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Empfang für Vielseitigkeitsreiterin Bergedorf feiert Silbermedaillengewinnerin Sandra Auffarth

Von Lars Pingel | 14.08.2016, 23:42 Uhr

Bergedorf hat „seine“ Olympia-Medaillengewinnerin Sandra Auffarth gefeiert. Die Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee, die bei den Spielen in Rio de Janeiro Teamsilber gewonnen hatte, wurde am Sonntag von mehreren hundert Gästen aus Sport, Politik und Verwaltung, von Freunden und Verwandten, von ihren Fans und ihren Nachbarn in der Reithalle des Stalls der Familie begeistert empfangen.

Bergedorf hat zusammen mit vielen Gästen für Sandra Auffarth Samba getanzt. Die von Anna-Lena Jerzembeck, Freundin, Vereinskameradin und Mitarbeiterin im Stall Auffarth, organisierte kleine Showeinlage zu Ehren der 29-jährigen Vielseitigkeitsreiterin vom RV Ganderkesee, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit ihrem Wallach Opgun Louvo in der deutschen Mannschaft die Silbermedaille gewonnen hatte, bewies gestern, dass Reinhard Siemers Recht hat. „Wir Bergedorfer sind unheimlich stolz auf dich“, hatte der Nachbar der Familie gesagt. Das gilt aber nicht nur für die Bergedorfer. Sie, Vertreter aus Sport, Politik und Verwaltung, Vereinskameraden, Freunde, Verwandte und Bekannte bereiteten Auffarth in der Reithalle des Stalls der Familie einen großen Empfang. Die Feier mit mehreren hundert Gästen ging bis in die Nacht.

Nicht in Rio, sondern in Bergedorf erlebte Auffarth Samba

Die Geehrte weiß, was sie an ihrem Heimatort und ihrem Verein hat. „Das ist einzigartig“, sagte sie lachend und sichtlich stolz. „In Rio habe ich nicht einmal jemanden Samba tanzen sehen; dazu muss ich erst nach Bergedorf zurückkehren. Ihr seid spitze. Es ist super, dass ihr uns immer unterstützt und die Daumen drückt, dass wir heile nach Hause kommen.“ Auffarth bedankte sich dann sofort bei ihrer Familie, „ohne die es überhaupt nicht möglich wäre, diesen Sport zu betreiben,“ und bei allen, die die etwas zu ihrem großen Erfolg beigetragen hatten.

(Lesen Sie mehr: Bergedorf zittert und jubelt mit Sandra Auffarth.)

Dritte Olympia-Medaille für Auffarth

Die Spiele in Rio waren das neunte Championat, an dem Auffarth mit ihrem 14-jährigen Wolle, der inzwischen legendäre Spitzname ihres Pferds, teilnahm. Immer kamen sie mit mindestens einer Medaille nach Hause. Drei davon stammen von Olympischen Spielen. 2012 hatten sie in London Teamgold und Einzelbronze geholt. „Dass ich nun Gold, Silber und Bronze in meinem Medaillenschrank habe, ist unglaublich“, erzählte Auffarth. „Wir haben so für Silber gekämpft – die Medaille hat ein bisschen was von Gold.“

Auffarth stolz auf Silber

Aus der deutschen Equipe war nur Michael Jung (Horb) mit Sam ohne Fehlerpunkte durch den Geländeparcours gekommen, sodass sie nach der zweiten Teildisziplin von Platz eins auf Rang vier zurückgefallen war. Ingrid Klimke (Münster) mit Horseware Hale Bob verzeichnete eine Verweigerung. Julia Krajewski (Warendorf) war mit Samourai du Thot ausgeschieden. Und Auffarth und Wolle mussten nach einer Verweigerung und für das Überschreiten der vorgegebenen Zeit 24,60 Strafpunkte hinnehmen. „Das kann passieren. Wolle war ein bisschen übermotiviert“, berichtete Auffarth. „Das ist aber gar kein Grund, ihm böse zu sein. Er wollte alles richtig machen, und das ziemlich schnell. Wir haben von 40 Sprüngen 39 direkt getroffen. Damit bin ich ziemlich zufrieden.“ Und, verriet sie, ihre Mutter Bärbel Auffarth hatte nach dem Ritt gesagt, dass „auch ich vielleicht ein bisschen übermotiviert war“. Doch: „So ist der Sport, wenn man dann mit Silber nach Hause kommt, darf man sich auch darüber freuen.“

Dickes Lob an Wolle

Den Weg zu Silber und der völlig verdienten Freude darüber, hatten Sandra Auffarth und Wolle mit beeindruckenden Null-Fehler-Ritten im abschließenden Springen geebnet. Damit schoben sie sich in der Einzelwertung noch von Rang 20 auf Platz elf nach vorn. Jung, der Einzel-Olympiasieger wurde, und Klimke blieben ebenfalls fehlerfrei.

Beim Blick in die sportliche Zukunft blieb Auffarth gelassen. „Wenn Wolle so fit bleibt, wie er jetzt ist, geht es weiter. Wenn nicht, dann nicht“, sagte sie. „Er hat aber schon mehr als genug geleistet. Er muss nichts mehr beweisen. Ich bin einfach nur glücklich, dass ich in meinen Leben so ein Pferd reiten durfte.“

Reiterpräsident fordert Steuerbefreiung

Michael George, Präsident des Reiterverbands Oldenburg, schlug angesichts der beeindruckenden Bilanz der „Wiederholungstäterin“ vor, diese zur Ehrenbürgerin zu ernennen. „Sie hat Bergedorf weltweit bekannt gemacht“, erklärte er. Und fügte einen weiteren Vorschlag hinzu, der von Auffarth, aber auch von ihren Fans bejubelt wurde: „Sie sollte von den Steuern befreit werden.“

Kreisreiterverband vergibt Ehrenmitgliedschaft

Christel Zießler, stellvertretende Ganderkeseer Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin des Landkreises Oldenburg, antwortete zurückhaltend: „Dazu sage ich lieber nichts.“ Dass Gemeinde und Landkreis stolz auf ihr Aushängeschild sind, sei aber keine Frage. Der Kreisreiterverand Delmenhorst war schneller. „Wir haben gerade während der Kreismeisterschaft in Hude beschlossen, dich zum Ehrenmitglied zu ernennen“, erzählte die Vorsitzende Gisa Beckmann. „Du bist ein Vorbild.“