrichter-Obmann Harald Theile ihn liebevoll nennt – seit 1986 an der Pfeife und immer noch mit Freude dabei. Auch wenn der Ton deutlich rauer geworden ist, leitet der 67-Jährige im Schnitt 35 Spiele pro Saison, meistens auf Delmenhorster oder Ganderkeseer Plätzen. Grabowski wurde nun einer von drei Siegern, die der Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst im Rahmen der Aktion „Danke Schiri“ bei einer Feierstunde ehrte. Er gewann in der Kategorie Ü50, bei den jüngeren Unparteiischen wurde der 46-jährige Sascha Rustler vom VfL Stenum gewählt, bei den Frauen Mona Böhm von den Sportfreunden Wüsting-Altmoorhausen.

75.000 Schiedsrichter in Deutschland

„Danke Schiri“ ist eine Initiative des DFB, mit der seit 2016 die Wertschätzung für die Schiedsrichter vermittelt werden soll, die in der Praxis deutlich gelitten hat. „Diesem Amt soll die in der Gesellschaft längst nicht überall vorhandene Anerkennung verschafft werden“, sagt Theile. Mehr als 75.000 Schiedsrichter gibt es im deutschen Amateurfußball, die meisten pfeifen unterklassig. „An jedem Wochenende finden in Deutschland 60.000 Fußballspiele statt, davon mehr als 95 Prozent auf Kreis-Ebene – was die Schiedsrichter hier leisten, ist wirklich enorm“, sagt DFB-Lehrwart Lutz Wagner, der selbst fast 200 Bundesligaspiele geleitet hat.

Die drei Kreissieger haben ganz unterschiedliche Karrieren als Unparteiische hingelegt. Veteran Grabowski hat 32 Jahre Erfahrung und engagiert sich für ehemalige Schiedsrichter. Einmal im Monat organisiert er im Vereinsheim von Borussia einen Treff für Schiri-Senioren, die nicht mehr aktiv sind. Die Wüstingerin Böhm dagegen hat erst vor vier Jahren angefangen und pfeift schon jetzt bis zur Oberliga bei den Damen und bald auch in der Kreisliga bei den Herren. Die Polizeikommissarin spielt selbst in der Landesliga beim Brinkumer SV. „Sie hat eine enorme persönliche Entwicklung genommen“, schwärmt Theile.

DFB ehrt Landessieger

Der Stenumer Rustler ist eines der Vorbilder in der Region. Der 46-Jährige hat auch seine Söhne Jan-Luca und Jarno erfolgreich zum Schiedsrichtertum bekehrt, die drei waren bereits als Gespann in der Kreisliga im Einsatz. Rustler nimmt immer wieder Talente als Assistenten mit und arbeitet an deren Ausbildung. „Unter seinen Fittichen bekommen sie Schutz vor den Anfeindungen der Zuschauer“, sagt Theile. Nebenbei betreut er auch das Schiedsrichter-Auswahlteam.

Böhm, Rustler und Grabowski könnten mit Glück auch zu den drei Bezirkssiegern gehören, die zu einem Festakt des Landesverbandes eingeladen werden. Die bundesweit 63 Landessieger wiederum werden vom DFB geehrt, zuletzt geschah das im Mai am Rande eines Bundesligaspiels von Borussia Dortmund.