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Eine Ära geht zu Ende Hans Knese gibt den Vorsitz des VfL Stenum ab

Von Klaus Erdmann | 31.03.2016, 19:44 Uhr

Johannes Knese, den alle nur „Hans“ nennen, wird nicht erneut für das Amt des Vorsitzenden des VfL Stenum kandidieren. Er hatte es 27 Jahre lang inne, dem Vorstand gehörte er 42 Jahre lang an.

Am 8. April endet beim Verein für Leibesübungen (VfL) Stenum die Ära des Vorsitzenden Johannes Knese. Seit 42 Jahren gehört der Mann, den alle nur „Hans“ nennen, der Führungsetage des fast 69-jährigen Vereins an. 27 Jahre lang stand er an der Spitze des VfL, der heute 1756 Mitglieder aufweist. Am nächsten Freitag endet im Hotel Backenköhler die Ära eines – im wörtlichen und im übertragenen Sinne – Baumeisters, der den Bau der Halle Altengraben nennt, fragt man ihm nach dem Highlight seiner langen Amtszeit.

Den im emsländischen Holte-Lastrup geborenen Knese verschlägt es einst aus beruflichen Gründen in unsere Region. Nach einer Umschulung arbeitet der gelernte Landwirt als technischer Angestellter beim Bremer Raumfahrtunternehmen Erno. „Es war der Job meines Lebens“, schwärmt der 77-Jährige („Ich bin ein bisschen durch die Welt gekommen“). Mit 57 Jahren hört er auf zu arbeiten.

Seit 1966 im VfL

Das erweist sich als Glücksfall für die Stenumer Sportler, denn der Vereinschef schenkt dem VfL fortan viel Kraft und Zeit. Stellenbeschreibung: Vorsitzender, Ehrenamtler mit Fulltime-Job.

Nach einem Intermezzo in Bookholzberg findet Knese seine sportliche Heimat 1966 in Stenum. Er übernimmt diverse Aufgaben, als Trainer, Schiedsrichter, Platzwart. „Mit dem damaligen Vorsitzenden Helmut Weete habe ich Platzarbeiten verrichtet“, erinnert sich Knese. Weete holt ihn in den Vorstand.

Der Führungsetage des VfL gehört Knese von 1974 bis 1989 als stellvertretender Vorsitzender an. „Mein Bestreben war: Es muss weitergehen“, sagt der Gesprächspartner. Der Verein wächst (1976 begrüßt man das 500. Mitglied) und benötigt mehr als einen Fußballplatz. Die Folge: Die Anlage wächst ebenfalls. „Die Entwicklung ging immer weiter“, blickt Knese zurück. 1989 übernimmt er von Burghard Varenkamp das Amt des 1. Vorsitzenden.

Knese lobt Zusammenarbeit mit Gemeinde

Fragt man Knese nach dem Höhepunkt seiner langen Amtszeit, bleibt er die Antwort nicht lange schuldig: „Die Halle“. Gemeint ist die Halle Altengraben, die es, und das sagt er auch so, ohne ihn wohl nicht gegeben hätte. „13 Jahre habe ich um die Halle gekämpft. Ich bin stets drangeblieben“, betont er. Es hat sich gelohnt. Knese: „Es ist die erste Halle der Gemeinde Ganderkesee, die von einem Verein getragen wird, bei der es sich nicht um eine Schulsporthalle.“

Standort? Finanzierung? Es stellen sich viele Fragen. Um den Traum von der Halle zu verwirklichen, muss Knese, der in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ganderkesee und der seinerzeit von Jürgen Kolata geführten Turnerschaft Hoykenkamp – in Altengraben quasi der „Untermieter“ – lobt, bislang unbekannte Felder beackern. Er erreicht sein Ziel. Im Mai 2008 findet die Einweihung statt.

Halle lockt neue Mitglieder an

Es ist nicht zuletzt dem Schmuckstück Halle Altengraben geschuldet, dass sich dem Verein für Leibesübungen weitere Mitglieder anschließen. „Wir mussten das Vereinsheim erweitern“, sagt Knese, der Baumeister. 2012 erfolgt die Aufstockung („Und alles bei laufendem Betrieb“). Er überlegt einen Moment, sagt dann: „Ich hoffe, dass meine Nachfolger alles in Ehren halten und pflegen.“

Vor drei Jahren hat er seinen Abschied ins Auge gefasst, sagt er, und unterstreicht damit, dass das Ende der Ära nichts mit dem 1. Juli 2015 zu tun hat. Zu diesem Zeitpunkt ist er auf Baltrum, jener Ostfriesischen Insel, auf die es ihn immer wieder zieht. Wie aus heiterem Himmel erleidet er einen Schlaganfall. Zum Glück ist Ehefrau Margarete in der Nähe. Sie leitet schnell die notwendigen Maßnahmen ein. „Die Beweglichkeit ist etwas eingeschränkt, aber im Moment bin ich zufrieden“, sagt Knese. Seine Mitstreiter hätten beim VfL alles gut im Griff: „Ich habe nicht so viel um die Ohren. Sie halten vieles von mir fern.“

Angst vor dem berühmten „Loch“, das sich nach dem Abschied vom Vorsitz auftun könnte, hat er nicht. Es gibt genug zu tun. Im und am Haus. Langweilig wird es nicht.

Designierter Nachfolger des noch amtierenden Vereinschefs ist Dr. Ingo Scholz, zur Zeit zweiter Vorsitzender. Er folgt einem Mann, der große Fußspuren hinterlässt: Johannes Knese, den alle nur Hans nennen.