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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Hartmut Konschal: Vater eines Atlas-Höhenflugs

Von Klaus Erdmann | 05.03.2016, 12:11 Uhr

In der Saison 1996/97 feiert der ehemalige Bundesliga-Profi Hartmut Konschal mit dem SV Atlas die erfolgreichste Zeit seiner Trainerkarriere. Der SVA spielt Mitte der neunziger Jahre im Konzert der Großen eine beachtliche Rolle.

1996, vor zwei Jahrzehnten: Der „alte“ SV Atlas befindet sich nach Jahren der Stagnation wieder auf einem Höhenflug. Die Mannschaft spielt in der Regionalliga, seinerzeit die dritthöchste Spielklasse im deutschen Fußball. Sie trifft dort auf Konkurrenten mit klangvollen Namen. Hannover 96 zum Beispiel. Oder Eintracht Braunschweig. Der Delmenhorster Erfolg besitzt hauptsächlich drei Väter: Vereinschef Rainer Ohmert, Manager Rainer Bartels und Hartmut Konschal. Der ehemalige Profi, der zwischen 1971 und 1981 insgesamt 199 Bundesligaspiele für Eintracht Braunschweig und Werder Bremen absolviert hatte, nimmt bereits zum zweiten Mal auf der Trainerbank der Delmenhorster Platz.

Zweimal bei Atlas, zwischendurch bin Rotenburg

Als der heute 62-jährige Konschal den SV Atlas im Winter 1993 zum ersten Mal übernimmt, befindet sich dieser im Keller der Verbandsliga. Konschal („Ich hatte unheimlich viel Ehrgeiz“) führt „so eine Art Raumdeckung“ ein, bewahrt den Verein vor dem Abstieg und führt ihn in der Saison 1994/95 in die Regionalliga. Danach verlässt er Delmenhorst und schließt sich dem Rotenburger SV an. „Der Aufstieg war nicht vorhersehbar und hat sich erst spät ergeben“, erläutert er seinen Schritt. Er hatte den Rotenburgern bereits seine Zusage gegeben. Diese will er nicht rückgängig machen. Konschal: „Man sagt ja, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist.“ Aber, natürlich, er geht mit einem weinenden Auge: „Die Regionalliga stand ja vor der Tür.“

2000 Zuschauer im Stadion zum Saisonauftakt

Nach nur einem Jahr holen sie ihn zum SV Atlas zurück. 1996/97 ist jene Saison, in der sich allerhand Prominenz in der Regionalliga Nord tummelt. Hannover 96, Eintracht Braunschweig, Werder Bremen Amateure, VfL Osnabrück und Hamburger SV Amateure belegen in der Abschlusstabelle die ersten fünf Ränge. Delmenhorst meldet zehn Siege, sechs Unentschieden, 18 Niederlagen, 48:60 Tore und belegt unter 18 Teams den zwölften Platz.

Das erste Punktspiel unter Rückkehrer Konschal bestreitet Atlas am 4. August 1996. Favorit Osnabrück siegt im Stadion vor 2000 Zuschauern – darunter 500 VfL-Fans mit 4:2. Pape, Ruländer, Kraska, Höttges, Sonnberg, Jablonski, Fait, Marischen (Kaiser), Keusch (Rodehau), Umoru (Wiebe) und Gamil treten für die Gastgeber an. „In der Substanz kannte ich die Mannschaft noch. Darum war der Einstieg nicht so schwierig“, erinnert sich Konschal. Aber: „Die halbe Stammmannschaft war weg – weggekauft.“ Also Neuanfang. Der Achimer, der die 18-jährige Trainertätigkeit vor rund zehn Jahren beendet hat, arbeitet mit vielen eher nicht so bekannten Spielern, die in der Regionalliga Fuß fassen mussten. Konschal: „Wir mussten diese Spieler ausbilden. Es war ein Kraftakt“.

Sieg über Thomas Schaaf

Gleichwohl spielt Atlas im Konzert der Großen eine beachtliche Rolle. „Gegen 96, Braunschweig und in Osnabrück haben wir uns gut aus der Affäre gezogen. Den SV Werder – mit Trainer Thomas Schaaf – haben wir geschlagen“, so Konschal. Es habe einige schöne Spiele gegeben. Es mache den Reiz aus, die Großen zu ärgern. Platz zwölf in der Endabrechnung wird zurecht als Erfolg verbucht. Schließlich verfügt der Großteil der Konkurrenz über ganz andere (finanzielle) Möglichkeiten.

Danach geht es bergab. Der SVA holt in der Saison 1997/98 nur noch 21 Punkte. Atlas verlässt die Regionalliga. Konschal verlässt Atlas. „Der Drops war gelutscht“, sagt er. Und er sagt, dass alles nicht so einfach gewesen sei. Finanzielle Mittel hätten gefehlt. Die Mannschaft habe oft verloren und unten drin gestanden. Spannungen kamen auf und man habe sich vom Trainer getrennt. So ist das Fußballgeschäft mitunter.

„Ein harter Hund“

Gleichwohl erinnert sich Konschal gern an seine Delmenhorster Zeit. Denn: Obwohl der Trainer mit Verden viermal aufgestiegen ist und ihm mit Rotenburg der Sprung in die Oberliga gelang, habe er seine sportlich größten Erfolge in Delmenhorst errungen.

Der Respekt seiner Spieler ist ihm bis heute gewiss. Während eines Klassentreffens, zu dem der SVA-Fanclub „Blau-Gelb Reloaded“ vor einigen Tagen eingeladen hatte, sagte der ehemalige Spieler Matthias Kaiser, dass der ehemalige Trainer Hartmut Konschal ein „harter Hund“ gewesen sei. Der Angesprochene lächelte und widersprach nicht.

Seit 1978 wohnt Konschal mit seiner Frau, mit der er seit 33 Jahren verheiratet ist und eine Tochter hat, in Achim. Bis Ende des Jahres ist der Versicherungskaufmann noch berufstätig. Dann hat er mehr Zeit für eine Leidenschaft vieler Ex-Fußballer: Golf.

Golf-Seniorenmeister in Verden

Die Bekanntschaft mit dieser Sportart entstand, als er einen Gutschein für eine Übungsstunde geschenkt bekam. Er wollte sich nach seiner Trainertätigkeit sportlich betätigen. Fußball und Laufen waren nach einer Hüft-OP keine Optionen mehr. Seit 2003 spielt er Golf. Er schwärmt. Und das Mitglied des GC Verden ist sehr erfolgreich. Zweimal gelang ihm ein Hole In One (Einlochen des Abschlags). „Und ich bin Seniorenmeister in Verden“, sagt er.

Vom SV Atlas des Jahres 2016 hat er während seines Fanclub-Besuches einen guten Eindruck gewonnen: „Es ist erfreulich, dass sich hier eine solche Gemeinschaft gefunden hat. Die Zuschauerresonanz ist toll. Es ist ein gutes Paket.“ Es sei wichtig, dass man vernünftig weitermache. „Und man muss Schritt für Schritt machen“, betont Hartmut Konschal, der vor 20 Jahren zu den Vätern eines Atlas-Höhenflugs gehörte.