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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 25 Jahren: Jörg Berneisch wird Deutscher Meister im Moto-Cross

Von Vera Benner, Vera Benner | 15.10.2016, 14:25 Uhr

Vor 25 Jahren feierte Motorsportler Jörg Berneisch seinen bis dato größten Erfolg. Der talentierte Fahrer des MSV Nordhorn gewinnt in Bornheim bei Köln den deutschen Meistertitel bei den Amateuren und ist dem Sprung zu den Profis ganz nah.

Die Motorsportsaison im Jahre 1991 war für den Delmenhorster Jörg Berneisch etwas ganz Besonderes – und sie wurde mit dem bis dato größten Erfolg in der Karriere des damals 18-Jährigen e gekrönt. Nach zwölf Rennen in der 125-ccm-Klasse setzte sich Fahrer des MSV Nordhorn gegen mehr als 300 Konkurrenten durch und wurde Deutscher Meister im Moto-Cross.

Das alles entscheidende Rennen fand in Bornheim bei Köln statt. „Meistens haben wir das ganze Wochenende am Rennort verbracht“, erinnert sich Jörg Berneisch. Auch dieses Mal reisten Berneisch und seine Begleiter am Freitag an, um sich optimal auf das Rennen am Sonntag vorzubereiten. „Die Rennen waren auch damals schon ein relativ großes Ereignis“, sagt der Delmenhorster. „Da konnte man schon mit rund 5000 Zuschauern rechnen.“ Von der tollen Atmosphäre haben die Motorsportler meist wenig mitbekommen, da diese durch den Helm und die Konzentration auf den Start in den Hintergrund rückte. Auch während des Rennens bekamen sie eher wenig von den Anfeuerungen mit. „Wenn man aber mit einem beruhigenden Abstand zu seinem Hintermann auf der Zielgeraden ankommt, dann genießt man den Jubel und die Freude der Zuschauer auf jeden Fall“, erklärt Berneisch.

Erfolg auf einer Honda

1991 bestand die Konkurrenz in Bornheim aus insgesamt 35 Motorradfahrern, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Am Ende fuhr Berneisch auf einer Honda in der Klasse 125 ccm zum Sieg. Mit 240 Punkten ließ er seinem Hauptkonkurrenten und späteren Vizemeister Dirk Wosnitzka keine Chance (222 Punkte). Auch wenn es zwischenzeitlich noch einmal knapp zu werden schien, hatte Jörg Berneisch die Situation zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle. Zunächst gab es den Siegerpokal, die große Ehrung fand dann im Dezember 1991 statt.

Nach seinem großen Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft in Bornheim wechselte Berneisch vom deutschen Amateur-Motocross-Verband zum Lager der obersten Motorsport-Kommission. Dies war der letzte Schritt vor der Teilnahme bei den Profis. Auch hier war der Delmenhorster schnell erfolgreich.

Neue Erfahrungen gegen internationale Konkurrenz

Weil Berneisch die damalige A-Lizenz erwarb, wurde dem Sportler die Teilnahme bei den Profis gewährt. „Vom Aufwand her kann man die letzte Stufe bei den Amateuren und die Teilnahme bei den Profis schon vergleichen“, merkt Berneisch an. „Aber die Rennen in den großen Hallen waren bei den Profis natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer.“

Dort startete er vor mindestens 10.000 Zuschauern. Anders als bei den Amateuren war die Konkurrenz natürlich besser – und vor allem international. So stand er bei dem Start neben Gegnern aus den großen europäischen Nationen oder auch neben Konkurrenten aus Neuseeland. „Es war eine super Sache, das erleben zu dürfen“, sagt er.

Neben seiner großen Leidenschaft Motorsport diente Berneisch damals der Bundeswehr. Durch den Standort in Delmenhorst lag der Trainingsplatz direkt hinter seiner Haustür. „Natürlich wäre auch die Sportkompanie der Bundeswehr eine Option gewesen“, erklärt er. „Dadurch, dass der Standort in Delmenhorst aber optimal war und ich schnell zum Trainingsort kam, habe ich mich entschieden, hier zu bleiben.“

Viel Kraft- und Ausdauertraining

Der Erfolg setzte einen großen Trainingsfleiß voraus. Für Berneisch bestand die Woche aus sieben Tagen Training. Dieses Training fiel immer sehr unterschiedlich aus. „Das Motorrad fahren ist zwar wichtig, aber man muss ständig an seiner Technik und der Ausdauer feilen“, sagt er. So saß er drei bis viermal die Woche auf dem Motorrad und verbrachte die anderen Tage im Fitnessstudio oder im Schwimmbad. „Das Hauptaugenmerk lag auf dem Kraft- und Ausdauertraining. Für das Training im Fitnessstudio wurde mir ein spezieller Plan erstellt, an den ich mich halten musste“, erzählt der Delmenhorster.

Im Jahre 1995 entschied sich der damals 22-jährige Maschinenbau-Mechaniker dann dafür, sich auf den Job zu konzentrieren. Die Entscheidung setzte er sofort in die Tat um und zog sich von einem auf den anderen Tag aus dem Motorsport zurück. „Ich habe mit dem Sport zwar Geld verdient. Das war aber eher ein Nebenverdienst, von dem man allein nicht leben konnte“, sagt Berneisch, der heute Inhaber einer Stahl- und Sondermaschinenbaufirma ist. „Als ich gemerkt habe, dass meine Fitness ein wenig verloren ging, musste ich auch an mich denken. In dem Sport muss man zu 100 Prozent fit sein, sonst kann es sehr schnell sehr weh tun.“