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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 25 Jahren: DTV feiert rekordverdächtige Siege

Von Elisabeth Wontorra | 14.11.2015, 13:00 Uhr

Vor 25 Jahren starteten die Volleyballerinnen des Delmenhorster TV mit einem Spektakel in die Bezirksligasaison: Sie gewannen ihre erste Partie nach nur 44 Minuten mit 3:0. Seit damals hat sich im Volleyball viel getan. Die damals 19-jährige Kerstin Frohburg sieht diese Veränderungen gelassen.

Dehnen, warmlaufen, Aufschläge und Zuspiele üben. Volleyballer benötigen ihre Zeit, um sich für ein anstehendes Spiel warm zu machen. Das Frauenteam des Delmenhorster TV brauchte dafür in der Saison 1990/1991 manchmal länger, als das Match dann zu gewinnen. Am 6. Oktober 1990 startete es gegen den TV Cloppenburg mit einem 44-Minuten-Sieg (15:7, 15:2, 15:6) in die neue Bezirksligaspielzeit. Der zweite Satz dauerte nur sieben Minuten.

Am vierten Spieltag setzten die Delmenhorsterinnen noch einen drauf: In nur 37 Minuten beendeten sie die Partie gegen den Wilhelmshavener SSV mit 3:0 (15:8, 15:4 und 15:1). „So etwas war die Ausnahme“, erzählte Kerstin Frohburg, in der Saison mit 19 Jahren die Jüngste im DTV-Team: „Damals konnte ein Satz schon mal 40 Minuten dauern.“

Viele Saisons liegen inzwischen hinter der heute 44-Jährigen. Daher könne sie sich auch nicht mehr an jedes Spiel oder jede Saison erinnern. Auch nicht an solche rekordverdächtigen Siege. Diese Partien waren die Höhepunkte eines Triumphzuges: Die Delmenhorsterinnen wurden nach 18 weiteren Siegen und nur zwei Niederlagen (sechster und elfter Spieltag) Meister.

Woran sich Frohburg noch gut erinnert ist, dass der Teamgeist groß war. „Ich war total integriert. Da gab es kein Problem wegen dem Alter“, sagt sie. Zu drei Mitspielerinnen der damaligen Saison hat sie noch guten Kontakt: „Wir treffen uns alle zwei Monate zum Essen.“ Dann rede sie mit Petra Kienast (ehemals Baacke), Beate Pleus (ehemals Eckelt) und Susanne Gäßlein natürlich auch über die alten Zeiten.

Veränderungen im Volleyball sorgen für Aufschreie

In den vergangenen 25 Jahren hat sich viel getan. Die Frauen sind inzwischen verheiratet, einige haben Kinder. Und ihr Sport hat neue Regeln bekommen. „Als gravierendste Veränderung gilt wohl das sogenannte Rally-Point-System. Das wurde damals als Katastrophe angesehen, ist aber für mich die wohl kleinste Veränderung“, sagt Frohburg. Für sie war die Einführung des Liberos, eines Spezialisten für die Abwehr, bedeutsamer. Über einige Regelveränderungen amüsiert sie sich: „1990 durften wir das Netz nicht berühren. Dann durfte man es teilweise berühren, dann wurde es wieder geändert. Und heute ist es quasi wieder so wie früher.“

Dennoch begleitete ein Aufschrei fast jede Veränderung. „Ich hab das ja selbst miterlebt. Damals wurde immer alles heißer gekocht, als es eigentlich war.“ Trotz der ganzen Regeländerungen findet Frohburg: „Es ändert nichts an der Art, Volleyball zu spielen. Wenn man bei einem Stand von 23:24 Aufschlag hat, dann überlegt man vielleicht mehr. Entweder zieht man gleich oder man verliert den Satz.“ Vor 25 Jahren durfte nur die aufschlagende Mannschaft punkten. Verlor sie einen Ballwechsel, ging zunächst nur das Aufschlagrecht an den Konkurrenten.

Viel Verantwortung im Beruf und in der Freizeit

1983 fing Frohburg beim Delmenhorster TV an, Volleyball zu spielen. Heute ist sie mit 44 Jahren die Älteste im Verbandsliga-Team der VG Delmenhorst-Stenum, ein Zusammenschluss der Volleyball-Abteilungen des DTV, des TV Jahn Delmenhorst und des VfL Stenum. „Die Jüngste ist 18. Man hat andere Erfahrungen gesammelt, aber man denkt nicht: Boah, mit denen kann ich nichts anfangen. Das habe ich damals auch nicht gedacht“, sagt sie. Das läge wohl an ihrem Charakter. Sie habe nie die allergrößte Zurückhaltung gehabt und immer ein gewisses Selbstbewusstsein. Aber das brauche sie auch als Zuspielerin.

In der Gemeindeverwaltung in Stuhr, in der Frohburg die Leitung des Fachdienstes Bildung, Jugend und Sport innehat, schaden die Eigenschaften auch nicht. Zudem ist sie Vorsitzende des DTV. Drei Bereiche, in denen sie viel Verantwortung trägt. Aber sie komme gut klar. „Ich habe beim DTV ein gutes Team. Meine Stellvertreter nehmen Termine wahr, wenn ich im Rathaus sein muss“, erzählt sie. Um sich ein wenig abzulenken, kommen die Treffen mit den Freundinnen aus alten Zeiten recht. Außerdem helfe ihr das Training, auch wenn sie das als „Pflichttermin“ betitelt. Sie sagt diesen nur ab, wenn sie dienstlich nicht kann.

Wie lange Frohburg Volleyball spielen wird, weiß sie nicht. „Ich sage immer: Ich höre nach dieser Saison auf. Aber das sage ich seit Jahren. Ich spiele wohl so lange, wie es die Knochen mitmachen.“ Das wird ihren Mann freuen, erzählt sie amüsiert: „Er meint, dass ich Sport machen muss, sonst hält er mich nicht aus.“