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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Sandra Auffarth gewinnt 2007 DM der Jungen Reiter

Von Lars Pingel | 25.06.2017, 10:18 Uhr

Das Jahr 2007 war ein besonderes für Sandra Auffarth, Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee: Sie wurde im Juni mit Carlos Deutsche Meisterin der Jungen Reiter und lernte ihr Paradepferd Wolle kennen.

Dass er gerade eine kommende Olympia-Medaillengewinnerin (Team-Gold und -Silber und Einzel-Bronze) und Doppel-Weltmeisterin durch die Reithalle des Stalls Auffarth in Bergedorf trug, konnte Horst Karsten am 13. Juni 2007 natürlich nicht ahnen. Die Reitsportlegende, die in Delmenhorst wohnt und dem RV Ganderkesee angehört, wusste aber mit Sicherheit, dass dort gerade ein Ausnahmetalent gefeiert wurde. Karsten, der als Aktiver (Team-Silber und -Bronze) und Coach an neun Olympischen Spielen teilgenommen und das deutsche Vielseitigkeitsteam als Bundestrainer 1988 bei den Spielen in Seoul zum Mannschafts-Gold geführt hatte, war einer der ersten der vielen Gäste, die Sandra Auffarth zu ihrem Sieg in der deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter gratulierten. Auf dem Bonner Rodderberg hatte die damals 20-Jährige mit Carlos einen Start-Ziel-Sieg herausgeritten. In der Prüfung war sie zudem mit Noble Prince Dritte geworden; Medaillen können bei einer DM aber nur mit einem Pferd gewonnen werden. „Ja, total gut“, sagt Sandra Auffarth zehn Jahre später auf die Frage, ob sie sich noch an diesen Abend erinnern könne.

Start-Ziel-Sieg in Hohenberg-Krusemark

2005 war Auffarth in Hohenberg-Krusemark mit dem Oldenburger Wallach Carlos, der von ihren Eltern gezüchtet worden war und den sie selbst ausgebildet hatte, in ihrem ersten Jahr in der Altersklasse Junge Reiter (U21) überraschend Deutsche Meisterin geworden. Ein Jahr später musste sie verletzungsbedingt passen. In Bonn wollte sie im Juni 2007 dann ihren Erfolg von 2005 bestätigen. „Das Ziel war schon, die DM zu gewinnen“, erzählt sie. „Die Geländestrecke dort ist sehr anspruchsvoll, weil sie hügelig ist. Es geht ständig auf und ab. Carlos ist eher ein Warmblüter, also nicht ganz so ausdauernd. Deshalb habe ich eigentlich gedacht, dass Noble Prince dort besser zurechtkommen würde.“ Doch: Auffarth ritt mit dem damals zehnjährigen Carlos eine sehr gute Dressur (39,90 Minuspunkte), sodass sie nach der ersten Teildisziplin souverän in Führung lag. Auf der Geländestrecke blieben die beiden fehlerlos, die sechs Strafpunkte für das Überschreiten der Richtzeit waren locker zu verkraften. Genauso wie der eine Hindernisfehler im Springparcours am abschließenden Sonntag. „Danach war ich ziemlich stolz auf Carlos“, sagt Auffarth. Mit Noble Prince war ihr übrigens ebenfalls eine glänzende Geländerunde gelungen.

Jubel auch um Janna Horstmann

In Janna Horstmann hatte an dem Wochenende mit Vivian eine weitere Vielseitigkeitsreiterin ebenfalls überzeugt. Sie war bei der DM der Junioren Elfte geworden. Auch sie feierten die Reitsportfans am 13. Juni in Bergedorf. Sie studiert inzwischen Wirtschaftspädagogik im Master in Oldenburg. „Da das doch sehr zeitintensiv ist, reite ich nur noch zum Ausgleich und keine Turniere mehr“, erzählt sie. Ihr Pferd ist ein Fohlen von Vivian. Stießen am 13. Juni 2007 auf ihre DM-Erfolge an: Janna Horstmann (links) und Sandra Auffarth. Foto: Rolf Tobis

Sandra Auffarth bildete Carlos selbst aus

Auffarth, die schon als Ponyreiterin viele Erfolge gefeiert hatte, gehörte, seit Ende des Jahres 2006, zur Perspektivgruppe der Deutschen Reiterlichen Vereinigung am Bundesleitungszentrum in Warendorf. Dort trainierte sie dafür, sich den Traum, Profireiterin zu werden, zu verwirklichen. Daneben absolvierte die Abiturientin eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Reiten, die sie als Jahrgangsbeste abschloss, und anschließend noch eine zur Sport- und Fitnesskauffrau. Im Januar 2011 kehrte sie zurück nach Bergedorf, führt seitdem mit ihren Eltern Bärbel und Karl-Heinz Auffarth den Zucht- und Ausbildungsstall. So bringt sie Sport und eine berufliche Karriere unter einen Hut.

Sandra Auffarth blieb mit Carlos erfolgreich. Ein Beispiel: 2009 wurde sie mit ihm bei ihrem DM-Debüt bei den Reitern in Schenefeld Fünfte.

2007 lernt Sandra Auffarth den Wallach Opgun Louvo kennen

Doch bereits Ende des Jahres 2007 hatte sie zum ersten Mal das Pferd getroffen, mit dem sie den Sprung aus der nationalen Spitze in die Weltklasse schaffte. In Warendorf wurde Sandra Auffarth ein französischer Fuchswallach namens Opgun Louvo vorgestellt, den sie ausbilden sollte. „Ich weiß noch genau, wie ich ihn zum ersten Mal geritten bin“, erzählt sie. „Er war noch ganz grün, konnte noch nicht so viel. Beim ersten Sprung hatte ich ein super Gefühl. Er hat mir überhaupt ein schönes Reitgefühl vermittelt.“ Sie begann also, den damals Fünfjährigen auszubilden. Ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon haben zu können, was mit diesem Pferd, dem sie kurzerhand den Kosenamen Wolfgang gegeben hatte, der später zu Wolle verkürzt wurde, noch möglich werden würde. „Das erste Mal, dass ich mir gesagt habe ,Wow, der ist wahrscheinlich sogar noch besser, als gedacht‘ war bei der WM der siebenjährigen Pferde“, erzählt Auffarth. In Le Lion d’Anger in Frankreich gewann Wolle, der inzwischen ihr und dem Deutsches Olympiade-Komitee für Reiterei gehört, die Bronzemedaille.

Wolle steigert sich von Jahr zu Jahr

„Die Ausbildung eines Vielseitigkeitspferdes dauert eine lange Zeit“, sagt Auffarth. „Mit Wolle ging es, im Verhältnis gesehen, ziemlich schnell.“ Er habe sich jedes Jahr um eine Klasse gesteigert. Als Siebenjähriger erreichte er das internationale Zwei-Sterne-Niveau, als Achtjähriger ging er in seine erste Drei-Sterne-Prüfung – und als Neunjähriger feierte er im Juni 2011 in Luhmühlen seine Premiere auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, dem Vier-Sterne-Niveau. „Schneller geht es nicht“, sagt Auffarth. Platz zwei in diesem Wettbewerb brachten sie und Wolle in den Kader für die Europameisterschaft 2011. Die wurde vom 25. bis 28. August ebenfalls in Luhmühlen ausgetragen. Für das Duo vom RV Ganderkesee gab es Team-Gold und Einzel-Silber. Wieder einmal wurde in der Reithalle des Stalls Auffarth gefeiert. Es folgten, unter anderem, die Olympia-Medaillen aus London (Team-Gold, Einzel-Bronze) und Rio de Janeiro (Team-Silber), die Doppel-Weltmeisterschaft 2014 im französischen Caen, der CHIO-Sieg in Aachen (2015) und die EM-Medaillen aus Blair Castle 2016 (Team-Gold, Einzel Silber) und 2016 der erste DM-Titel in Luhmühlen.

Auffarth startet bei Weser-Ems-Meisterschaft der Springreiter

Viel Zeit, zurückzublicken und ihre Erfolge zu genießen, hat Sandra Auffarth während einer Saison nicht. Doch selbst dann, nimmt sich dafür ab und an ein paar Minuten. „Im Sport geht es mal rauf und mal runter“, sagt sie. „Wenn man zurückschaut, sieht man, was man alles schon geschafft hat. Dann kann man ein Tief besser wegstecken und weiß, dass es auch wieder besser gehen wird.“ Es ist noch keine Woche her, dass sie mit Wolle in Luhmühlen die Bronzemedaille der deutschen Meisterschaft in der Vielseitigkeit gewonnen hat, doch die 30-Jährige ist längst wieder gefordert. Bei den Cloppenburger Reitertagen tritt sie seit diesem Freitag, 23. Juni, mit dem erst neunjährigen Landlord in der Weser-Ems-Meisterschaft 2017 der Springreiter in Prüfungen der Klasse S an. In der ersten Wertungsprüfung wurde sie nach einem Null-Fehler-Ritt Fünfte.

Nach einer Saison wird natürlich Bilanz gezogen – und dann findet sich auch der eine oder andere Moment, um ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen, aber auch um die Erfolge einzuordnen. „Im Winter schaue ich mir schon mal ein Video an, zum Beispiel von London. Ich weiß, dass ich Glück hatte. Es muss jedes Mal wirklich alles zusammen passen, das ist nicht selbstverständlich.“ Genau deshalb denkt sie eben auch immer wieder gerne an den 13. Juni 2007 und das Wochenende davor zurück.