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Elektronischer Lebenslauf Delmenhorster baut Weihnachtsgeschenk für Uwe Seeler

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 26.02.2016, 08:21 Uhr

Der Delmenhorster Ulrich Skwara tüftelt ein Jahr lang an einem elektronischen Lebenslauf von Uwe Seeler. Das fertige Projekt steht nun im Büro des Ehrenspielführers der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Die Mitarbeiter der Werder-Geschäftsstelle staunten kurz vor Weihnachten zunächst nicht schlecht. Am Tresen stand Ulrich Skwara, in den Händen hielt er einen 53x53x7 Zentimeter großen Holzrahmen. Ob die Mitarbeiter des Fußball-Bundesligisten diese Foto-Leinwand an Bremens Fußball-Profi Levin Öztunali weiterreichen könnten, fragte der Delmenhorster. „Die haben mich erst einmal ganz komisch angeguckt“, berichtet Skwara.

53x53x7 Zentimer große Leinwand

Dass Werder Weihnachts-Geschenke für seine Spieler annimmt, hatte er zwar im Vorfeld schon bei einem Telefonat mit einem Werder-Mitarbeiter abgeklärt. Doch nach den Terroranschlägen in Paris im vergangenen November im Umfeld des Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland wollten die Werder-Mitarbeiter das Geschenk nicht direkt annehmen. Sie hatten wohl ein mulmiges Gefühl, glaubt Skwara. Außerdem war die 53x53x7 Zentimeter große Leinwand nicht direkt für Levin Öztunali gedacht, sondern für dessen prominenten Großvater: die HSV-Legende Uwe Seeler.

Interesse an der Genealogie

Es war aber nicht irgendeine beliebige Foto-Leinwand mit Bildern, Zahlen oder Fakten über den Ehrenspielspielführer der deutschen Nationalmannschaft, die Öztunali später tatsächlich entgegennahm, sondern das Produkt von einem Jahr Arbeit: ein elektronischer Lebenslauf von Uwe Seeler. Er sei schon immer ein Tüftler, ein Entwickler gewesen, der sich für Projekte aus der Genealogie (Familiengeschichtsforschung) interessiert, sagt Skwara. Vor ein paar Jahren hatte der Elektro-Ingenieur bereits ein Lexikon über die Stadt Delmenhorst mit mehr als 2000 Begriffen angefertigt. Nun sollte es also ein elektronischer Lebenslauf sein. Als er grübelte, für wen er den Stammbau bauen soll, fiel dem Werder-Sympathisanten HSV-Ikone Uwe Seeler ein.

Bilder und Audiosequenzen zu neun Stationen Seelers

Einen interessanten, einfach zu bedienenden, aber technisch nicht zu komplizierten Lebenslauf zu entwickeln – diese Idee hatte Skwara im Kopf und machte sich an die Arbeit. Der 49-Jährige suchte sich zunächst neun entscheidende private und sportliche Eckpunkte in Seelers Leben heraus: die Geburt in Hamburg (1936), der Eintritt in den HSV (1946), sein Debüt als Nationalspieler (1954), die Hochzeit mit seiner Frau (1959), die deutsche Meisterschaft mit dem HSV (1960), das verlorene WM-Finale gegen Gastgeber England im Wembley-Stadion (1966), seine letzten Weltmeisterschaft in Mexiko mit späterer Verleihung des Bundesverdienstkreuzes (1970), der Antritt als HSV-Präsident (1995) und die Ernennung zum Ehrenbürger der Hansestadt Hamburg (2003).

Kurze Audiosequenzen zu jedem Ereignis

Diese neun Lebens-Ereignisse stellte Skwara dann als Fotografie dar. Der Clou: über die Start- und Stopptaste werden zu jedem Ereignis über die Lautsprecher kurze Audiosequenzen (bis 90 Sekunden) mit Informationen abgespielt. Als Hauptmotiv neben den kleineren Einzelbildern Seelers dient der Delmenhorster Fluss Welse. Der Flussweg symbolisiert den Lebensweg des Hamburgers. Bei jedem Lebensereignis verzweigt der Fluss per Leuchtdioden (insgesamt 200) zum jeweiligen Foto. „Das sieht toll aus und hört sich toll an“, sagt Skwara über sein Ergebnis.

Wie gelangt der elektronische Lebenslauf zu Uwe Seeler?

Als der Delmenhorster sein Projekt nach zwölf Monaten Tüftelei beendet hatte, gab es zunächst aber ein Problem: „Wie lasse ich Uwe Seeler den elektronischen Lebenslauf zukommen?“ Denn im Internet seien keine Kontaktdaten des Ex-Stürmers zu finden. Also wählte der Delmenhorster den Weg über Seeler-Enkel Öztunali – in der Hoffnung, die Leihgabe von Bayer Leverkusen könnte den elektronischen Lebenslauf an seinen Großvater überreichen.

HSV-Legende bedankt sich per Brief bei Ulrich Skwara

Dies habe tatsächlich geklappt, wie Skwara – zufrieden und erleichtert gleichermaßen – erzählt. Denn der 49-Jährige, der schon Skepsis hatte, „ob sich überhaupt noch jemand meldet“, erhielt in der vergangenen Woche Post aus Norderstedt. Der Absender: Uwe Seeler. Dort schreibt die HSV-Institution in einem Brief: „Sehr geehrter Herr Skwara, wenn auch etwas verspätet, dennoch von Herzen danke ich Ihnen für den tollen einmaligen elektronischen Lebenslauf. Mein Enkel Levin hat mir diesen Anfang des Jahres überbracht. Eine super Idee! Ich habe mich sehr darüber gefreut. Es steht bei mir im Büro, sodass ich mich jeden Tag daran erfreuen kann.“

Worte, die Skwara mit einer Mischung aus Zufriedenheit und Stolz las. Ob er noch weitere Projekte dieser Art plant? „Abwarten“, sagt Skwara und lacht.