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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 125 Jahren: VfL Wildeshausen wird gegründet

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 23.07.2016, 23:27 Uhr

Der VfL Wittekind Wildeshausen, auf Initiative der Turner 1981 gegründet, feiert in diesen Tagen sein 125-jähriges Bestehen. Der Verein schaut jedoch nicht nur auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurück, sondern ebenso nach vorne: Für die Zukunft hat der VfL klare Pläne und Vorstellungen.

Ludwig Löschen ist es zu verdanken, dass der VfL Wittekind Wildeshausen am kommenden Wochenende seinen 125. Geburtstag mit einem großen Jubiläumsfest feiern kann. Er legte 1891 den Grundstein zur Entstehung des „Turnvereins Wildeshausen“, dessen Führung Maurermeister H. Grashorn übernahm. Zusammen mit seinen Kollegen aus dem Vorstand gelang es dem Vorsitzenden schnell, das Interesse der jungen Leute in Wildeshausen für das Turnen zu wecken. Die Entwicklung des Turnvereins Wildeshausen ist aber auch eng mit den Namen Willi Schulte und Ferdinand Günther verbunden. Beide machten sich in jahrzehntelanger ehrenamtlicher Tätigkeit um das Frauen- und Männerturnen verdient.

Zusammenschluss von drei Vereinen

Als sich 1934 unter dem Einfluss der politischen Entwicklung die Vereine „Turnverein Wildeshausen von 1891“, „Fußballklub Wittekind von 1907“ und der „Schwimmverein von 1921“ auflösten, bildete sich aus den drei Klubs der „Verein für Leibesübungen Wittekind Wildeshausen“. Nachdem der Verein in der NS-Zeit einige Rückschläge verkraften musste und während des Zweiten Weltkriegs beinahe zum Erliegen kam, hauchten die Turn- und Sportfreunde aus Wildeshausen dem Verein Ende der 1940er Jahre neues Leben ein.

VfL Wildeshausen aktuell bestens aufgestellt

Heute geht es dem VfL besser denn je: Mit 1880 Mitglieder zählen die Kreisstädter nicht nur zu den mitgliederstärksten Vereinen im Landkreis, sondern auch zu den erfolgreichsten – und vor allem gesündesten. „Unser Verein ist äußerst modern strukturiert. Wir sind in allen Bereichen sehr gut aufgestellt und stehen auch finanziell auf zwei gesunden Beinen“, stellt Wolfgang Sasse, Vorsitzender des VfL, die Vorzüge seines Vereins selbstbewusst dar.

Turnabteilung als Schlüssel zum Erfolg

Auch wenn traditionell die Fußballer die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen, sieht Sasse die Basis für das gelungene Vereinsleben an anderer Stelle, nämlich in der Turnabteilung. Zum einen habe die Sparte mit 816 Sportlern seit jeher die meisten Mitglieder in ihren Reihen, zum anderen werde der Nachwuchs durch die Turnabteilung schon in ganz jungen Jahren an den Verein herangeführt, so Sasse: „Unsere Abteilungsleiterin, Ute Dietz, macht hier einen fantastischen Job. In der Turnabteilung liegt der Schlüssel zum Erfolg.“ Nicht zuletzt sei aber auch das gesamte Konzept des Vereins für den großen Zulauf mitverantwortlich. „Wir legen in allen Abteilungen viel Wert auf qualifizierte Übungsleiter und investieren dementsprechend auch, damit unsere Trainer die notwendigen Lizenzen und Qualifizierungen erhalten“, sagt Sasse weiter.

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Fußballfeste im Krandelstadion

Die größten Schlagzeilen machte in den vergangenen Jahren dennoch die Fußballabteilung. Vor einem Jahr erst sorgte das Entscheidungsspiel um die Bezirksliga-Meisterschaft für Furore. Mehr als 4000 Zuschauer versammelten sich Ende Mai 2015 im Krandelstadion, als der VfL mit einem 1:1 gegen den Rivalen vom SV Atlas Delmenhorst den Aufstieg in die Landesliga perfekt machte . Einige Monate später kamen ähnlich viele fußballbegeisterte Besucher nach Wildeshausen, um das Benefizspiel zwischen dem SV Werder Bremen und RB Leipzig (3:0) zu sehen.

Komiker Otto Waalkes zu Gast

Doch auch in den Jahrzehnten zuvor fanden im Krandelstadion wahre Fußballfeste statt. Unvergessen bleibt dabei der Auftritt vom Komiker Otto Waalkes. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Fußballklubs war er das Gesicht der Prominentenmannschaft, die im August 1982 gegen eine Wildeshauser Auswahl mit 9:2 gewann. Neben dem Ostfriesen gehörten auch Liedermacher und Schauspieler Volker Lechtenbrink, der ehemalige Fußball-Nationalspieler „Charly“ Dörfel und Box-Olympiasieger Dieter Kottysch zur Promi-Elf, die mehr als 5000 Zuschauer ins Krandelstadion lockte.

Fußballerinnen zwischen Bundesliga und Auflösung

Lange Zeit war allerdings die Damen-Fußballabteilung das Aushängeschild des Vereins. Die Fußballerinnen holten in verschiedenen Spielklassen und Pokalwettbewerben Titel und erreichten 1982 das deutsche Pokalfinale. Ebenso stand im August 1989 zum 20-jährigen Bestehen der Abteilung ein Duell gegen eine NDR-Prominenten-Auswahl um Klaus & Klaus, Dieter Hallervorden und Günter Netzer an. Höhepunkt des Wildeshauser Frauenfußballs war das Jahr 1995, als die Damen Oberligameister wurden und in die Bundesliga aufstiegen. Interne Querelen führten jedoch zum direkten Abstieg und letztendlich zur Auflösung der Frauen-Fußballabteilung im Jahr 1996. Mittlerweile rollt der Ball auch bei den Wildeshauser Damen wieder – sogar so gut, dass sie in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Bezirksliga feierten.

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Baumaßnahmen zur Attraktivitätssteigerung

Eine Woche vor der Jubiläumsfeier wird der Vorstandsvorsitzende Sasse nicht müde, zu betonen, dass neben der Turn- und Fußballabteilung auch alle anderen Abteilungen – Volleyball, Handball, Tischtennis und Taekwondo – „hervorragende Arbeit leisten“. Ziel sei es, „die Attraktivität sämtlicher Sparten kontinuierlich zu steigern“, erklärt er. In den vergangenen Wochen haben deshalb auch die Bauarbeiten auf der ehemaligen Tennisanlage im Krandelstadion begonnen. Geplant ist dort eine Kinder- und Beachsportanlage. „Es entsteht eine 65 mal 20 Meter große Sandfläche für Beachhandball und -volleyball“, geht Sasse, der gleichzeitig auch Krandelverwalter ist, ins Detail.

Wunsch für die Zukunft: Kunstrasenplatz

Weiter werde eine 36 mal 72 Meter große Rasenfläche angelegt. Nach Angaben von Sasse soll hier der Fußball-Nachwuchs spielen und die Junioren der Turnabteilung eine Fläche zum Trainieren bekommen. Zudem soll das Gelände von den Reha-Sportgruppen genutzt werden. „Außerdem wird ein Gerätepark für Kinder, mit dessen Hilfe die motorischen Fähigkeiten verbessert werden sollen, gebaut“, nennt Sasse einen weiteren Teil des umfangreichen Bauvorhabens. Ferner hat Sasse noch einen anderen konkreten Wunsch: „Wir haben keine Nachwuchsprobleme. Im Gegenteil, denn unsere Kapazitäten sind zum Teil ausgeschöpft. Deshalb brauchen wir dringend einen Kunstrasenplatz“, fordert Sasse.

Verein will mit dem Festwochenende „Danke“ sagen

Bevor die Zukunftspläne weiter vorangetrieben werden, steht für den Verein und die Kreisstadt jetzt aber zunächst das Festwochenende vor der Tür . „Wir möchten die Feierlichkeiten nutzen, um einfach mal gebührend ‚Danke‘ zu sagen. Das gilt für alle ehrenamtlichen Helfer und Vereinsmitglieder genauso wie für die Stadt, den Landkreis, die vielen Sponsoren und alle anderen Freunde und Unterstützer“, gibt Sasse die Marschrichtung für den Feier-Marathon vor.