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Dramatisches 1:1 in Lohne SV Atlas kassiert Ausgleich in der 88. Minute

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 21.05.2017, 19:22 Uhr

Die Landesliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst standen im Schlüsselspiel bei Blau-Weiß Lohne kurz vor dem Sieg, doch Lohne kommt spät zurück. Nach dem 1:1 (1:0) ist der SVA im Rennen um Meisterschaft und Oberliga-Aufstieg auf Schützenhilfe angewiesen.

David Lohmann schüttelte den Kopf, Dennis Janssen starrte ins Leere, ihre Mitspieler fielen direkt nach dem Schlusspfiff fast in Schockstarre auf den Boden. Als Schiedsrichter Christian Scheper (SV Emstek) am Sonntagnachmittag um 16.57 Uhr das hochklassige und hochdramatische Landesliga-Gipfeltreffen zwischen den Fußballern von BW Lohne und dem SV Atlas Delmenhorst vor 3000 Zuschauern im Heinz-Dettmer-Stadion beendet hatte, herrschte bei Spielern, Trainern und Betreuern des SVA gähnende Leere.

Bis kurz vor Schluss hatten die Blau-Gelben im Duell zwischen dem Zweiten und dem Ersten durch ein Tor von Lars Scholz (7.) mit 1:0 geführt, doch dann traf Julius Liegmann (88.) noch zum 1:1 (0:1)-Endstand. Der obligatorische Gang zu den Fans war für die Atlas-Spieler nicht leicht, die Köpfe blieben unten, viele wollten nach dem Abpfiff nur alleine sein.

Torwart David Lohmann musste derweil ins Krankenhaus und dort noch zwei Tage bleiben: Bei einem harten Zusammenprall mit Liegmann (89.) zog er sich – wie schon beim 0:2 gegen den SC Melle – erneut eine Gehirnerschütterung zu. Die Saison ist für Lohmann beendet.

Auch Atlas-Trainer Jürgen Hahn fiel die Spielanalyse sichtlich schwer. „Der Zeitpunkt des Gegentreffers ist absolut bitter“, sagte er. „Die Mannschaft hat toll gekämpft und alles gegeben. Wenn es Gerechtigkeit geben würde, wären wir hier heute als Sieger vom Platz gegangen.“

SV Atlas braucht Schützenhilfe

Es gab auch bei ihm kein Vertun: Das bittere Unentschieden fühlte sich wie eine Niederlage an, obwohl der SVA weiter Tabellenführer ist. Aber: BW Lohne hat nun die eindeutig besten Karten. Mit Siegen im Nachholspiel am Mittwoch (19.15 Uhr) beim TuS Pewum und am kommenden Sonntag, 28. Mai (15 Uhr), beim SV Bad Rothenfelde wäre Lohne der Aufstieg nicht mehr zu nehmen. Theoretische Chancen auf Rang eins hat auch weiterhin der Tabellendritte SC Melle, der am Sonntag 2:2 beim VfL Wildeshausen spielte. 

Als endgültigen Knock-out im Titelrennen wollte Hahn das 1:1 indes nicht bewerten. Das machte er auch bei seiner Ansage im Mannschaftskreis hörbar deutlich: „Wir haben noch nichts verloren. Lohne hat jetzt den Druck.“ Und gegenüber den Presservertretern sagte Hahn: „Bad Rothenfelde hat Qualität. Das Spiel ist für sie nach den schwachen Leistungen auch eine Frage der Ehre.“

Lohnes Trainer Thomas Schmunkamp war nach Spielende derweil „super zufrieden, auch wenn wir heute nicht das Maximum geholt haben“. Er fand: „Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir uns den Punkt redlich verdient. Wir haben nach dem Rückstand auch spielerische Lösungen gefunden.“

Ex-Lohner Lars Scholz bringt SV Atlas in Führung

Im Spitzenspiel kam Atlas glänzend aus den Startlöchern. Eine Flanke von Patrick Degen verfehlte nach nur fünf Sekunden knapp das Lohner Tor. Dann strich ein Schuss des Ex-Lohners Lars Scholz vorbei (4.), ehe es nur wenige Minuten später tatsächlich 1:0 für die Gäste stand: Scholz zog im Strafraum von links nach innen, umkurvte zwei Gegenspieler und traf mit einem trockenen Rechtsschuss zur Führung (7.). Keine Frage: Atlas hatte in den ersten Minuten – trotz einer Lohner Halbchance für Dustin Beer (8.) – das Geschehen klar im Griff. Das spürten auch die laut Polizei rund 1000 Atlas-Anhänger unter den Zuschauern.

Hahn hatte seine Mannschaft nach der schwachen Vorstellung vergangene Woche beim 0:2 in Melle mit der fast identischen Startformation aufs Feld geschickt. Einzige Ausnahme: Für Florian Knipping verteidigte Hanno Hartmann innen. Taktisch stellte Hahn seine vier Offensivkräfte aber etwas anders auf. Scholz machte auf seinem ungewohnten Posten als Mittelstürmer eine klasse Partie. Dafür rückte Dominik Entelmann hinter die Spitzen und Patrick Degen wechselte auf Linksaußen. Apropos links: Über diese Seite wurden viele Angriffe initiiert, weil Hahn die rechte Lohner Seite als Schwachstelle im BWL-Spiel ausgemacht hatte.

Eine Viertelstunde lang agierte Lohne nervös, wie auch Coach Schmunkamp einräumte („Das haben wir nicht gut gemacht“), danach gestalteten die Gastgeber das Spiel aber ausgeglichener. Lohne hatte eine Großchance durch Tim Wernke (26., Lattenkopfball) und zwei Schüsse von Florian Olberding (28.) und Kai Westerhoff (31.). Doch außer diesen drei Möglichkeiten musste Atlas keine weiteren bangen Momente überstehen – weil die gesamte Abwehr plus defensivem Mittelfeld sehr aufmerksam verteidigte. Delmenhorst war in Hälfte eins griffig, zweikampfstark, höchst konzentriert, einfach die bessere Mannschaft. Einziges Manko war die Verwertung der Möglichkeiten. Denn Entelmann per Doppelchance (22.), Karli (23./33.) und Kevin Radke (36.) hätten die knappe Führung ausbauen können, vielleicht sogar müssen.

SV Atlas fehlt in der Schlussphase die Entlastung

Nach der Pause nahm der Liga-Hit noch mehr an Fahrt auf. Die Partie bot Tempo und Technik, packende Zweikämpfe und viele Strafraufszenen, Rasse und Klasse. Kurzum: Das Spitzenspiel hatte seinen Namen redlich verdient. Nach Lohner Chancen für Beer (47.) und Jakub Bürkle (51.) vergaben die Atlas-Angreifer Degen (55.), Karli (60., schießt selber anstatt den freistehenden Entelmann zu bedienen) und Scholz (61.) drei ordentliche Möglichkeiten.

Doch nach den Auswechslungen der völlig ausgepowerten Scholz (62.) und Entelmann (69.) fehlte Atlas in der Schlussphase die Entlastung in der Offensive. „Wir haben hinten nachher nichts mehr zugelassen und insgesamt eine tolle Moral bewiesen“, fand Schmunkamp. Lohne drückte und drängte, die Atlas-Abwehr hielt zunächst sehr gut dagegen. Glück hatte der SVA, dass ein Abstaubertor von Frank Placke wegen Abseits nicht zählte (70.).

In der Schlussphase schnürte Lohne die Gäste dann fast nur noch hinten ein. „Lohne hat in der Offensive einfach eine ungeheure Qualität“, beantwortete Hahn die Frage, ob Atlas sich nicht zu sehr in die Defensive drängen ließ. So kam es, wie es sich schließlich angedeutet hatte: Nach weiteren Möglichkeiten für Beer (84., Freistoß/85.) verlor Atlas in der Vorwärtsbewegung den Ball. Dieser landete links bei Bürkle, der sich stark auf der Außenbahn durchsetzte, nach innen passte, wo Liegmann aus sechs Metern zum 1:1 einschob (88.). „Das Gegentor war nicht zu verteidigen“, fand Hahn. „Es war auch nicht unverdient.“

Atlas versuchte danach die Brechstange rauszuholen, doch die Akkus waren einfach leer. Der Schiedsrichter pfiff ab, Lohne jubelte, Atlas sank zu Boden.