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Empfang der Sportregion 32 Millionen Euro pro Monat durch ehrenamtliches Engagement

Von Lars Pingel | 13.11.2018, 11:09 Uhr

Die Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land hatte die Vorsitzenden ihrer Vereine zum ersten Jahresempfang nach Wardenburg eingeladen. Der Vorsitzende der Sportjugend Niedersachsen, Reiner Sonntag, berichtete, dass sich aus der ehrenamtlichen Arbeit eine monatliche Wertschöpfung von 32 Millionen Euro ergibt.

Rückgrat der Gesellschaft, unverzichtbar, vorbildlich – jede Menge Lob gab es am Sonntag für das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen in der Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land, in der der Stadtsportbund (SSB) Delmenhorst und der Kreissportbund (KSB) Landkreis Oldenburg kooperieren. Die Vorsitzenden Holger Fischer (SSB) und Jörg Skatulla hatten die Führungskräfte der Klubs zum ersten Mal zu einem Jahresempfang nach Wardenburg eingeladen, um deren Arbeit zu würdigen und die Möglichkeit zu schaffen, Erfahrungen auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Ehrenamtler seien Menschen, „die sich für eine Sache einsetzen und dafür nichts erwarten“, sagte Landrat Carsten Harings: „Was sie erwarten dürfen, ist, dass wir dankbar sind. Sie haben keine Kritik verdient. Sie haben nur eines verdient: Lob und Dankbarkeit.“

Vereine haben Probleme, Ehrenämter zu besetzen

Ehrenamtliche Mitarbeit und freiwilliges Engagement seien das „A und O in unserer Sportorganisation“, erklärte der Delmenhorster Reiner Sonntag, Vorsitzender der Sportjugend im Landessportbund. „Ohne das Ehrenamt wären die Vereine tot“, merkte er an. Es zeige sich allerdings, dass es immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die sich engagieren. „Jeder zweite Verein in Niedersachsen empfindet das Problem der Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträgern als groß oder sogar sehr groß“, erklärte Sonntag: „15 Prozent der Vereine fühlen sich durch dieses Problem sogar in ihrer Existenz bedroht.“ Das habe der aktuelle Sportentwicklungsbericht Niedersachsen ergeben. Er wies daraufhin, dass Verbände helfen könnten. „Die Sportjugend im Landessportbund bietet vielfältige Unterstützungsleistungen an, um Menschen passgenaue Formen des Engagements und der Mitarbeit in ihren Vereinen zu ermöglichen.“ Er lobte, dass sich viele Partner aus der Wirtschaft den Sport und damit auch das Ehrenamt finanziell unterstützen.

Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 12,2 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig, berichtete Sonntag. „Landesweit ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von mehr als zwei Millionen Stunden, die in Sportvereinen jeden Monat für gemeinwohlorientierte Zwecke erbracht wird.“ Daraus ergäbe sich eine monatliche Wertschöpfung von rund 32 Millionen Euro durch freiwilliges Engagement. Darin seien ergänzende Leistungen wie Fahrdienste nicht eingerechnet.

670000 Ehrenamtliche in niedersächsischen Vereinen

20 Prozent der Vereinsmitglieder seien als Freiwillige im Einsatz, erklärte Sonntag weiter. Das bedeute, dass sich rund 490000 Menschen als freiwillige Helfer bei Arbeitseinsätzen im Verein engagieren. Addiert man dazu die Personen mit einer ehrenamtlichen Position, „so ergibt das eine Gesamtzahl von rund 670000 Ehrenamtlichen in niedersächsischen Sportvereinen.“

130 Gäste waren der Einladung der Sportregion in den „Wardenburger Hof“ gefolgt, darunter viele Vertreter aus der Politik, wie die Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und Susanne Mittag, und der Wirtschaft. Ein Vertreter der Stadt Delmenhorst war nicht dabei. Das hatte für Verwunderung und beim Vorsitzenden des TuS Hasbergen, Jürgen Stöver, sogar für Empörung gesorgt. Oberbürgermeister Axel Jahnz, teilte Pressesprecher Timo Frers am Montag mit, habe nach einer ersten Ankündigung bereits im Juni aus privaten Gründen abgesagt. Es sei eine interne Vertretungsregelung getroffen worden. Für die sei aber keine Einladung eingegangen, sodass der Termin unbekannt gewesen sei. Der SSB-Vorsitzende Holger Fischer erklärte, dass im April und im September Einladungen an die Stadt versendet worden seien.

Die Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land vertritt 215 Vereine mit etwa 62000 Mitgliedern. Seit Sonntag hat sie einen Ehrenvorsitzenden. Fischer und Skatulla gaben bekannt, dass der Vorstand einstimmig beschlossen hatte, Peter Ache dazu zu benennen. Ache hatte Ende September nach 14 Jahren als Vorsitzender des KSB nicht wieder für das Amt kandidiert. Auf seine Initiative war der Jahresempfang geplant worden. Aches Nachfolger, Jörg Skatulla, kündigte an, dass der KSB-Vorstand während des nächsten Kreissporttags vorschlagen werde, Ache auch zum Ehrenvorsitzenden des Kreisverbands zu wählen. Die Gäste unterhielten sich in Wardenburg noch bis in den späten Nachmittag. Für Unterhaltung hatten der Sänger Jens Sörensen, der bekannte Lieder von Frank Sinatra präsentierte, und sportliche Vorführungen von Kampfsportlern von Budokan Hude und von der Tanzsportgruppe „Unique“ vom TSV Großenkneten gesorgt.