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dk-Serie: Sportliche Rückblicke SV Atlas feiert am 18. Juni 1976 mit 7000 Fans den Oberliga-Aufstieg

Von Klaus Erdmann | 11.06.2017, 11:02 Uhr

Nach einem 4:3-Erfolg bei Altona 93 sicherte sich der SV Atlas am 17. Juni 1976 den Aufstieg in die Fußball-Oberliga. Einen Tag später wird die Mannschaft auf dem Delmenhorster Marktplatz von 7000 Fans begeistert empfangen. Der zweifache Torschütze Heinz-Dieter Hasebrink erinnert sich an „schöne Jahre“.

Mit zwei Aufstiegen innerhalb von zwei Jahren – von der Bezirks- in die Landesliga und von der Landes- in die Oberliga – haben die Fußballer des SV Atlas für Schlagzeilen gesorgt und große Begeisterung ausgelöst. Dem alten SV Atlas ist dieses Kunststück Mitte der Siebziger gelungen. Den Höhepunkt bildete eine Aufstiegsfeier, mit der der SVA am 18. Juni 1976 den Delmenhorster Marktplatz rockte. Rund 7000 Fans feierten vor 41 Jahren ihre kickenden Helden.

1976 ist der 17. Juni („Tag der Deutschen Einheit“) noch ein Staatsfeiertag (als solcher wird er nach dem Fall der Mauer abgeschafft und 1990 durch den 3. Oktober ersetzt). An jenem 17. Juni 1976 also, ein Donnerstag, kämpft der SV Atlas in der Adolf-Jäger-Kampfbahn, die zu den ältesten deutschen Sportstätten gehört, um den Aufstieg in die Oberliga. Die Elf, die in der Gruppe A auf Altona, TuS Lingen und VfR Neumünster, ihren hartnäckigsten Widersacher trifft, muss in Hamburg gewinnen, um den großen Traum zu erfüllen.

SV Atlas liegt mit 1:2 zurück

Vor 4000 Zuschauern, darunter mehr als die Hälfte Delmenhorster, beginnt das finale Spiel alles andere als verheißungsvoll. Altona führt mit 1:0 und – nach dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Edgar Nobs – in der 67. Minute mit 2:1. „Bernd Schmidt ging raus. Für ihn kam Heiner Radbruch“, erinnert sich Heinz-Dieter Hasebrink, Torjäger, Leistungsträger und Publikumsliebling in Personalunion. „Heiner ging dann nach vorne und ich habe mich aus der Spitze, wo ich zuvor gut bewacht wurde, zurückgezogen. Der Schachzug von Trainer Günter Bernard ist gut aufgegangen.“

Hasebrink und Trumpfheller machen Sieg perfekt

Kann man wohl sagen: In der 71. Minute gleicht Hasebrink aus und in der 73. Minute gelingt dem damals 34-Jährigen, der über die Erfahrung von 199 Bundesliga-Spielen verfügt (für RW Essen, 1. FC Kaiserslautern und Werder Bremen), das 3:2. Nach dem 4:2, das Rudi Trumpfheller, ein weiterer Protagonist jener Zeit, in der 77. Minute gelingt, kommt Altona 93 in der 85. Minute auf 3:4 heran. Einige Minuten später: Schlusspfiff, Jubel, Atlas ist Oberligist.

Marktplatz wird zur Partyzone

„Nach dem Spiel gab es für uns Bier“, blickt Hasebrink zurück. „Wir sind damit in die Kabine der Altonaer gegangen und haben ihnen etwas abgegeben.“

„Ich habe gelesen, dass Atlas am Samstag auf dem Stadtfest empfangen wird. Dabei ist mir eingefallen, dass wir 1976 mit einem Autokorso durch die Stadt gefahren sind“, sagt „Hase“. Der Start erfolgt auf dem Parkplatz der legendären Diskothek „La Palma“. Von dort aus geht es durch die Stadt zum Marktplatz. Auf dem Vordach der Markthalle präsentieren sich die von Politikern umrahmten Fußballer ihren Fans. 7000 Sehleute verwandeln den Marktplatz in ein Menschenmeer und in eine Partyzone. Hasebrink: „Wir waren überrascht, dass uns so viele Leute empfingen. Es war ein Erlebnis. Als ehemaliger Profi hatte ich nicht damit gerechnet, dass ein Amateurverein für so viel Aufsehen sorgen kann.“

„Für uns ging es danach noch bei Menkens in Hoykenkamp weiter“, berichtet der mittlerweile 75-jährige Hasebrink. Der Aufstieg sei eine „tolle Geschichte“ gewesen. Es habe beim SV Atlas eine „schöne Zeit“ erlebt, die er nicht missen möchte.

Das Aufstiegsteam des SVA: Heinz Allhorn, Manfred Klatte, Edgar Nobs, Rudi Trumpfheller, Rainer Struckmann, Detlef Funke (Lubomir Blaschek), Bernd Schmidt, (Heiner Radbruch), Günter Selke, Kurt Segelken, Heinz-Dieter Hasebrink und Ottmar Ahlers.

Erst 1975 in die Landesliga aufgestiegen

Bereits ein Jahr zuvor, exakt: am Sonntag, 22. Juni 1975, gelingt dem SV Atlas unter der Regie von Trainer Helmut Jagielski der Aufstieg in die Landesliga. „Krönung mit traumhafter Leistung“, titelt das Delmenhorster Kreisblatt einen Tag später, einen Tag nach dem 5:1 beim Lüneburger SK. Im „Wilschenbroker Brut- und Hexenkessel“ registriert man „weit über 7000 Zuschauer, darunter fast 2500 Delmenhorster“. Bereits in der 6. Minute gerät der SVA in Rückstand. Dann bescheren ihm Treffer von Hannes Scherff (2), Trumpfheller (Foulelfmeter), Hasebrink und Detlev Garmhausen das 5:1. Atlas setzt sich in der Aufstiegsrunde vor FC Wunstorf, Lüneburg und Germania Leer durch.

Randnotiz: Im Jahr 1975 wartet der Begriff „Liveticker“ noch auf seine Entdeckung. Das Delmenhorster Kreisblatt bietet seinen Lesern einen telefonischen Ergebnisservice an. Die Folge: Bis 23 Uhr gehen in der Sportredaktion 1017 Anrufe ein.

Einer jener Spieler, der in beiden „Aufstiegs-Endspielen“ zum Einsatz kam, war der inzwischen verstorbene Manfred Klatte. SVA-Spieler Maximilian Klatte, der zum VfL Stenum wechselt, erinnerte wenige Minuten, nachdem der Oberliga-Aufstieg des aktuellen SV Atlas am Nachmittag des 28. Mai 2017 feststand, an seinen Vater: „Einen besseren Abschluss hätte ich mir nicht wünschen können. Das ist sehr emotional für mich. Vor 40 Jahren ist mein Vater mit Atlas auch zweimal hintereinander aufgestiegen. Er hat mir immer davon erzählt.“