Ein Angebot der NOZ

Fichkona 2017 Ose Leendertz fährt nonstop vom Fichtelberg bis zum Kap Arkona

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 28.06.2017, 08:14 Uhr

In etwas mehr als 24 Stunden vom Fichtelberg in Sachsen bis zum Kap Arkona auf Rügen radeln? Kein Problem für Ose Leendertz. Denn die Rennradfahrerin des RV Urania Delmenhorst nahm an der Fichkona 2017 teil.

Mal eben fix vom Fichtelberg bis zur Ostsee radeln? Was für Normalsterbliche nach einem schönen Wochentrip quer durch Ostdeutschland klingt, ist für Ultraradfahrer mehr als nur ein Ausflug durch die blühenden Landschaften im Osten der Republik. Nein, für die Radsportverrückten ist die Fichkona mittlerweile zum Kultrennen avanciert. 611 Kilometer nonstop vom Fichtelberg bei Oberwiesenthal in Sachsen bis zum Kap Arkona auf Rügen – es ist der selbst ernannte „Wahnsinnsritt im Osten“.

Als die Veranstalter veröffentlichten, dass Frauen in jedem Fall einen Startplatz bei der stark nachgefragten Veranstaltung erhalten, stellte auch Ose Leendertz vom RV Urania Delmenhorst im Winter ihren Trainingsplan auf die Langstrecke ein. Welche Schwierigkeiten der 32-Jährigen unterwegs begegnen sollten, wusste sie da noch nicht.

Start bei fünf Grad auf 1215 Metern Höhe

Schon der Start war alles andere als ideal: Auf dem Fichtelberg in 1215 Metern Höhe war es nur fünf Grad warm, dafür wehte den in fünf Gruppen eingeteilten 200 Startern ein strammer Wind entgegen. „Dafür ging es bergab und es wurde von Stunde zu Stunde wärmer. Ich fühlte mich richtig gut“, berichtete Leendertz vom ersten Viertel der Strecke.

Dann kam es zu einem verhängnisvollen Schaltvorgang: Bei der Bremerin riss die Kette des Rennrads. Ersatz? War nicht eingepackt. Doch ein versierter Mechaniker kürzte die defekte Kette um zwei Glieder und fügte sie immerhin wieder zusammen. Aber: Auf den restlichen 450 Kilometern der Megatour funktionierten nur noch zwei der insgesamt 20 Gänge – ein sehr schwerer (mit rund 70 Umdrehungen) und ein sehr leichter (mit 110 Umdrehungen). „Das waren ganz neue Herausforderungen für mich und machten die Strecke zu einer noch extremeren Herausforderung“, erzählte Leendertz. Dazu kam die besondere Faszination der Langstrecken-Brevets: die Fahrt durch die Nacht.

Schweigend durch die Nacht

Bei einbrechender Dunkelheit wurde die Gruppe ruhiger und ruhiger. Während der Nacht wurde in Leendertz Gruppe kaum gesprochen. Man fuhr schweigend dem Hinterrad und Rücklicht des Vordermanns hinter. „Dies hat fast schon meditativen Charakter“, staunte die Urania-Fahrerin. Es forderte ihr und ihren Mitfahrern aber auch ein Höchstmaß an Konzentration ab. Die Müdigkeit forderte bei allen Fahrern ihren Tribut. Verschwimmende Rücklichter mussten unbedingt wieder fokussiert werden, „Einschlafen war völlig tabu“, betonte Leendertz.

Im Morgengrauen erreichten die mit etwas versetzten Zeiten gestarteten fünf Gruppen über die Stationen Chemnitz, Wittenberg und Potsdam endlich Mecklenburg-Vorpommern – und konnten bei aufgehender Sonne die schöne Mecklenburger Landschaft genießen. „Mit dem beginnenden Tag und der aufgehenden Sonne wurden wir auch wacher und die Stimmung wurde besser. Aber viele Teilnehmer schwächelten inzwischen erheblich“, erzählte Leendertz. Trotzdem strampelte die Gruppe, die an den insgesamt sechs Verpflegungsstopps jeweils nur kurz anhielt, in zügigem Tempo der Ostsee entgegen.

Nach mehr als 24 Stunden im Ziel

Am Ende kam Leendertz mit ihrer mittlerweile aufgesplitteten Gruppe als eine der Ersten nach 24:04 Stunden ins Ziel. Erschöpft, aber glücklich. „Solche Erlebnisse prägen ein ganzes Radfahrerleben und machen in jedem Jahr Lust auf neue Herausforderungen“, strahlte die 32-Jährige nach dem Saisonhöhepunkt.