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Fanclub aus Delmenhorst Delme-Piraten fiebern St.-Pauli-Spiel entgegen

Von Daniel Niebuhr | 20.05.2016, 11:18 Uhr

Der Delmenhorster Fanclub Delme-Piraten unterstützt den FC St. Pauli – nicht nur im Spiel gegen die Delmenhorster Stadtauswahl.

Einmal herrschte dann doch das große Schweigen in der Expertenrunde. Der harte Kern der Delme-Piraten saß am Mittwoch im „Johanna’s“ zusammen, einer urigen Kneipe am Bahnhof, und fachsimpelte lautstark über seinen Fußballclub; eine der wichtigsten Fragen des Abends konnte aber keiner so richtig beantworten. Sollte der Delmenhorster Stadtauswahl am Sonntag gegen ihren FC St. Pauli tatsächlich ein Tor gelingen – würden sie dann mitjubeln? So aus alter Heimatverbundenheit? „Naja, vielleicht ein bisschen“, sagte Gründungsmitglied Andreas Hein und blickte grübelnd in die Runde. Sein Nebenmann Gregor Weigmann konnte ihn beruhigen: „Das passiert wahrscheinlich nicht. St. Pauli verschenkt keine Tore.“

Bei jedem Heimspiel am Millerntor

Womöglich sprach da das Selbstvertrauen einer außergewöhnlich guten Saison aus ihm. Der Kultverein vom Kiez hatte in der gerade zuende gegangenen 2. Liga ja lange um den Aufstieg mitgespielt – und der Delmenhorster Fanclub war bei jedem Heimspiel am Millerntor vertreten. Der kommende Sonntag wird aber noch einmal ein ganz spezieller Tag, denn zum ersten Mal seit der Gründung der Delmepiraten 2011 – nach dem 1:0-Derbysieg über den Hamburger SV – macht St. Pauli in Delmenhorst Station, um die Saison ab 15.30 Uhr gegen eine Stadtauswahl ausklingen zu lassen. Hein und seine Gleichgesinnten – eine bunte Truppe vom Schüler bis zum Rentner – bekommen in der Region sonst bestenfalls die U23 oder die Frauen zu sehen; nun die Profis vor der Haustür zu haben, sei super, sagt er: „Wir haben schon unsere Karten, Stehplätze natürlich.“ Hein hofft noch auf stimmgewaltige Unterstützung: In den Fanforen werden schon die Zugverbindungen von Hamburg nach Delmenhorst gepostet. „Es ist ja das letzte Spiel, da werden noch einige Lust haben“, glaubt Weigmann.

„St. Pauli steht für gesellschaftliche Werte“

Die Delme-Piraten sind zwar mit einem Stamm von knapp 15 Fans eine relativ kleine Gemeinschaft, dafür aber ziemlich aktiv. Die Facebookgruppe ist inzwischen auf 46 Mitglieder angewachsen, neben den Millerntorfahrten trifft man sich zu den Auswärtsspielen in der Kneipe und zu einem Stammtisch am ersten Donnerstag im Monat. Damit leben die Delmenhorster die Leitgedanken ihres Clubs vor, der auch durch Zusammenhalt und soziales Engagement Anhänger über den Fußball hinaus gewonnen hat. „Natürlich steht St. Pauli nicht nur für einen Zweitligisten, sondern auch für gesellschaftliche Werte“, meint Weigmann, nicht ohne festzustellen, „dass ich schon am Millerntor stand, bevor der ganze Kult mit dem Totenkopf aufgekommen ist.“

Die Profis hat aber auch er noch nicht in Delmenhorst gesehen. Für Sonntag ist er siegessicher, „auch wenn Außenseiter gegen die Großen ja über sich hinauswachsen“. Außerdem hätte die Stadtauswahl einen klaren Vorteil: „Sie konnten Videostudium betreiben, unser Trainer Ewald Lienen hatte, glaube ich, kein Material.“