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Faustball-Bundesliga TV Brettorf vor der DM im Trotz-Modus

Von Daniel Niebuhr | 30.07.2015, 09:00 Uhr

Faustball-Bundesligist TV Brettorf fährt zur DM, ist mit dem Saisonende aber überhaupt nicht zufrieden. Coach Kreye findet deutliche Worte.

Es wurde spät am Freitagabend, so spät, dass sich Ralf Kreye schon die Scherze der Fans anhören musste. Kurz nachdem sich der Trainer mit dem TV Brettorf mit einem 5:4 über den SV Moslesfehn zum Ticket für die Faustball-DM gequält hatte, unkten einige Zuschauer, die Brettorfer hätten an diesem Abend weniger ihr Bundesligaspiel als eher den Umsatz ihrer Vereinsgaststätte im Sinn gehabt. „Manche haben mich gefragt, ob wir die Sache absichtlich in die Länge gezogen hätten, um noch mehr Bier zu verkaufen“, erzählt Kreye. „Das ist witzig, tut aber auch ein bisschen weh.“

Zwei Siege und eine Niederlage zum Abschluss

Der Endspurt der Feldsaison, er lief – vorsichtig gesagt – nicht ganz nach Plan für den Turnverein: 5:4 gegen die Moslesfehner, die damit abstiegen, 5:2 gegen den VfL Kellingusen und 1:5 gegen den VFK Berlin, der die Bundesliga Nord gewann – damit blieb nur Platz drei in der Abschlusstabelle hinter Berlin und dem Lokalrivalen Ahlhorner SV. Nun müssen Nationalmannschaftskapitän Christian Kläner und Co. bei der Deutschen Meisterschaft im sächsischen Hirschfelde am 15. und 16. August durch die Halbfinal-Qualifikation gegen den Süd-Zweiten TV Schweinfurt-Oberndorf. Nicht ganz das, was Kreye und sein Team sich vorgestellt hatten. „Wenn wir bei der DM auftreten wie zuletzt, dauert es eine Dreiviertelstunde und wir sind raus“, glaubt der Coach.

Schweinfurt Gegner bei der DM

Den Schweinfurtern war Brettorf zuletzt öfter begegnet, unter anderem zweimal beim internationalen IFA-Pokal, als die Bayern klar gewannen. Das jüngste Duell fand unter dem Hallendach statt: Im Winter schnappte Brettorf Schweinfurt DM-Bronze weg. „Der Quervergleich hinkt aber. Halle und Feld sind zwei verschiedene Welten“, sagt Kreye, der nun ungewohnte Töne anschlägt: Der selbstbewusste Meistercoach schaltet in den Trotz-Modus und bewirbt sich mit voller Inbrunst um die Außenseiterrolle. „Alle haben uns jetzt schon abgeschrieben. Wir haben nichts zu verlieren“, erklärt er fast beschwörend. In drei Extraeinheiten will er bis zur DM den Teamgeist wecken und seinem hochdekorierten Kader mit den Nationalspielern Christian und Tobias Kläner und dem frischgebackenen U21-Europameister Malte Hollmann klar machen, „dass jetzt kein Ferienlager ansteht, sondern eine Deutsche Meisterschaft“. Besonders der Angriff müsse mehr Druck entfachen, findet er: „Da war kein Feuer drin. Das muss krachen, sonst hast du keine Chance.“

Ahlhorn Vizemeister im Norden

Bessere Stimmung herrscht bei den Ahlhornern, die eine hervorragende Saison mit nur zwei Niederlagen hinlegten und unter anderem beide Derbys gegen Brettorf gewannen. Mit 24 Zählern punktete der ASV so gut wie seit Jahren nicht mehr. Erst am letzten Spieltag musste die Mannschaft von Thomas Neuefeind durch ein 1:5 gegen Berlin die Hoffnung auf den Titel im Norden begraben. Der wuchtige Schlagmann Christoph Johannes wird bei der DM in der Qualifikation für das Halbfinale nun die Abwehr des Süd-Dritten MTV Rosenheim beschäftigen.