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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 10 Jahren: Monika Jentges gewinnt Gold bei den World Games

Von Elisabeth Wontorra | 29.11.2015, 09:00 Uhr

Die Bookholzberger Bogensportlerin Monika Jentges gewinnt 2005 bei den World Games in Mühlheim die Goldmedaille. Damit besaß sie alle Titel gleichzeitig, die es beim Bogensport zu gewinnen gab.

Alle Titel gleichzeitig zu besitzen, die es gibt: Das war das große Ziel von Monika Jentges im Jahr 2005. Die Sportlerin aus Bookholzberg war Deutsche Meisterin, Europameisterin und Weltmeisterin der Blankbogenschützen. Ihr fehlte nur noch die Goldmedaille der World Games. Die fanden in Mühlheim statt.

„Ich wollte gewinnen, und ich habe von Anfang an gemerkt, dass ich auch gewinnen kann“, erzählt Jentges heute. Die Veranstaltung ist ihr gut in Erinnerung geblieben. Das sei etwas, das sie nie vergessen könne. „Das Wetter war gut und mein Mann war dabei. Er hat mich unterstützt, genau wie der Verein“, erinnert sich die inzwischen 52-Jährige, die seit 2000 Bogensport Delmenhorst angehört.

Sie weiß noch genau, wie nervös sie damals gewesen war. „Mir war morgens ziemlich schlecht. Aber ich bin eigentlich vor jedem Turnier nervös“, erzählt Jentges. Dabei sei es nicht wichtig, bei welchem Turnier sie schieße. „Aber nach der ersten Scheibe ist das immer vorbei.“

Monika Jentges gewinnt Stechen im Halbfinale

Die World Games sind eine internationale Sportveranstaltung für nichtolympische Sportarten und finden alle vier Jahre in unterschiedlichen Ländern statt. Um an dem Turnier starten zu dürfen, müssen die Bogenschützen an der EM und WM teilgenommen haben. „Die World Games sind von der Bedeutung wie die Olympischen Spiele“, meint Jentges.

In Jentges Erfolgsjahr nahmen zwölf Frauen aus zehn Nationen an den World Games in Deutschland teil. In der Qualifikationsrunde schossen die Damen auf 24 Scheiben in unbekannten Entfernungen. Jentges überstand sie als Erste: „Das Umfeld stimmte einfach. Das war ein tolles Event.“

Im Halbfinale trat Jentges gegen die Italienerin Luciana Pennacchi an. Beide schossen 43 Ringe, sodass es in ein Stechen ging. „Nervös war ich nicht. Es ist einfach so: Wer den besseren Pfeil schießt, der gewinnt“, sagt Jentges. Am Ende setzte sie sich gegen die Konkurrentin durch und traf im Finale auf die Österreicherin Reingild Linhart. Beide Frauen kannten sich aus früheren Turnieren. „Wir haben zusammen immer Spaß gehabt und uns auch unterstützt. Im Bogensport gibt es nicht so eine Konkurrenz, wie es viele erwarten“, erzählt Jentges. Man schieße mehr gegen sich selbst als gegen die anderen, auch wenn es die Konkurrenz sei. Die Finalteilnehmerinnen teilten diese Ansicht: „Wir machen keine negative Beeinflussung. Sicherlich könnte man den Gegner einschüchtern, wenn man das will. Aber dann ist der Sieg nichts wert.“ Daher gehen die Kontrahentinnen freundlich miteinander um.

Monika Jentges besitzt alle Titel im Bogensport

Das Finale verlief lange ausgeglichen. So stand es nach drei Scheiben 40:40 Ringe. An der Vierten schoss Jentges eine Zwei und Linhart lag mit einer Vier nun zwei Ringe vorne. Doch die Bookholzbergerin behielt die Nerven – und legte vier Ringe vor, die die 46:43-Führung bedeuteten, da die Österreicherin nur eine Eins schoss. Somit fehlte Jentges an der letzten Scheibe eine weitere Vier, um den Sieg perfekt zu machen. Doch die damals 42-Jährige übertraf sich selbst und beendete das Finale mit fünf Ringen.

Der Sieg war für Jentges etwas Besonderes. Nicht nur, weil sie nun alle Titel im Bogensport gleichzeitig innehatte, sondern auch, weil das Turnier in Deutschland stattfand. Mit diesem Erfolg belohnte Jentges ihre jahrelange harte Arbeit. Jeden Tag trainierte sie zwei bis vier Stunden. „Am Wochenende waren das auch mal acht“, sagt sie.

Auch Jentges Sohn teilte die Leidenschaft für den Bogensport. Als er acht Jahre alt war, wollte er ihn ausprobieren. So brachte die Mutter dem Sohn das Bogenschießen bei. Zu dieser Zeit befand sie sich in einer Wettkampfpause, die inzwischen 16 Jahre lang war. „Ich bin mit meiner Tochter schwanger geworden, dann war es etwas schwierig mit dem Sport. Später haben wir uns selbstständig gemacht“, erklärt Jentges. Doch durch ihren Sohn fand sie ihre Leidenschaft wieder. Was kein Fehler war, wenn sie ihre Erfolge betrachtet. Bei ihrem Sohn hielt der Spaß nur zwei Jahre an. „Dann ist er zum Handball gewechselt“, sagt sie.

Seit einem Jahr keine internationalen Wettkämpfe mehr

Jentges sei es egal gewesen, welchen Sport ihre Kinder betrieben. Ihr sei es nur wichtig gewesen, dass sie einen ausüben: „Bis sie 18 Jahre alt waren, waren sie verpflichtet, Sport zu treiben.“ Jentges selbst übt nicht mehr so viel wie früher: „Seit ich international an keinen Wettkämpfen mehr teilnehme, trainiere ich nur einmal die Woche.“ Seit dem vergangenen Jahr ist das der Fall. Dafür gibt sie nun ihr Wissen weiter und leitet drei Mal die Woche das Bogentraining in Delmenhorst.