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dk-Serie: Sportliche Rückblicke In den 1980er Jahren feierten die Karateka des DTV viele Erfolge

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 03.12.2017, 09:20 Uhr

Pokale, Landestitel, Deutsche Meisterschaften: Die Karate-Abteilung des Delmenhorster um ihre Trainer Rolf Haferkorn und Andreas Raabe machten durch ihre Erfolge in den 1980er, 1990er Jahren bundesweit auf sich aufmerksam. Bärbel Kopp erinnert sich.

Auch drei Jahrzehnte nach ihren großen Erfolgen und denen ihrer Teamkollegen gerät Bärbel Kopp noch immer ins Schwärmen. „Das war einfach eine super, super tolle Zeit. Wir hatten sehr viel Spaß, haben viel erlebt und waren eine klasse Gemeinschaft.“ Und höchst erfolgreich noch dazu. Denn in den 1980er, 1990er Jahren gehörte die Karate-Abteilung des Delmenhorster TV im Nachwuchsbereich zu den besten in ganz Deutschland. Mittendrin, statt nur dabei: Bärbel Kopp, die 1985 und 1987 Deutsche Meisterin im Kata Einzel wurde. Sie bildete zusammen mit Ralf Diers, Kai Haferkorn und Marc Fuhrken eine Trainingsgruppe unter der Leitung von Kais Vater Rolf Haferkorn und Andreas Raabe.

Anfang der 1980er Jahre wurde Karate auch in Deutschland immer populärer. Durch den sinoamerikanischen Kampfkünstler und Schauspieler Bruce Lee wurde die Kampfsportart bei den Jugendlichen zunehmend beliebter. Auch der DTV gründete am 7. Mai 1981 seine Karate-Abteilung, der Bärbel Kopp 1982 mit 13 Jahren beitrat.

„Das war einfach etwas Anderes als Fußball oder Tennis, was damals ja auch so langsam anfing, zu boomen. Ich wollte Karate einfach mal ausprobieren“, erinnert sich Kopp, warum sie dem Turnverein beitrat. Trainer Rolf Haferkorn habe es dann geschafft, sie für diesen Sport zu begeistern.

Und diese Entscheidung sollte sich als goldrichtig erweisen. Denn früh war ein gewisses Talent bei Bärbel Kopp erkennbar. „Da geht ’was“, sagte Trainer Rolf Haferkorn und versuchte Kopp ebenso wie die drei Jungs aus ihrer Trainingsgruppe entsprechend zu fordern und fördern. Es folgten Erfolge beim Nordseepokal, bei den Landesmeisterschaften und für Kopp schließlich die Krönung bei der Deutschen Meisterschaft im Oktober 1985: Die als Geheimfavoritin an den Start gegangene 16-Jährige holte sich in Coesfeld in der Jugend B den Einzeltitel in der Kata-Disziplin (dem Kampf gegen einen imaginären Gegner) und wiederholte diesen Erfolg 1987 in der Jugend A in Hamburg.

Viel Lob für Trainer-Legende Rolf Haferkorn

„Das war ein einfach nur ein geiles Gefühl“, erinnert sich Kopp über ihren ersten Sprung auf das oberste Treppchen. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“ Sie hatte eine eindrucksvolle Kata „Bassai-Dai“ vorgeführt „und dafür den stärksten Beifall des fachkundigen Publikums geerntet“, schrieb das dk damals. Die Kata-Mannschaft des DTV mit Ralf Diers, Kai Haferkorn und Marc Fuhrken rundete das starke DTV-Ergebnis ab. „Das war natürlich allerbeste Werbung für den DTV“, sagt Bärbel Kopp. Coach Rolf Haferkorn sei damals nach diesen ersten Ausrufezeichen der noch jungen Abteilung „völlig aus dem Häuschen gewesen“, schmunzelt Kopp.

Der Karate-Tausendsassa, der schon zwei Mal eine WM als Turnier-Organisator begleitete und heute noch Abteilungsleiter beim DTV ist, sei „einfach ein prima Mensch. Er lebt für den Sport – und ist ein toller Trainer.“ Es sei Haferkorns Verdienst, betont Kopp, dass die DTVer viele Erfolge feierten. Insgesamt gab es auf Deutschen Meisterschaften drei Gold-, eine Silber- und vier Bronzemedaillen, Ralf Diers und Kai Haferkorn kämpften in der Bundesliga, Oliver Kronhardt und Vitalij Sadovitch waren Nationalkader-Mitglieder – um nur ein wenig aufzuzählen. „Es war damals eine homogene, fleißige Gruppe“, erinnert sich Trainer-Legende Haferkorn.

Training und Lehrgänge statt Disco

Apropos Fleiß: Ohne zusätzliches Training und viele Lehrgänge wären die Erfolge der Ästhetik-Künstler nicht möglich gewesen, glaubt Bärbel Kopp und erinnert sich mit einem Lächeln an die vielen Entbehrungen, die ihre Trainingspartner und sie in ihrer Jugendzeit auf sich nahmen. „Während unsere Freunde in die Disco gegangen sind, sind wir quer durch Deutschland gereist.“

Mit den Erfolgen stieg natürlich auch die Popularität der Karateka, sagt die Friseurmeisterin. „Wir sind standen ja sogar auf einer ganzen Seite in der Bild-Zeitung. Wir waren überall bekannt. Wenn ich doch mal ins La Palma feiern gegangen bin, hat mich fast jeder angesprochen“, sagt sie. „Aber da war ich schon stolz drauf.“ Auch heute noch werde sie von ihren Kunden in ihrem Salon auf ihre Erfolge angesprochen.

Karate als Meditation

Mit der Gesellenprüfung und später mit der Meisterschule hatte Kopp zunehmend weniger Zeit, die trainingsintensive Sportart auszuüben. 1993 beendete die heute 48-Jährige schließlich ihre Laufbahn. Danach habe sie es immer wieder gejuckt, zumindest wieder das Training aufzunehmen. „Bei Karate trainiert man einfach den ganzen Körper und die Gelenkigkeit.“ Und der meditative Charakter der Sportart helfe ihr auch bei ihrem Job. „Als Jugendliche war ich ziemlich hibbelig. Durch Karate bin ich viel ruhiger geworden und kann mich besser konzentrieren.“ Dank Rolf Haferkorn – und dank Bruce Lee.