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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 25 Jahren: Florian Blessin wird erneut Fünfkampf-Meister

Von Vera Benner, Vera Benner | 29.10.2016, 13:33 Uhr

Vor 25 Jahren verteidigte der Delmenhorster Leichtathlet Florian Blessin den deutschen Meistertitel im Fünfkampf. Kurz darauf holte er zwei Landestitel. Blessin zeigte sich bei den Wettkämpfen nervenstark, auch kleine Widrigkeiten warfen ihn nicht aus der Bahn.

75-Meter-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung, Speerwurf und 80 Meter Hürden. Leistungen auf den Punkt abrufen und das in verschiedenen Disziplinen. Volle Konzentration über einen oder sogar zwei Wettkampftage hinaus. Der Fünf- oder auch der damalige Achtkampf ist nur etwas für vielseitige, talentierte und nervenstarke Leichtathleten. Diese Adjektive trafen auch auf den Delmenhorster Florian Blessin zu. Sich seines Talentes bewusst, ruhte er sich aber nie darauf aus. 1991 stand für den damals 15-jährigen jeden Tag mindestens eine Trainingseinheit auf dem Programm. Blessin, der für den SV Atlas startete, gewann in diesem Jahr außer dem deutschen Meistertitel im Fünfkampf, den er im schwäbischen Illertissen zum zweiten Mal errang, noch zwei weitere Titel auf niedersächsischer Ebene in Papenburg (Weitsprung und 80 Meter Hürden).

Tägliches Training

Trainer von Florian Blessin war sein Vater Jürgen Blessin. Acht Mal pro Woche ging es in das nahegelegene Stadion an der Düsternortstraße. Das bedeutete jeden Tag Training, sonntags sogar zweimal. „Das Training dauerte rund zwei bis drei Stunden“, erinnert sich Florian Blessin. „Wenn Ausdauereinheiten auf dem Plan standen, dann sind wir auch in der Graft gewesen“, sagt er. „Dort sind wir unter anderem die Treppen hoch und runter gelaufen.“

Der Weitsprung machte Probleme

Dem Trainingsfleiß zum Trotz, die deutsche Fünfkampf-Meisterschaft 1991 der Schüler A-Leichtathleten in Illertissen stellte die Nerven des Blessin-Duos ganz schön auf die Probe. Eine seiner Lieblingsdisziplinen, der Weitsprung, bereitete dem sonst so zuverlässigen Sechs-Meter-Springer Florian Blessin Sorgen: Erster Versuch übergetreten, zweiter Versuch übergetreten. Doch im letzen Versuch holte er alles aus sich heraus und sprang mit 6,47 Metern die größte Weite aller Teilnehmer. Wichtig, denn ohne Punkte im Weitsprung wäre der Sieg unmöglich gewesen. Der Delmenhorster benötige aber auch viele Zähler, denn Verfolger Bernd Vögele von der LG Staufen saß ihm dicht im Nacken.

Kurios: Die Nacht vor dem Wettkampf wollten Vater und Sohn eigentlich im Zelt verbringen. Das ging aber auf dem Weg ins Schwabenland verloren. „Ich habe meinen Speer auch immer im Zug transportiert“, erzählt Blessin. „Aber das Zelt muss unterwegs irgendwie verloren gegangen sein.“ Der Verband half aus und buchte für die Delmenhorster ein Zimmer in einer Unterkunft.

Absprungweiten im Dreisprung zu kurz

Wie die deutsche Fünfkampf-Meisterschaft lief auch der Kampf um Niedersachsens Krone in Papenburg nicht ohne einen Zwischenfall ab. Anders als in Illertissen startete er hier im Achtkampf. Im Dreisprung gab es für viele Leichtathleten ein Problem mit den Absprungweiten. Doch die Kampfrichter ließen sich nicht beirren. Blessin war zu einem Sicherheitssprung gezwungen und konnte seine Leistung nicht abrufen. „Wenn ich mich richtig erinnere, dann gab es zusätzlich noch ein Problem mit der Anlaufbahn. Die war zu kurz“, fügt er hinzu. In seinen Paradedisziplinen Weitsprung und 80 Meter Hürden war er dann aber nicht mehr zu stoppen und sicherte sich die jeweiligen Titel.

Den Hürdenlauf hat Blessin bis heute in positiver Erinnerung, schließlich hält er noch immer den Niedersachsenrekord der Altersklasse M14. Der Langlauf hingegen war dem Delmenhorster immer ein kleiner Dorn im Auge. „Ich habe es einfach nicht so gern gemacht“, erklärt er.

Prominente Konkurrenz mit Frank Busemann

Die vielen Trainingseinheiten, die seine Erfolge möglich machten, bereiteten aber nicht nur Vergnügen. „Gerade als Jugendlicher hat mir hin und wieder die Geselligkeit gefehlt“, räumt Blessin ein. Auch mit seinem Vater und gleichzeitig ehrgeizigem Trainer war er nicht immer einer Meinung. „Es gab schon Zeiten, in denen ich etwas rebelliert habe“, gibt Blessin zu.

Er legte im Alter von 16 Jahren eine einjährige Pause ein, kam danach sehr stark in den Sport zurück. 1993 lief er zu Platz fünf über 110 Meter Hürden. Einer seiner damaligen Konkurrenten: Frank Busemann, 1996 Olympia-Teilnehmer in Atlanta.

Blessin wurde nach diesem Erfolg sogar in den Nachwuchs-Nationalkader berufen, doch er merkte schnell, dass „der Ofen aus ist“. Er legte das Hauptaugenmerk auf seine schulische Ausbildung und zog sich mehr und mehr aus dem Sport zurück. Zwar wechselte er noch einmal zum SV Werder Bremen und wurde mit der Mannschaft Norddeutscher Meister. Doch als die Trainerin die Mannschaft verließ, war auch für Blessin im Alter von 25 Jahren Schluss.

Der heutige Leiter der LZO-Filiale in Delmenhorst betreibt Sport nur noch hobbymäßig. „Es kommt aber schon vor, dass Leute von damals in die Filiale kommen und mich am Namen erkennen“, gibt er lachend zu. „Dann werde ich vor allem auf die schweißtreibenden Trainingseinheiten auf den Treppen in der Graft angesprochen.“