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Erich Meenken im Interview „Nicht-Antreten ist disziplinlos und charakterschwach“

Von Frederik Böckmann | 04.08.2016, 08:45 Uhr

In der aktuellen Auswertung des Fairnesscups liegt der Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst als 38. von 43 Regionen weiter im untersten Drittel. Im dk-Interview spricht Kreischef Erich Meenken Klartext.

Herr Meenken, in der Fairnesstabelle der abgelaufenen Saison belegt der Fußball-Kreis den sechstletzten Rang. Wie bewerten Sie dieses Abschneiden?

Zufrieden sind wir mit diesem Ergebnis natürlich nicht. Aber es war auch nicht zu erwarten, dass wir nach dem drittletzten Rang zur Winterpause jetzt einen Riesenschritt machen. Es wird ein langer, schwieriger Prozess, die Fairness in unserem Kreis zu verbessern. Das geht nicht von heute auf morgen. Dass wir in naher Zukunft mal unter den Top 3 in der Fairnesswertung landen werden, halte ich für utopisch. (Weiterlesen: Fußball-Kreis „klettert“ auf den sechstletzten Platz)

Was ärgert Sie denn an diesem unerfreulichen Ergebnis am meisten?

Schade ist, dass immer die selben Vereine im unteren Drittel der Auswertung landen. Wobei man natürlich auch festhalten muss: Wer technisch und spielerisch vielleicht etwas limitiert ist, begeht eben vielleicht auch mehr Fouls. Fußball lebt außerdem von den Emotionen und der Spannung. So etwas wollen wir den Spielern ja auch gar nicht nehmen.

Welche Konsequenzen wollen Sie denn ziehen?

Die Konsequenz ist, dass wir uns noch mehr und intensiver mit den Vereinen austauschen müssen, die in der Fairplay-Wertung unten stehen. Andererseits müssen die Trainer mit ihren sündigen Spielern auch noch mehr Tacheles reden, und sie vielleicht zwei, drei Partien länger draußen schmoren lassen, als sie überhaupt gesperrt sind.

Glauben Sie, dass ihre angekündigten Gesprächen mit den Vereinen fruchten werden?

Zumindest den ersten Dialog hatten ja wir bei einem Verein, der öfter negativ aufgefallen ist. Diesen haben wir in die Pflicht genommen, vor allem in seinem Umfeld und am Spielfeldrand für mehr Ruhe zu sorgen. Leider hatte das Gespräch noch nicht den gewünschten Erfolg. Für Spieler und Außenstehende ist es auch kein gutes Zeichen, wenn gerade der Trainer den Fair-Play-Gedanken nicht immer vorlebt.

Ein anderes Thema, das auffiel, war das vermehrte Nicht-Antreten von Mannschaften aus dem Kreis.

Das ist in der Tat eine Unsitte geworden. Die Teams beschweren sich zum einen, dass sie im Winter nicht spielen können, weil die Plätze gesperrt sind. Aber zur besten Fußball-Zeit im Sommer treten sie nicht an. Das ist disziplinlos und charakterlich ein ganz schwaches Zeichen. Wenn wir könnten, würden wir die Strafen für das Nicht-Antreten erhöhen. Leider sind uns da die Hände gebunden.