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Ex-Zweitliga-Profi kommt Tim Coors kehrt zur HSG Delmenhorst zurück

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 27.04.2017, 08:00 Uhr

Tim Coors kehrt im Sommer zu seinem Heimatverein HSG Delmenhorst zurück. Mit der Verpflichtung des Linkshänders gelingt der HSG ein „echter Kracher“, wie der zukünftig Trainer Jörg Rademacher einräumt. Er hilft auch beim „Modell 2020“, das in drei Jahren den Drittliga-Aufstieg zum Ziel hat.

Er verließ seinen Heimatverein schon in jungen Jahren, spielt und spielte bei diversen höherklassigen Vereinen. Doch richtig weg, nein, das war Tim Coors von der HSG Delmenhorst eigentlich nie. „Du bist noch immer zahlendes Mitglied bei uns“, sagte der HSG-Vorsitzende Jürgen Janßen in Richtung seines hochkarätigen Neuzugangs und schmunzelte. Janßen hatte am Mittwochnachmittag gute Laune – und die war mehr als nur verständlich. (Weiterlesen: HSG Delmenhorst bastelt an ihrer Zukunft) 

Denn wenige Stunden vor Beginn der Jahreshauptversammlung konnte Janßen auf einer Pressekonferenz zusammen mit dem zukünftigen Trainer Jörg Rademacher endlich das verkünden, was vor Monaten in die Wege geleitet worden war und nun perfekt ist: Denn der Ex-Zweitliga-Profi spielt in der nächsten Saison für die HSG. Der Rückraumspieler kehrt vom aktuellen Drittligisten HF Springe, für den er in der laufenden Saison 48 Treffer erzielt hat, zurück an die Delme.

Neue Möglichkeiten durch Tim Coors

Das rot-weiße Trikot wird Coors selbst dann tragen, wenn der „worst case“ eintreten und die im Oberliga-Abstiegskampf steckende HSG doch noch in die Verbandsliga absteigen sollte. Vor den letzten zwei Spielen benötigt Delmenhorst noch zwei Punkte zur ganz sicheren Rettung. (Weiterlesen: Kreisläufer Thies Kohrt wechselt zur HSG Delmenhorst) 

„Das ist die Verpflichtung der Oberliga-Saison. Ein echter Kracher“, war auch Rademacher schwer begeistert über den Königstransfer und schwärmte: „Tim wird uns mit seiner Erfahrung, seiner Deckungsstärke und Wurfkraft aus dem Rückraum immens weiterhelfen. Dadurch haben wir taktisch neue Möglichkeiten“, ist Rademacher vom Linkshänder überzeugt. Er erhofft sich auch Synergieeffekte für die gesamte Mannschaft. „Die anderen Spieler werden von ihm profitieren und lernen.“ Davon ist auch Jürgen Janßen überzeugt: „Tim ist ein Idol für die Jugend. Er tut dem gesamten Verein gut.“

Tim Coors lagen zahlreiche Angebote vor

Bleibt nur die Frage: Warum wechselt ein gestandener Zweit- und Drittliga-Spieler in seinem besten Handball-Alter „zurück zu seinen Wurzeln“, wie es HSG-Chef Janßen ausdrückte? Die Antwort fiel relativ einfach aus. „Ich will mehr Zeit für mich haben“, erklärte Coors. Privat und beruflich. Der 28-Jährige möchte in Kürze sein Bachelor-Studium (Chemie) in Hannover abschließen, außerdem zieht er gerade mit seiner Freundin nach Hamburg um. „Ich möchte nicht mehr fünf Mal in der Woche trainieren.“ Bei der HSG sind es während der laufenden Saison drei Einheiten pro Woche, zu denen Coors pendeln wird. Gleichzeitig möchte er sich im Fitnessstudio fit halten. (Weiterlesen: Jörg Rademacher übernimmt die HSG Delmenhorst) 

Selbstverständlich war die Verpflichtung des 1,92-Meter-Mannes für die HSG-Verantwortlichen deshalb noch lange nicht. Denn der Halblinke hatte zahlreiche Angebote für die nächste Saison vorliegen. Angefangen vom Zweitligisten Tusem Essen über die Drittligisten Bayer Dormagen, VfL Potsdam, SV Meck-Schwerin und Vereinen aus Süddeutschland bis zu Offerten von Oberligisten aus Hamburg oder der SG Bremen/Hastedt.

Erste Gespräche bereits im vergangenen Sommer

„Wir haben lange an Tim gebaggert“, räumte Rademacher ein. Erste zarte Gespräche zwischen Coors und den HSG-Verantwortlichen gab es bereits im vergangenen Sommer beim Turnier des VSK Bungerhof. Im Januar dieses Jahres konkretisierten sich schließlich die Gespräche, ehe Janßen und der neue Team-Manager Gunnar Schäfer den Deal einfädelten – auch dank der finanziellen Unterstützung der Firma Rational Gebäudereinigung (RDG), die künftig einer der HSG-Hauptsponsoren sein wird.

„Tim macht jetzt finanziell vielleicht einen Schritt zurück, aber am Ende drei nach vorne“, sagte Jörg Rademacher mit Blick auf Coors‘ private und berufliche Situation. Der Neuzugang betonte: „Letztendlich hat mich auch das HSG-Konzept überzeugt.“

HSG Delmenhorst möchte bis 2020 in die dritte Liga

Dieses Konzept, es beruht auf dem „Modell 2020“. Und das sieht so aus: Im ersten Jahr will Rademacher seine Mannschaft – sollte der Klassenerhalt realisiert werden – in der Oberliga etablieren. Im zweiten Jahr will die HSG oben angreifen, im dritten Jahr soll dann der Drittliga-Aufstieg angepeilt werden. „Das ist kein utopisches Ziel“, betonte Janßen. Nicht zuletzt dank der Verpflichtung von Tim Coors.