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Falsche oder echte Neun? Robin Ramke plädiert für Götze, Christian Goritz für Gomez

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 21.06.2016, 08:29 Uhr

Mit Mario Götze im Angriff? Oder doch lieber Mario Gomez im Sturmzentrum? Wie Deutschland am Dienstagabend gegen Nordirland beginnen soll, darüber sind sich auch zwei heimische Fußball-Experten nicht einig – nämlich Ganderkesees Flügelflitzer Robin Ramke und Harpstedts Torjäger-Oldie Christian Goritz.

Zwei EM-Spiele, erst ein Tor – nach dem 1:0 gegen die Ukraine und dem 0:0 gegen Polen prägt die Kritik an der deutschen Offensive die Vorbereitung auf das letzte Gruppenspiel heute Abend (18Uhr) gegen Nordirland – auch unter den heimischen Fußballern. „Das war bislang wenig erfrischend, was wir im Angriff auf die Beine gestellt haben“, findet Torjäger-Oldie Christian Goritz. Der Kern der Diskussionen an Stammtischen, auf Fanmeilen oder in den sozialen Netzwerken betrifft vor allem die Besetzung im Angriffszentrum.

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Mit Mario Götze oder Mario Gomez? Mit einer falschen oder doch lieber einer echten Neun? Mit einem flinken Techniker oder doch lieber mit einem wuchtigen Strafraumspieler? Für Goritz steht außer Frage, wen er an der Stelle von Bundestrainer Joachim Löw aufstellen würde: Mario Gomez!

Die Begründung ist für den Delmenhorster einfach: „Gegen eine körperlich robuste Abwehr wie die Nordiren bringt es nichts, wenn ich im Strafraum mit einem 1,40 Meter großen Götze spiele“, meint Goritz süffisant. Gegen tief stehende Gegner Flanken von außen zu vermeiden und spielerische Lösungen zu suchen, hält der Goalgetter des Harpstedter TB (zuletzt 25 Kreisliga-Tore) für problematisch. „Es ist wohl der Trend bei der EM, dass viele Mannschaften auf eine kompakte Defensive und Konter setzen“ – und das Leben für ballbesitzorientierte Teams wie Deutschland schwer machen.

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Gegen tief stehende Gegner Flanken von außen zu vermeiden und spielerisch Lösungen zu suchen, hält der Goalgetter des Harpstedter TB für problematisch. „Es ist wohl der Trend bei der EM, dass viele Mannschaften auf eine kompakte Defensive und Konter setzen“ – und das Leben für ballbesitzorientierte Teams wie Deutschland schwer machen.

Goritz’ Befürchtung teilt Robin Ramke nicht. Der Flügelflitzer der TSV Ganderkesee glaubt, „dass die Mannschaften in den K.o.-Spielen mehr Risiko gehen werden“. Die logische Konsequenz für Ramke: Die deutsche Mannschaft werde mehr Platz und deshalb auch mehr Torgelegenheiten bekommen.

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Die Bewertungen der Offensivspieler von Götze oder auch Mesut Özil sah Ramke in den beiden bisherigen Spielen auch „nicht so kritisch“. Er würde an beiden Spielern festhalten. Vor allem von Özil hält der Rechtsaußen eine Menge. „Ich finde ihn unentbehrlich. Özil kann die tödlichen Pässe spielen.“

Was Ramke aber kritisch anmerkt, ist dies: Dem deutschen Spiel fehlt es (noch) an Tempo über die Außenbahnen. Der Ganderkeseer hätte sich deshalb eine Nominierung von Leverkusens Karim Bellarabi gewünscht: „Er kann mit seiner Schnelligkeit auch Spieler im Eins-gegen-Eins aussteigen lassen.“

Christian Goritz findet EM-Modus „lächerlich“

Ramkes Faible für einen Filigran-Techniker wie Özil kann Christian Goritz – wie im Fall Götze – ebenfalls nicht teilen. „Bei Arsenal wird er über den grünen Klee gelobt, aber in der Nationalelf versteckt er sich bei der EM und WM immer. Wenn es für die Mannschaft gut läuft, läuft es auch bei Özil – sonst nicht“, kritisiert der 42-Jährige, der schon immer eher für das wuchtige Element im Spiel stand.

Trotz ihrer unterschiedlichen Sichtweisen auf das deutsche Offensivspiel – eine Gemeinsamkeit haben die Vollblutfußballer Ramke und Goritz doch. Sie gucken sich die EM-Spiele lieber privat an: „Dann kann man die Begegnungen auch besser analysieren.“ Vom Turniermodus mit 24 Teilnehmern hat Goritz übrigens eine kritische Sichtweise. „Lächerlich“ sei es, dass nur acht Teams nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen. „Es ist schwerer auszuscheiden, als in das Achtelfinale einzuziehen“, schüttelt Goritz den Kopf.