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Erster Aufstieg nach 19 Jahren Kultclub SV Rethorn feiert ersten Aufstieg seit 1998

Von Daniel Niebuhr | 11.05.2017, 10:30 Uhr

Der SV Rethorn steigt nach einem 7:0 über die Roten Teufel in die 4. Kreisklasse auf. Der ehemals kleinste Verein Deutschlands spielt künftig zwar immer noch nur in der zwölften Liga – feiert aber wie ein Proficlub.

Die Lage am Grillstand sagt erfahrungsgemäß mehr aus über den Zustand eines Fußballvereins als Tabellen und Mitgliederzahlen. Rollt am Rost der Rubel, sind es auf dem Platz meistens auch gute Zeiten. Und verpasst der Vorsitzende vor lauter Würstchendrehen und Abkassieren sogar fast das Aufstiegsbild, müssen es wohl ganz hervorragende Zeiten sein, was Gerd Hillmann glaubwürdig bezeugen kann. Der ewige Chef des Sportvereins Rethorn von 1980 verfolgte am Sonntag vom selbst mitgebrachten Grill aus, wie seine Mannschaft auf der Sportanlage in Bookholzberg den Platznachbarn Rote Teufel Ganderkesee mit 7:0 abfertigte und damit die Vizemeisterschaft in der 5. Kreisklasse sicherstellte. Danach verließ er nach vielem Zureden (und trotz der Schlange hungriger Fans) wenigstens kurz seinen Posten und warf sich mit auf das Mannschaftsbild – es war schließlich ein historisches Dokument: Für den ehemals kleinsten Verein Deutschlands war es der erste Aufstieg nach 19 Jahren. Einige Spieler im aktuellen Kader waren damals noch gar nicht geboren.

Bierdusche für den Clubchef

Die Rethorner Helden von heute spielen in der kommenden Saison zwar immer noch nur in der zwölften und damit zweittiefsten Liga, für Hillmann aber war es ein großer Tag. „Wahnsinn, was aus diesem Verein geworden ist“, jubelte er, als er die Bierduschen der Spieler überstanden hatte. Seit 35 Jahren ist er Clubchef, er hat mit dem Verein aus seinem Geburtsort alles mitgemacht. Mitte der Achtziger kletterten die Rethorner mal bis in die 1. Kreisklasse, um direkt wieder abzusteigen. 1998 gelang der für lange Zeit letzte Aufstieg in die 2. Kreisklasse – aber auch das nur, weil drei andere verzichteten.

Bester Torschütze ist Rekordhalter – im Schwimmen

Danach schmierte der Verein ab und landete ganz unten. 2005 wurde Rethorn Letzter in der 4. und damals tiefsten Kreisklasse – mit null Punkten und 17:163 Toren. Drei Jahre später löste sich die Mannschaft auf, Hillmann rettete sein Lebenswerk als letztes Mitglied vor der Streichung aus dem Vereinsregister – bis das Team nach einer dk-Reportage 2015 wiederbelebt wurde. Seitdem hat Rethorn 32 Mal gewonnen – und damit öfter als in den elf Jahren davor zusammen. Dabei ist die Mannschaft vor allem aus Studenten und fußballerischen Quereinsteigern zusammengewürfelt. Der mit 23 Treffern beste Torschütze, Yannic Ziegler, ist eigentlich Schwimmer – er hält in Delmenhorst immer noch einen Stadtrekord über die 200 Meter Schmetterling.

Inzwischen überlegen sie in Rethorn sogar, eine zweite Mannschaft zu melden. Sie haben ja inzwischen 30 Spieler im Kader. „Mal sehen, was die Wechselperiode bringt. Vielleicht werden wir noch mehr“, sagt Trainer Marcel Dönike. Immerhin kann er damit werben, dass seine Elf nach momentanem Stand als einziges der 18 Herrenteams aus der Gemeinde Ganderkesee aufsteigt.

Platznachbar gratuliert als Erster

Es war ein nettes Geschenk des Spielplans, dass ausgerechnet die Roten Teufel die Gegner im geschichtsträchtigen Spiel und damit die ersten Gratulanten waren. Rethorn teilt sich den Platz mit der Inklusionsmannschaft, die beiden Vereine sind erfrischende Farbtupfer im unterklassigen Fußball. „Rethorn ist doch zu gut für diese Liga“, findet Trainerin Jutta Lobenstein, deren Team zu zehnt spielen musste. Die Teufel, die mit fünf behinderten und fünf nicht-behinderten Spielern auf dem Platz standen, haben in der Endphase der Saison Personalnot. Lobenstein hatte Rethorn-Coach Dönike vor der Partie gebeten, es nicht zu schlimm zu machen. „Immerhin“, stellte Lobenstein fest, „war es nicht zweistellig.“

Es war das vorerst letzte Duell der beiden Clubs, auf Rethorn warten in der 4. Kreisklasse aber die nächsten Derbys, zum Beispiel mit den Kickers Ganderkesee, die nur zwei Straßen weiter spielen. Dann wird sicher auch Gerd Hillmann am Grill wieder ein gutes Geschäft machen.