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„Ehrenamt überrascht“ Landessportbund ehrt stille Helden im VfL Stenum und RV Adelheide

Von Sebastian Hanke | 14.12.2018, 14:26 Uhr

Der Landessportbund Niedersachsen hat zwei ehrenamtliche Mitarbeiter für ihr großes Engagement ausgezeichnet: Jessica Breuer vom VfL Stenum und Michael Steineker vom RV Adelheide. Ihre Vereine hatten sie in der Aktion „Ehrenamt überrascht“ nominiert.

Einfach einmal danke sagen. Jessica Breuer vom VfL Stenum und Markus Steineker vom RV Adelheide leisten in ihren Vereinen schon lange wertvolle ehrenamtliche Arbeit. Dieses Engagement wollten die Verantwortlichen der beiden Clubs und die Sportler, die von ihnen betreut werden, würdigen. Da kam die Aktion des Landessportbunds (LSB) „Ehrenamt überrascht“ gerade recht. Und sie wurde ihrem Namen gerecht, denn die Fußball-Trainerin und der Betreuer der Kunstradfahrer hatten von ihren Auszeichnungen zu „Vereinshelden“, die Inga Marbarch, Sportreferentin der Sportregion Oldenburg-Land/Delmenhorst übernahm, tatsächlich nichts geahnt. Die Region kooperiert in der Aktion mit dem LSB.

Die 41-jährige Jessica Breuer war wie an jedem Samstagvormittag im Winter in der Halle des VfL Stenum am Altengraben, um erst das Training der E- und dann das der A-Jugend zu leiten. Die Pause zwischen den Einheiten verlief dann allerdings ganz anders als sonst. Die kleinen Kicker gingen nicht, die großen waren schon komplett da. Und es kamen noch ein paar Gäste, die eine Fahne aufstellten. „Die Wahl auf sie war alternativlos“, erklärte der A- und B-Jugendkoordinator des VfL Stenum, Hergen Geerken. Marbach überreichte dann ein Überraschungspaket. Als „sehr emotional“ empfand Breuer, die im VfL 120 Kinder und Jugendliche betreut, diesen Moment, den „sie sich sehr verdient“ hat, wie Geerken anmerkte.

Jessica Breuer engagiert sich seit neun Jahren

Breuer, die in Jugendteams als Fußball-Torhüterin aktiv war, ist seit neun Jahren ehrenamtlich beim VfL Stenum tätig. Damals spielte ihr Sohn Jonas noch in der G-Jugend. Deren Trainer war ihr Mann. Breuer wollte ihn „ein bisschen unterstützen“. Im VfL wurden weitere Coaches gesucht. „Und so kam es dann dazu, dass es immer mehr wurde“, erklärt Breuer. Fünf Mannschaften, von der G- bis zur A-Jugend, betreut sie. Das sind dann schon mal schnell knapp zehn Stunden pro Woche, die an ehrenamtlicher Arbeit anfallen. „Im Sommer sind es noch viel mehr“, erzählte sie. Dabei gehe es nicht nur um Fußball, sondern manchmal auch um familiäre oder schulische Themen. „Die Trainer sind die Vorbilder der Kinder“, sagt Jessica Breuer.

Stütze für neue Jugendtrainer

Doch die Zahl dieser Vorbilder droht zu sinken, „wenn man nicht selbst gegensteuert“. Das erkannte Breuer – und steuerte gegen. Sie hat großen Anteil daran, dass es aktuell neun Jugendtrainer im VfL Stenum gibt, die selbst in Junioren-Mannschaften des Vereins spielen. Breuer erklärte: „Ich nehme ihnen die Schreibsachen und die Organisation ab, sodass sich die Jungs und Mädchen aufs Training konzentrieren können.“ Dieses Konzept funktioniert: „Im nächsten Sommer könnten zwei neue Jugendspieler als Trainer dazukommen.“

Seit knapp drei Jahren setzt sich Breuer zudem in der Arbeit mit Flüchtlingen ein. Sie kümmert sich um die vielen Formalien, die erledigt werden müssen, ehe diese Sport treiben können. Mittlerweile spielen einige Jungs beim VfL. „Leider aber noch kein Mädchen“, bedauerte Breuer.

Neben ihrer Tätigkeit beim VfL Stenum arbeitet Breuer halbtags in der Seniorenbetreuung. Da kann es dann schon einmal sein, dass sie in Kombination mit dem Fußball „bis spätabends“ unterwegs sei. Trotzdem schläft sie am Ende des Tages mit einem Lächeln ein. „Glück in den Augen der Kinder und Jugendlichen“, erzählte Breuer, das sei ihre Motivation, dieses Ehrenamt auszuführen. „Wir brauchen solche Leute wie Jessica Breuer, die den Sport vorantreiben. Und wir möchten eben die Leute in den Vordergrund stellen, die sonst im Hintergrund handeln“, erklärte Inga Marbach.

Markus Steineker vom RV Adelheide wird geehrt

Dazu gehört auch Markus Steineker, der während der Weihnachtsfeier des Radfahrer-Vereins Adelheide überrascht wurde. Der 48 Jahre alte Vater von vier Kindern wurde für seine ehrenamtliche Mitarbeit ebenfalls zum „Vereinshelden 2018“ gekürt – und auch er wusste davon vorher nichts.

„Ohne ihn wären wir manchmal wirklich aufgeschmissen gewesen“, stellte die RVA-Schriftführerin Heike Doig fest, die Steineker für diese Auszeichnung nominiert hatte. Steineker transportiert mehrmals im Jahr die Fahrräder der Sportlerinnen und Sportler. „Da wir keinen eigenen Bus haben, ist das immer wieder aufs Neue ein Problem“, erklärte Doig. Ihre Tochter Michelle Doig, die seit 2003 im Verein Kunst- und Einradfahren anbietet, erzählte zudem, dass Steineker es „immer wieder möglich“ mache, dass alle Kinder und Jugendlichen zu den Deutschen Meisterschaften oder anderen Turnieren quer durch Deutschland fahren können.

Markus Steineker möchte nicht in den Vordergrund rücken

Für Steineker ist dies „mehr als selbstverständlich“. Sein Sohn Joel ist seit mehr als fünf Jahren im Verein und wenn es niemanden geben würde, der die Fahrräder transportiert, könnten nur Teile der Mannschaft – oder sogar niemand – zu den Wettbewerben fahren. „Da wir ein großes Auto haben, war es bislang nie ein Problem für mich, die Fahrräder der anderen Sportler mitzunehmen.“ Fünf, manchmal auch sechs seien es, die Steineker in seinen Wagen verfrachte. Geld nimmt er nie. „Es ist zwar nicht meine Aufgabe, aber ich mache es gerne“, sagte Markus Steineker, der zugleich meinte, dass ganz andere Menschen beim RV Adelheide den Preis verdient hätten. „Die Trainer“, meinte Steineker, „das sind die wichtigen Ehrenämtler hier im Verein.“

„Der Einsatz aller Ehrenamtlichen ist wichtig, egal wann, egal wo“, erklärte Ingeborg Hübscher, stellvertretende Vorsitzende des Stadtsportbundes Delmenhorst, die Steineker den Preis überreichte: „Die Aktion ist eine tolle Sache und soll die Bedeutung der Arbeit, die geleistet wird, zum Ausdruck bringen.“