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Die heimliche Golf-Hochburg Delmenhorst und Ganderkesee haben starke Golfer

Von Daniel Niebuhr | 18.07.2015, 13:27 Uhr

Viele Golfer aus Delmenhorst und der Umgebung spielen bei den Clubs Oldenburger Land und Golf in Hude e.V. Die Vereine kämpfen gegen das elitäre Image ihrer Sportart.

Erst einmal die schlechte Nachricht: Auch in diesem Jahr hat es kein Delmenhorster Golfer zu den British Open geschafft. Bei der 144. Auflage des ältesten Turniers der Welt sorgt Martin Kaymer zwar gerade mal wieder für Aufsehen, doch der Profi kommt ja aus dem Neandertal und damit nicht einmal aus der Nähe des Oldenburger Landes. Weltstars wurden hier bisher also nicht hervorgebracht – einige Ebenen darunter allerdings sieht es ganz anders aus. Auf Amateurebene verfügen Delmenhorst und das Umland sehr wohl über starke Golfer; die Stadt und die angrenzende Gemeinde Ganderkesee sind tatsächlich sogar heimliche Hochburgen, obwohl sie gar keine eigenen Plätze haben. Hunderte Spieler sind jedoch in den Clubs Oldenburger Land und Golf in Hude aktiv – teilweise auf beachtlichem Niveau.

Zwei Vereine – 2800 Mitglieder

Allein die Mitgliederzahlen sind schon verblüffend. Den beiden Vereinen gehören zusammen beeindruckende 2800 Golfer an, mehr als die Hälfte davon sind aber als Fernmitglieder in ganz Deutschland verteilt. Etwa ein Drittel der 700 Spieler aus der unmittelbaren Umgebung kommen beim GC Oldenburger Land aber aus Delmenhorst oder Ganderkesee, berichtet Geschäftsführerin Sonja Bolte. „Wir liegen günstig zwischen Bremen und Oldenburg. Wir würden wahrscheinlich protestieren, wenn man in Delmenhorst einen Platz bauen würde“, scherzt sie.

GCOL mit Delmenhorstern und Ganderkeseern in der Landesliga

Die erste Mannschaft des Clubs aus der Gemeinde Hatten, der seine 18-Loch-Anlage in Dingstede betreibt, kämpft derzeit in der Landesliga, der höchsten Spielklasse Niedersachsens, um den Klassenerhalt; fast die Hälfte des Teams besteht aus Delmenhorstern oder Ganderkeseern: Nils Werner, Ex-Vereinschef Roman Szemetat, Dr. Günther Voss, die starken Talente Leon Henke und Sören Sebastian Schneider, der schon bei der Deutschen Meisterschaft war – sie kommen aus Delmenhorst oder Ganderkesee und greifen für den GCOL zum Schläger. „Viele kommen über ihre Eltern zu uns. Die Golf-Leidenschaft wird vererbt“, sagt Bolte.

Neun-Loch-Anlage für jedermann

Da liegt aber auch das Problem, das alle Clubs in Deutschland gemeinsam haben: Golf ist ungewollt eine nahezu geschlossene Gesellschaft. „Das Klischee des Elitären hängt uns an“, sagt Gabriele Asalla. Sie ist beim Huder Verein für die PR-Arbeit zuständig und begegnet den Vorurteilen dabei permanent. Zu teuer, zu elitär, zu langweilig hieße es oft, sagt sie – und das sei alles Unsinn: „Golf ist ein wunderbarer Sport, den jeder betreiben kann.“

„Manche geben für einen Urlaub mehr aus“

In Hude gilt das besonders, denn neben dem 18-Loch-Platz gibt es eine Neun-Loch-Anlage, auf der jeder spielen kann; ohne Platzreife und ohne Clubmitgliedschaft. Wer regelmäßig auf dem 18-Loch-Platz spielen will, zahlt für eine uneingeschränkte Mitgliedschaft 1295 Euro im Jahr, die ersten zwölf Schnuppermonate kostet 849 Euro. „Manche geben für einen Urlaub allein mehr aus“, meint Asalla. In Hatten gibt es das erste Jahr für 79 Euro monatlich. Die Ausrüstung, sagt Bolte, sei mittlerweile auch günstig zu haben und hält viele Jahre – „jedenfalls bei den meisten“.

Hoffen auf Olympia-Effekt

Bisher ist es den Golfern allerdings nicht gelungen, sich als Volkssport zu etablieren. Die zurzeit laufenden British Open im schottischen St. Andrews sind für die Briten eines der wichtigsten Sportevents des Jahres, in Deutschland werden sie kaum beachtet. Bolte hofft auf einen kleinen Zulauf durch die Rückkehr ins Olympiaprogramm für Rio im kommenden Jahr: „Wenn man es im Fernsehen sieht, wirkt das gleich ganz anders. Die Erfahrungen haben andere Sportarten auch gemacht.“

Golfwoche in Dingstede steht an

Die Vereine versuchen es auch mit eigenen Aktionen. Der GCOL will ab Montag mit einer offenen Golfwoche auf sich aufmerksam machen. Der Montagscup über zweimal neun Löcher, am Dienstag die „DiDAGo Ladies Trophy“, am Mittwoch der „ERGO-Victoria-Cup“, am Donnerstag die Senioren Open und am Samstag das Turnier um den Dingsteder Vierer – viele Wettkämpfe, die Zuschauer anlocken sollen. In Hude hatte man es zuletzt mit einem Erlebnistag versucht, an dem Besucher kostenlos den Platz besichtigen, die Driving Range und das Putten ausprobieren konnten. „Das wurde sehr gut angenommen“, erzählt Asalla. Im August gibt es für Nicht-Mitglieder die nächste Chance, erste Erfahrungen zu sammeln: Beim „Bring-a-friend-Turnier“ spielt ein Mitglied mit einem Gast, der das Putten übernimmt. Durchaus durchdachte Aktionen – an die Massentauglichkeit von Fußball, Handball oder Tennis wird Golf aber wohl nie herankommen. Es sei denn, ein Delmenhorster gewinnt eines Tages die British Open.