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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 40 Jahren: RW Hürriyet Delmenhorst wird gegründet

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 25.06.2016, 15:27 Uhr

1976 gründet der ehemalige Profi Özer Akman den Fußballverein Rot-Weiß Hürriyet 40 Jahre später blickt der Ehrenspielführer auf Höhen und Tiefen zurück und erklärt: „Harmonie ist wichtiger als jeder Sieg oder Niederlage.“

Özer Akman redete vor exakt 40 Jahren nicht um den heißen Brei herum. „Viele unserer Jugendlichen sind arbeitslos und verbringen ihre Zeit mit Karten- oder Glücksspielen und schlechten Gewohnheiten. Wir wollen diese freien Leute von der Straße wegholen und ihnen eine Abwechslung verschaffen.“ Mit diesen Worten rief Ex-Fußball-Profi Akman im Sommer 1976, den Sportverein RW Hürriyet ins Leben. (Weiterlesen: Vor 25 Jahren beendet Edeltraud Horstmann ihre Karriere)

Gemeinschaft und Zusammenhalt fördern

Als einer der ersten Vereine mit Migrationshintergrund in Norddeutschland überhaupt schlossen sich auf Anhieb 120 Mitglieder zusammen, um die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der türkischstämmigen Bürger, die größtenteils als Gastarbeiter-Familien aus der Türkei in die Delmestadt kamen, zu fördern.

Ex-Profi führt Mannschaft an

Angeführt von Akman, der in der A-Jugend bei Fenerbahçe Istanbul und danach jahrelang als Profi in der ersten türkischen Liga für Ankara Demirspor und Altinordu auflief, sorgte die erste Herrenmannschaft von Hürriyet gleich in den ersten Spielzeiten für Furore – und jede Menge negative Schlagzeilen.

Zwischen Erfolgen und Skandalen

Kantersiege, Aufstiege und eine riesige Zuschauerkulisse auf der eine Seite standen Provokationen, Rote Karten, Schlägereien Spielabbrüche und Geldstrafen auf der anderen Seite gegenüber. Gerade in der Anfangszeit sei der Verein mit vielen Vorurteilen bedacht gewesen, von Zuschauern und anderen Mannschaften nicht respektiert worden und Spieler seien übel beschimpft worden, erinnert sich Akman nur ungern zurück. Gleichzeitig räumt er ein, dass auch seine Mitstreiter und er viele Fehler gemacht haben: „Sobald wir uns ungerecht behandelt fühlten, schlug unser Verhalten in Aggressionen um. Wir haben ein schreckliches Bild abgegeben.“

RW Hürriyet hat soziale Funktion

Im Laufe der Zeit sei der Verein jedoch ruhiger geworden, beteuert Akman – wohlwissend, dass Hürriyet für weitaus mehr als den Fußballsport steht: „Unser Ziel ist es, Menschen und Kulturen zusammenzuführen. Wir haben eine soziale Funktion und wollen zur gelungenen Integration beitragen.“

Vernünftiger Auftritt ist wichtiger als Sieg oder Niederlage

Auch wenn der Verein an die Erfolge vergangener Tage wie den Kreispokalsieg 1988, den Bezirksligaaufstieg 2008 oder die beiden Titel bei den Hallenstadtmeisterschaften 2007 und 2009 längst nicht mehr anknüpfen kann und sich nach dem Abstieg aus der Kreisliga zur neuen Saison in der 1. Kreisklasse wiederfindet, weiß der 76-Jährige, was wirklich zählt: „Die Liga ist für mich nebensächlich. Entscheidend ist, dass wir uns als Verein vernünftig präsentieren und keine negativen Schlagzeilen mehr produzieren.“

Ehrenspielführer berät Vorstand auch heute noch

Noch heute steht Akman dem Verein, der ihn aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenspielführer ernannte, beratend zur Seite. „Mein Herz wird immer für Hürriyet schlagen. Ich stehe immer im Kontakt zum Vorstand und helfe gern bei Schwierigkeiten“, sagt der Fußballfachmann.

Zuversicht statt Sorgen

Obwohl von den drei Herrenmannschaften und zwei Jugendteams, die RW Hürriyet unter der Regie von Akman zwischenzeitlich stellte, nur noch eine Herrenmannschaft übrig ist, macht sich die Vereinsikone keinerlei Sorgen um seinen Klub. „Im Gegenteil, denn mit Mete Döner haben wir einen Trainer in unseren Reihen, der sehr gute Arbeit leistet und die Mannschaft hervorragend führt“, so Akman. Deshalb werde der Erfolg auch über kurz oder lang zurückkehren, ist sich der Delmenhorster sicher.

Party zum Jubiläum angekündigt

Mit welchen Aktionen der Verein sein 40-jähriges Bestehen in den nächsten Wochen feiern wird, ist noch nicht ganz klar. Fest steht laut Akman nur eines: „Wir werden das Jubiläum mit einer großen Feier gebührend zelebrieren.“