Ein Angebot der NOZ

dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 35 Jahren: Ganderkeseer Torwart erst belächelt, dann gefeiert

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 09.07.2016, 14:12 Uhr

Ende Juni 1981 wird Hans-Jürgen Neumann, Torwart des TSV Ganderkesee, im Pokalendspiel gegen den VfL Stenum zunächst ausgelacht und später zum Helden. 35 Jahre später blicken Beteiligte im Gespräch mit dem dk mit gemischten Gefühlen zurück.

Es gibt kaum eine Position im Fußball, die so viel Raum für Diskussionen lässt wie die des Torhüters. Durch spektakuläre Paraden kann der Schlussmann 90 Minuten zur unüberwindbaren Hürde werden, um dann in der Nachspielzeit nach einem Patzer doch noch der Pechvogel des Tages zu sein. Nicht grundlos sagte schon Tim Wiese zu seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim: „Als Torwart spielst du ja immer auf einem Grat. Zwischen Volldepp und Superheld. Du kannst da der Held sein oder der Arsch.“

Vom Buhmann zum Pokalhelden

Wie glücklich es manchmal laufen kann, zeigte unsere Berichterstattung vom 29. Juni 1981. Damals titelte das dk: „Ganderkeseer Schlussmann wurde zunächst ausgelacht, aber dann: Torwart Neumann ‚Held des Tages‘“. Gemeint war Hans-Jürgen Neumann, den aber auf und neben dem Platz jeder nur „Fetz“ nannte.

In einer denkwürdigen Partie bezwang er als Torhüter des TSV Ganderkesee mit seinem Team die Elf des VfL Stenum im Kreispokalfinale mit 8:7 nach Elfmeterschießen, nachdem es 2:2 zum Ende der regulären Spielzeit und 4:4 nach der Verlängerung gestanden hatte. Machte er zu Beginn des Spiels noch eine unglückliche Figur, war es ausgerechnet Neumann, der in einem dramatischen Pokalkrimi zum Elfmeter-Töter avancierte und von seinen Mannschaftskameraden als Mann des Tages umjubelt wurde.

 Weiterlesen: Vor 40 Jahren: RW Hürriyet Delmenhorst wird gegründet

Torhüter macht Spiel seines Lebens

„Es war das Spiel seines Lebens“, erinnert sich heute Hartmut Gerke, einer von Neumanns damaligen Mitspielern. Während der regulären Spielzeit zog der etwas korpulente Schlussmann nach mindestens einem Torwartfehler als Unsicherheitsfaktor noch das Gelächter der 300 Zuschauer auf sich. Beim Stand von 4:4 rettete Neumann seine Elf dann aber zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung mit einem gehaltenen Strafstoß ins Elfmeterschießen. Dort entschärfte der Keeper zwei weitere Schüsse, um den 8:7-Sieg nach Elfmeterschießen für die Mannen des TSV Ganderkesee perfekt zu machen.

Gerke glänzt mit drei Treffern

„Nach der sensationellen Leistung hatte er es verdient, dass wir ihn feiernd vom Platz tragen – auch wenn das für uns nicht gerade leicht war“, scherzt Gerke 35 Jahre nach dem Pokaltriumph angesichts des stabilen Körperbaus des Torhüters. Neben Neumann war Gerke der Ganderkeseer Schlüssel zum Erfolg. In der regulären Spielzeit glich er zunächst die Führung des VfL aus, ehe er in der Verlängerung mit zwei weiteren Treffern seine Mannschaft am Leben hielt. Und auch im entscheidenden Elfmeterschießen blieb er cool und netzte ein. „Gegen die alten Haudegen aus Stenum waren es immer heiße und brisante Duelle. Dort den Titel zu gewinnen, war ein besonderer Erfolg“, resümiert Gerke.

 Weiterlesen: Vor 25 Jahren: Edeltraud Horstmanns Karriereende

Stenumer zeigen sich als faire Verlierer

Weniger begeistert blicken Werner Bruns, heutiger Jugendleiter des VfL Stenum , und Klaus Panzram, momentan Stenumer Fußballobmann, auf die Begegnung zurück. „An das Spiel habe ich kaum noch Erinnerungen. Aber eines weiß ich ganz sicher: Mein Elfmeter war schwach getreten – vom Schützen links, etwas zu mittig und vor allem halbhoch“, beschreibt Bruns seinen Fehlschuss vom Elfmeterpunkt. Auch Panzram, der damals als Torwart trotz einer starken Leistung die Niederlage seiner Mannschaft nicht verhindern konnte, hat nur noch lose Erinnerungen an die Pokalpleite: „Als Elfmeter-Killer war Fetz sicherlich nicht bekannt. Er wuchs an diesem Tag aber über sich hinaus und hat sich den Erfolg verdient.“

Angsteinflößender Körperbau

Das findet auch Hartmut Gerke, der die Stärken und Schwächen von „Fetz“ Neumann, auf den Punkt bringt: „Flache Bälle mochte er nicht besonders gerne. Im Strafraum wurde er aber aufgrund seiner Masse respektiert und vor allem bei Flanken von den gegnerischen Stürmern gefürchtet.“