Ein Angebot der NOZ

dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 25 Jahren: Jahn Delmenhorst steigt in Bundesliga auf

Von Vera Benner, Vera Benner | 27.05.2017, 10:49 Uhr

Vor 25 Jahren erreichten die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst das Ziel ihrer Träume: Sie waren in einer spannenden Aufstiegsrunde Zweiter geworden und damit in die Bundesliga aufgestiegen.

„Delmenhorst ist Bundesligastadt“: Das war die Schlagzeile des Kreisblatts am 29. Juli 1992. Sie dokumentierte, dass für die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst, aber auch für die ganze Stadt ein Traum in Erfüllung gegangen war. Nach einem 2:1-Sieg beim STV Lövenich im letzten Spiel der Aufstiegsrunde zur 1. Liga war das Fußballwunder perfekt.

Unglücklicher Start, stetige Steigerung

Die Mannschaft des TV Jahn Delmenhorst, die als Oberliga-Meister in die Aufstiegsrunde eingezogen war, hatte aus dem Weg in die Erstklassigkeit einen dramatischen Krimi mit Happyend gemacht. Sie war mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Lövenich ziemlich unglücklich in die insgesamt sechs Partien lange Aufstiegsrunde gestartet. Auf ein 1:1 gegen den FC Rumeln folgten dann gegen Turbine Potsdam die ersten Erfolge: Ein 3:1 im Hinspiel und ein 6:0 im Rückspiel gegen den damaligen Nordost-Meister brachte die Delmenhorsterinnen in eine komfortable Lage.

Persönliches Highlight im ersten Spiel

„Der Aufstieg war schon unser Ziel, großer Druck wurde uns aber nicht gemacht“, erinnert sich Jahns damaliges „Laufwunder“ Edeltraud Horstmann. Die Jahn-Spielerinnen betrieben Fußball als Hobby, Geld gab es für die Einsätze nicht. „Wir haben meistens dreimal in der Woche trainiert“, erzählt die Leistungsträgerin. „Es war nicht immer ganz einfach, alles unter einen Hut zu bekommen.“ Besonders in Erinnerung blieb Edeltraud Horstmann ihr zwischenzeitliches 1:1 im ersten Spiel der Aufstiegsrunde gegen Lövenich. „Das war schon ein ganz besonderes Highlight. Ich habe ja nicht so oft Tore geschossen.“

Die Fans waren stets dabei

In jeder der sechs Begegnungen wurde die Mannschaft von Trainer Roland Eybe von vielen Anhängern begleitet. „Ob daheim oder auswärts, die Fans haben uns getragen“, sagt die heute 60-Jährige. Das Rückspiel gegen den FC Rumeln wurde zum bis dato „wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte“. Ein Sieg über den FC hätte bereits einen Spieltag vor Schluss der Runde den Aufstieg in die Bundesliga gebracht. Vor gut 850 Besuchern im Stadion an der Düsternortstraße war die Mannschaft besonders gewillt, eine gute Leistung zu zeigen. „Wir sind sehr motiviert in das Spiel gegangen. Auch dank der vielen Zuschauer“, erzählt Horstmann, die heute sehr erfolgreich für den Huder TV Tennis spielt. „Der Adrenalinspiegel ist schon stark angestiegen. Wir wussten ja, um was es geht und waren sicherlich alle nervös.“

Horstmanns Zeitstrafe als Knackpunkt

Der TVJ startete vielversprechend und dominierte den FCR in der ersten Halbzeit. Folgerichtig gingen die Gastgeberinnen mit einer 1:0-Führung, erzielt durch ihre Topstürmerin Anja Bresch, in die Pause. „Wir waren sehr froh, jemanden wie Anja im Team zu haben“, lobte Horstmann, die sich in der 44. Spielminute eine Zeitstrafe einfing. Diese Szene galt als „Anfang vom Ende“, denn Horstmann hatte ihre Gegnerin, die Nationalspielerin Maren Meinert, bis dahin prächtig im Griff gehabt. „Wahrscheinlich hat die Strafe mich selbst am meisten geärgert. Aber gegen eine Spielerin wie Maren Meinert lässt sich das nicht immer vermeiden.“

Rumeln braucht nur dreizehn Minuten

Die Abwehr wirkte nach dem Ausscheiden von Horstmann verunsichert, bekam in der zweiten Hälfte keinen Zugriff auf das Spielgeschehen. Innerhalb von nur 13 Minuten drehten die Gäste aus Duisburg das Spiel und plötzlich stand es 1:3 aus Sicht der Delmenhorsterinnen. Zwar gelang Bresch noch der Anschlusstreffer, doch das Wunder von Delmenhorst blieb aus.

In Delmenhorst weht die rauhe Luft der Fußball-Bundesliga

Die Entscheidung war damit auf den letzten Spieltag vertagt worden. Delmenhorst brauchte einen Sieg beim Spitzenreiter aus Lövenich. Jahn-Torjägerin Bresch egalisierte noch vor der Pause die Führung der Gastgeberinnen. Zwölf Minuten vor Schluss verwandelte die Delmenhorsterin Iris Oltmanns dann einen Foulelfmeter zum 2:1-Endstand. Nach dem Abpfiff gab es für Spielerinnen, das Trainerteam und die Zuschauer kein Halten mehr. „Zuerst sind einige Tränen geflossen, aber dann auch reichlich Sekt“, erinnert sich Horstmann. In Delmenhorst wehte ab August 1992 endlich die raue Luft der Fußball-Bundesliga.