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Einer der besten Bremer Futsaler Dennis Janssen – für Atlas und Werder unverzichtbar

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 20.12.2016, 08:28 Uhr

Defensiv-Allrounder Dennis Janssen spielt nicht nur beim SV Atlas Delmenhorst in der Landesliga Fußball, sondern bei Werder Bremen auch erfolgreich Futsal. Mit den Grün-Weißen hat der 26-Jährige am Wochenende das Finale um den Norddeutschen Pokal verloren.

Am Tag nach dem Highlight seiner noch jungen Futsal-Karriere waren die Spuren eines kraftraubenden Endspiels bei Dennis Janssen noch deutlich hörbar. Denn der 26-Jährige klang ziemlich heiser. „Ich habe schon viel geschrien“, sagt Janssen und lacht. Die Sprache hatte es dem Bremer nicht verschlagen, der Frust über die Niederlage hatte sich mittlerweile gelegt und Janssen redete vielleicht nicht gerne, aber doch auskunftsfreudig über den vergangenen Sonntag.

Denn dort war Janssen nicht für den Landesligisten SV Atlas Delmenhorst aktiv, er hatte kein blau-gelbes Trikot an. Nein, Janssen lief in einem grün-weißen Jersey mit der Raute auf der Brust auf – und zwar für Werder Bremen im Endspiel um den Norddeutschen-Futsalpokal.

Dennis Janssen schon immer ein Hallenfußball-Fan

Denn was kaum jemand außerhalb des Umfeldes der ersten Mannschaft wusste: Janssen ist ein großer Futsal-Fan, er gehört zu den besten Spielern aus Bremen und kickt seit rund eineinhalb Jahren nach einer Anfrage eines Kumpels für die Grün-Weißen. „Ich fand Hallenfußball schon immer mega-cool“, erzählt Janssen. Als sich dann die Gelegenheit ergab, einmal die Woche (immer freitags) für Werder Futsal zu spielen, musste er „nicht lange überlegen“.

Mit dem SVW stand Janssen nun also am Sonntagnachmittag in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle in Bremen im Endspiel gegen die Hamburg Panthers und wollte „für Werder endlich mal wieder einen Titel holen“, wie Janssen schmunzelnd anmerkte. Daraus wurde zwar nichts. Denn der SV Werder – für den auch die vom TSV Ganderkesee bekannten Carrilho-Brüder Deniz und Manuel sowie Timur Nakip kicken – unterlag den Elbe-Kickern trotz einer 3:2-Führung zur Halbzeit nach hartem Kampf noch mit 3:6.

Dennis Janssen ist Antreiber und Abfangjäger in Personalunion

Die Niederlage gegen den haushohen Favoriten, der mehrmals Deutscher Meister war und einige deutsche und türkische Futsal-Nationalspieler in seinen Reihen hat, war keine Überraschung. Weshalb Janssen nach dem Endspiel, das vom Kreis-Schiedsrichter-Lehrwart Sven Schlickmann aus Ganderkesee geleitet wurde, trotzdem zufrieden bilanziert: „Es hat richtig viel Spaß gemacht.“ Jetzt hoffen die Werderaner und Janssen, dass sie sich bei einem weiteren Ausscheidungsturnier für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren.

Wer Janssen in seinem anderen fußballerischen Alltag in der Landesliga erlebt, der wundert sich auf den ersten Blick vielleicht, dass der Defensiv-Allrounder ein Faible für die mittlerweile anerkanntere Variante des Hallenfußballs hat. Janssen ist ein Kämpfer, ein Abräumer, der in der Defensive die Malocher-Aufgaben übernimmt. Auf den zweiten Blick ist Janssen aber wiederum prädestiniert für Futsal. Er ist bei eigenem Ballbesitz ein dynamischer Antreiber, bei gegnerischen Angriffen ein starker Abfangjäger, der die Bälle präzise antizipiert – im Fußballjargon ist er der klassische Ballmagnet; also jemand, der die Bälle magisch anzieht.

Dennis Janssen überzeugt beim SV Atlas in der Hinrunde

Diese Eigenschaften sind auch beim Futsal nötig, findet Janssen, der ins Schwärmen gerät, wenn er über die Vorzüge des futebol de salão spricht: Handlungsschnelligkeit, ein sauberes Passspiel, Übersicht und die Stärke im Eins-gegen-Eins machen einen starken Futsal-Spieler aus, findet Janssen: „Man muss schnell reagieren können, sowohl in Über- als auch in Unterzahlsituationen.“ Er könne jedem Fußballer nur empfehlen, in der Winterpause Futsal zu spielen.

In seinem Kerngebiet ist und bleibt Janssen aber Fußballer auf dem Rasen. Der Rechtsfuß hat nach nur 15 Punktspielen einen nachhaltigen Eindruck bei den Atlas-Verantwortlichen und Fans hinterlassen, er füllt die im zugedachte Rolle als Führungsspieler im Defensivbereich sehr überzeugend aus – und fühlt sich selbst bei den Blau-Gelben pudelwohl.

Den fußballerischen Wandervogel Dennis Janssen gibt es nicht mehr

Janssen lobt die kommunikative Art seines Trainers Jürgen Hahn („Ein sehr moderner Trainer“), die Stimmung in der Mannschaft („Ich verstehe mich wirklich mit jedem Spieler“) und den großen Support der Fans („Der ist überragend“). Dass beim Trainingsauftakt des SV Atlas Anfang Juli 50 Fans waren, findet Janssen noch immer „krass“. Nur den Abgang von Sportdirektor Jörg Rosenbohm, der Janssen vom SSV Jeddeloh zum SVA gelotst hatte, findet der Student, der seit Herbst in Clausthal-Zellerfeld seinen Master in der Technischen Betriebswirtschaft macht, „schade“.

Dennoch überwiegen bei Janssen eindeutig die positiven Aspekte. Weshalb der 26-Jährige sagt: „Ich würde sehr gerne bei Atlas bleiben.“ Die Zeiten, in denen er fast in jeder Saison seinen Verein innerhalb der Regional- oder Oberliga wechselte und ein fußballerischer Wandervogel, sind zumindest für Janssen vorbei. „Früher hatte ich immer den Traum, möglichst hoch zu spielen und vielleicht doch noch Profi zu werden.“ Mittlerweile schätzt der Allrounder die Situation entspannter ein. Die Oberliga bleibt trotzdem Janssens ehrgeiziges Ziel. „Ich hoffe, dass wir bis zum Saisonende um den Titel mitspielen. Auf Platz sechs habe ich keinen Bock.“ Weder beim Fußball noch beim Futsal.