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dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 50 Jahren: Eisenbahner gründen BSG Delmenhorst

Von Elisabeth Wontorra | 18.10.2015, 11:44 Uhr

Am 1. September 1965 wurde die BSG Bundesbahn Delmenhorst als reiner Fußballverein von vier Eisenbahnern gegründet, die sich mit dem Eisenbahn-Sportverband Blau-Weiß Bremen zusammen schlossen.

Der Eisenbahn-Sportverband Blau-Weiß Bremen (ESV) lebt, wie andere Vereine, von Mitgliedsbeiträgen und Zuschüssen. Bleiben Letztere aus, so müssen sie sich auflösen. Dieses Schicksal drohte dem ESV 1965. Um Zuschüsse von der Bahn zu bekommen, hätten 50 Prozent der Mitglieder Eisenbahner sein müssen. Diese konnten die Bremer aber nicht vorweisen. So suchte der damalige zweite Vorsitzende Werner Rosenbusch die Delmenhorster Eisenbahner auf und fand in Klaus-Dieter Böttcher, Johannes Ahlers, Theodor Kipper und Hans-Joachim Müller Hilfe.

„Wir gründeten am 1. September 1965 die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Bundesbahn Delmenhorst als reine Fußballgruppe“, erzählt Gründungsmitglied Böttcher, „Wir waren 30 Betriebs-/Freizeitfußballer aus den Delmenhorster Bundesbahn-Dienststellen.“ Diese waren das Betriebswerk, der Bahnhof, die Bahnmeisterei und die Güterabfertigung mit der Fahrkartenausgabe und der Gepäck/Expressgutabfertigung. Böttcher ist seit 1967 Vorsitzender der BSG, die seit 1994 SG Deutsche Bahn Delmenhorst heißt. Aktuell beträgt die Mitgliederzahl mehr als 120, davon sind viele allerdings passiv. Die Zuschüsse der Bahn fließen auch nicht mehr, obwohl noch immer 75 bis 80 Prozent der Mitglieder Eisenbahner sind.

Vom Fußball-Laien zum Fußball-Fachmann

Es war ein langer Weg für die BSG. War diese erst als reine Fußballgruppe gegründet worden, so bauten sich nach und nach neue Abteilungen auf. So kam 1970 Handball, 1978 Kegeln und Tischtennis, 1982 Bowling (das Böttcher selbst gegründet hat) 1985 Skat, 1993 Badminton und 2014 Dart hinzu. „Dart spielen kann jeder", erklärt Böttcher mit Blick auf die schwindenden aktiven Mitglieder. Denn immer weniger Eisenbahner haben Zeit für solche Aktivitäten neben der Arbeit.

Das war früher anders. Nach der Gründung der Betriebssportgemeinschaft kam Böttcher auch ernsthafter mit dem Fußball in Berührung, genau wie viele andere seiner Kollegen. Sich selbst bezeichnete er damals als Fußball-Laie. Doch er gewann mehr und mehr an Erfahrung, genau wie die restlichen Mitglieder. Das taten sie vor allem in Freundschaftsspielen, die bis 1967 gegen Behörden und Betriebe ausgetragen worden, ehe im Jahr darauf an Punktspielen des Betriebssportverbandes Delmenhorst teilgenommen wurde – nachdem Böttcher ein Turnier organisiert hatte, dass gut angekommen war.

„Meistens haben wir verloren", erinnert sich Böttcher. Aber das machte ihm nicht viel aus. Es kam und kommt immer noch auf den Spaß an. Dennoch gab es damals eine Art Regel. „Es wurde gesagt: du, du und du, kommen zum Punktspiel. Und dann hatte man auch da zu sein", erzählt das BSG-Gründungsmitglied. Kam man nicht, „gab es einen Einlauf“. Den holte man sich nur einmal ab. „Dann hat man sich nicht mehr gewagt, nicht zu kommen", amüsiert sich der 73-Jährige noch heute. Gespielt wurde damals noch auf Großfeld, Kleinfeld und Halle.

BSG Delmenhorst gewinnt Fußballturnier – trotz Verbot

Klaus-Dieter Böttcher hat viel erlebt. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm das Fußballturnier 1975 bei der JVA in Dortmund. Dort traten auch Mannschaften anderer Länder an. „Wir durften da nicht gewinnen", erinnert er sich. "Wir wurden eingeladen und spielten gut. Dann kamen wir ins Finale und alle sahen uns komisch an." Dann wurde ihnen gesagt, dass sie nicht gewinnen durften. Deshalb spielte die BSG-Mannschaft schlechter – gewann trotzdem. „Die mussten sich dann irgendwas einfallen lassen", erzählt Böttcher und schmunzelt. Also wurde der Zweite zum Turniersieger ernannt – mit der Begründung, dass die Betriebssportgemeinschaft außer Konkurrenz mitgespielt habe. Anschließend gab es dann noch Essen, erinnert er sich: „Im Knast servierten uns die schweren Jungs dann das Essen."

Treffen mit Markus Merk und Uli Hoeneß

Es sind Erinnerungen, die immer noch frisch sind. Genauso wie die Treffen mit verschiedenen Persönlichkeiten. "Ich hab Leute durch den Verein getroffen, die ich sonst nie kennengelernt hätte", erzählt Böttcher. Unter anderem traf er Markus Merk und Uli Hoeneß. Mit dem ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter war er sofort per Du. Man "sei sich zufällig über den Weg gelaufen".

Per Du war er mit Uli Hoeneß nicht. Beim Opel-Super-Cup 2000 traf er den damaligen Manager des FC Bayern München, der "unbedingt mit mir auf ein Bild wollte". Das Bild wurde abgedruckt und Böttcher war kurz darauf in Bremen „verhasst“, wie der Delmenhorst schmunzelnd erzählt.

Oberbürgermeister Axel Jahnz gratuliert zum Jubiläum

Gerne erinnert sich Böttcher auch an das Treffen mit Axel Jahnz 2013. Damals benötigte Böttcher für ein Hallen-Turnier jemanden, der die Siegerehrung übernahm. Es meldete sich Jahnz, der zu dieser Zeit für das Amt des Oberbürgermeisters in Delmenhorst kandidierte. Beide Herren verstanden sich sofort gut. Jahnz versprach daraufhin im nächsten Jahr wiederzukommen, egal wie die Wahl ausfallen würde – und er tat es nach seiner Ernennung zum OB auch. Auch zum 50-jährigen Jubiläum ließ Jahnz es sich nicht nehmen vorbei zu kommen und zu gratulieren.

In den 50 Jahren hat die BSG viele Titel geholt, unter anderem wurde sie vier Mal Niedersachsenmeister. Daran erinnert sich Böttcher gerne: „Wir haben alles weggehauen. Dadurch wurden wir zur Deutschen Meisterschaft zugelassen. Aber das ist leider nichts geworden. Das wäre was gewesen."

Inzwischen gibt es die Sportarten Handball, Tischtennis und Badminton bei der SG nicht mehr. Denn die Mitglieder blieben aus. Damit fehlten auch die Mitgliedsbeiträge, weshalb die Mieten für die Trainingsorte zu teuer wurden. Die Hallen, die jetzt genutzt werden, stellen Betriebssportverbände zur Verfügung, sonst wäre das Fußballspielen bei der SG, laut Böttcher, auch nicht mehr möglich.

Der letzte Höhepunkt der Fußballer war im Februar 2013 die Teilnahme bei den Betriebssportmeisterschaften in Dillingen (Saarland), wo die Delmenhorster den fünften Platz erreichten. Allerdings war dieses Turnier mit der Anreise zu weiteren Ausgaben zu kostspielig, weswegen Böttcher sich dazu entschied, an solchen Turnieren nicht mehr teilzunehmen.

Böttcher ist immer noch aktiv

Heute treibt Böttcher aktiven Sport nur noch im Dart. Mal sei er besser, mal schlechter, aber es mache ihm Spaß. Allerdings organisiert der 73-Jährige im Verein noch immer alles. Er ist nach wie vor Vorsitzender, auch bei Blau-Weiß Bremen hat er seine Finger im Spiel.

Dort ist er ebenfalls Vorsitzender, denn der BWB braucht die Hilfe des Verbandes, unter anderem beim Schieß-Sport. Dort sind nur noch 30 Prozent der Vereinsmitglieder Eisenbahner. Da diese in einem Schießstand der ehemaligen Reichsbahn trainieren, würde die Bahn Miete verlangen, wenn sie die Hilfe von Böttcher und dessen Verein nicht hätten. Daher wird Böttcher seinen dortigen Posten auch so schnell nicht aufgeben.

Wann er sich bei seinem eigenen Verein zur Ruhe setzt, weiß er nicht. Im Dezember sind erst einmal noch drei Hallenturniere geplant. Aber alleine mache er das nicht mehr. "Früher war man alleine, heute benötigt man sechs Leute für so ein Turnier. Vielleicht mach ich nach diesen dann Schluss", überlegt er. Aber den letzten Satz hat er schon oft gesagt.