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„Eigenständigkeit behalten“ Fußball-Kreis bricht Gespräche über Kreis-Fusion ab

Von Frederik Böckmann | 16.06.2015, 23:27 Uhr

Die Fußballer des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst wollen ihre Eigenständigkeit behalten – und bleiben dennoch offen für Alternativen und Kooperationen außerhalb eines Großkreises.

Als am Montagabend um 20.22 Uhr das endgültige Nein des Fußball-Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst zum geplanten Großkreis besiegelt war, ergriff Ottmar Jöckel das Wort. Der Abteilungsleiter des VfL Wildeshausen stand auf und sprach ein paar bemerkenswerte Worte. Er bedanke sich beim geschäftsführenden Vorstand und dem Spielausschuss des Kreises dafür, „dass sie sich nicht haben vergewaltigen lassen von den Möchtegern-Entscheidungen aus Barsinghausen“ und kritisierte abermals vielsagend eine „Beeinflussung“ der NFV-Zentrale. Als Jöckel sich wieder setzte, honorierten die Vereinsvertreter seine kurze Rede mit Applaus. Jöckels Worte waren verbale Giftpfeile gegen NFV-Präsident Karl Rothmund, die diese eindeutige Botschaft transportierten: Der Fußball-Kreis ist stark aufgestellt – und lässt sich seine Entscheidungen nicht aus der NFV-Zentrale aus Barsinghausen diktieren.

Manfred Nolte kritisiert Eierei

Vor der Abstimmung über die geplante Fusion mit den Kreisen Ammerland, Oldenburg-Stadt, Wesermarsch, Wilhelmshaven und Friesland sowie Jöckels Worten hatten der kommissarische Vorsitzende Erich Meenken und der Spielausschuss-Vorsitzende Manfred Nolte die Position des Vorstandes deutlich gemacht. „Wir wollen den Großkreis nicht, sondern unsere Eigenständigkeit behalten“, sagte Meenken. Nolte meinte, beim Thema Großkreis solle „die Eierei endlich vorbei sein“. Nicht umsonst seien mit Wolfgang Mickelat (Ammerland) und Hartmut Heinen (Oldenburg-Land/Delmenhorst) zwei Kreisvorsitzende in den vergangenen Monaten – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – zurückgetreten.

Umdenken beim Kreisvorstand

Zur Erinnerung: So klar wie Meenken und Nolte hatte sich die Führungsriege des Kreisvorstandes in den vergangenen Monaten nicht positioniert, zumindest nicht öffentlich. Noch Anfang des Jahres hatte der damalige Kreischef Heinen in einem dk-Interview und auf einer Arbeitstagung öffentlich vehement für den Großkreis geworben, war dann zurückgerudert , um schließlich wenige Tage später doch eine Absichtserklärung zu unterschreiben. Beim Kreisvorstand habe in den vergangenen Monaten ein Umdenken stattgefunden, räumte Meenken ein.

Erich Meenken fehlen Strategien und Strukturen

Der Vorsitzende des Delmenhorster TB kritisierte vor allem das Tempo, mit dem der NFV den Zusammenschluss der Kreise forcieren wolle. Erst sei von einem Zusammenschluss zur Saison 2016 die Rede gewesen, dann von der Spielzeit 2017. Doch trotz der gewonnenen Zeit sei „nicht über Strukturen und Strategien“ nachgedacht worden. „Das ist für uns völlig unverständlich.“ Bei den Gesprächen über den möglichen Großkreis sei permanent „der zweite vor dem ersten Schritt“ gemacht worden. Auch das geplante Sportbüro im Ammerland mit hauptamtlichen Mitarbeitern und die möglichen weiten Fahrten für die Jugend in einem Großkreis kritisierte Meenken mit deutlichen Worten.

39 von 40 Vereinsvertretern stimmen gegen die Fusion

„Wir haben uns die Fragen gestellt: Ist jetzt die Zeit für einen Großkreis gekommen? Gibt es keine Alternative zu einer Fusion?“ Diese Fragen hätte der Kreisvorstand klar beantwortet: „Wir sind offen für andere Dinge, aber nicht für einen Großkreis“, sagte Meenken. Mit dieser Einschätzung traf er auch die Meinung der Klubs: Denn 39 der 40 anwesenden Vereinsvertreter – nur Hürriyet und Hicretspor fehlten – votierten bei einer Enthaltung gegen den Großkreis. Ein Ergebnis, das Ralf Geisler (Spielleiter im Kreis Ammerland) als Gast „freudestrahlend“ zur Kenntnis nahm. „Ich kann jedes Argument pro Fusion widerlegen“, sagte Geisler.

Sitzung des Bezirksbeirates abgesagt

Das Resultat der Abstimmung am Montagabend ist nun dieses: Der Kreisvorstand legt ab sofort alle Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss der Kreise auf Eis. „Das war’s“, sagte Meenken. Auch die geplante Sitzung des Bezirksbeirates am Samstag (20. Juni) wird kein Kreis-Vertreter besuchen.

Gespräche mit Cloppenburg und Vechta

Welches Vabanquespiel der Fußball-Kreis mit seinem Veto gegen eine Fusion betreiben könnte, ist Erich Meenken bewusst. Stichwort: Finanzierung durch den NFV. Daher bleibe der Kreis offen und bereit für Alternativen und Kooperationen, „wenn es erforderlich ist“, erklärte Meenken. „Wir werden uns da nicht verschließen.“ Dazu gehören auch Informationsgespräche mit den Kreisen Cloppenburg und Vechta, um mögliche Kooperationen zumindest auszuloten. Ein Wunsch, den die Südkreisvereine Wildeshausen und Ahlhorner SV schon lange hegen.