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Frank Kessler gefeuert TS Hoykenkamp entlässt Trainer mitten im Aufstiegsrennen

Von Heinz Quahs und Frederik Böckmann | 23.02.2017, 11:00 Uhr

Paukenschlag in der Handball-Landesliga: Spitzenreiter TS Hoykenkamp hat am Mittwochabend Trainer Frank Kessler entlassen. Grund ist laut dem Vorsitzenden Burkhard Garmhausen ein „zerstörtes Vertrauensverhältnis durch unterschiedliche Wertevorstellungen“.

In der Landesliga strebt die TS Hoykenkamp als Tabellenführer den Aufstieg in die Verbandsliga an, die Vorfreude auf das brisante Nachbarduell am 5. März (Sonntag) gegen den punktgleichen Verfolger HSG Grüppenbühren/Bookholzberg ist im Handball verrückten Ort bereits spürbar. Der neutrale Beobachter könnte meinen, bei der Turnerschaft ist alles im Lot. Doch weit gefehlt. Denn am Mittwochabend gab es einen spektakulären Paukenschlag: Um 18.15 Uhr überreichte der Hauptvorstand in Person des Vorsitzenden Burkhard Garmhausen Trainer Frank Kessler bei einem Vier-Augen-Gespräch die fristlose schriftliche Kündigung als Trainer der ersten Mannschaft und der B-Jugend. Als Grund gab Garmhausen ein „zerstörtes Vertrauensverhältnis durch unterschiedliche Wertevorstellungen“ innerhalb des Vereins an.

Bereits einen Tag vorher hatte der gesamte Vorstand einen einstimmigen Beschluss zu diesem Vorgang gefasst. Dabei gingen die Ansichten über diese Wertevorstellungen zwischen dem Vorstand und Kessler wohl soweit auseinander, dass die Verantwortlichen nur die Möglichkeit sahen, Kessler sofort auf dem Vertrag zu entlassen. „Wir haben gegenüber unseren Mitgliedern und Schutzbefohlenen eine besondere Fürsorgepflicht, die wir auch deutlich über den Aufstieg unserer Landesliga-Mannschaft stellen“, betonte Garmhausen.

Abteilungsleiter Hans-Georg Ahrens muss sich der Entscheidung fügen

Aus sportlicher Sicht gebe es an der Arbeit Kesslers nichts auszusetzen, sagte der TSH-Vorsitzende. „Ich habe Frank Kessler als tollen Sportsmann kennengelernt.“ Die Trennung habe deshalb nichts mit Handball zu tun. Die Turnerschaft habe jedoch einen Ehrenkodex, den es hochzuhalten gelte, und da habe der Vorstand „große Differenzen festgestellt“, berichtete Garmhausen. „Das war nicht akzeptabel.“

So hatte auch Abteilungsleiter Hans-Georg Ahrens, der zurzeit im Urlaub weilt und von diesem Beschluss telefonisch informiert wurde, keine Möglichkeit, sich entsprechend zu äußern: „Wenn der Vorstand diese Maßnahme beschließt, muss ich mich als Leiter der Handballabteilung wohl fügen.“

Geschasster Trainer Frank Kessler zwischen Frust und Schockstarre

Kesslers Gemütszustand schwankte am Donnerstagmorgen wenige Stunden nach seiner Demission zwischen Frust, Ärger und Schockstarre. „Ich bin noch komplett durch den Wind. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich mit der Kündigung umgehen soll“, sagte er gegenüber dem dk und meinte: „So akzeptiere ich die Trennung nicht.“

Es habe überhaupt keine Anzeichen für eine Trennung gegeben, erzählte Kessler, der im Sommer bei der TSH als Coach eingestiegen war und zuvor bis zum März 2016 den emsländischen Verbandsligisten TuS Haren betreut hatte. „Noch am Dienstagabend haben wir richtig toll trainiert.“ Dass es aus sportlicher Sicht keine Gründe für die Trennung gab, war auch in Kesslers Kündigungsschreiben zu lesen. Die Begründung „zerstörtes Vertrauensverhältnis durch unterschiedliche Wertevorstellungen“ könne Kessler „überhaupt nicht nachvollziehen“.

Hoykenkamper Kader steht im Sommer vor einem Umbruch

Der gebürtige Hannoveraner war im Sommer 2016 bei der TSH als Nachfolger von Interimstrainer Lennard Timmermann und des zuvor auf Grund eines Spielervotums geschassten Coches Jörn Franke eingesprungen. Neben dem engen Aufstiegsrennen mit dem Erzrivalen Grüppenbühren/Bookholzberg und dem TV Dinklage plante Kessler zur Zeit auch den Kader für die kommende Spielzeit. Denn dort kündigt sich für die Spielzeit 2017/2018 ein kleinerer oder größerer Umbruch an – unter anderem, weil laut Kessler zwei Leistungsträger heiß begehrt sind und zum Probetraining bei Oberligisten waren.

Doch damit nicht genug der Personalien: Dass Oldie Niko Skormachowitsch eine Handball-Pause einlegt, steht schon länger fest. Der Abschied des aus der Reserve hochgezogenen Torhüters Timo Meier ebenfalls. Den TSH-Kader verlassen hat vor zwei Wochen bereits wieder der beruflich eingespannte Felix Plate. Aufrücken in den Kader der ersten Mannschaft sollten im Sommer laut Kessler zwei, drei A-Jugendliche. Mit externen Neuzugängen habe es zumindest Gespräche gegeben.

Nachfolge von Frank Kessler noch nicht geklärt

Was jetzt aus den beiden Mannschaften wird, die Kessler bisher betreute, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall könnte es nun sehr schwierig werden, das bisher gesteckte Ziel Aufstieg mit der Landesliga-Mannschaft zu erreichen, obwohl nach den bisher erreichten Leistungen alles in Richtung Meisterschaft oder Verbandsliga-Relegation deutete.

Auch die B-Jugend hat unter Kessler einen gewaltigen Aufschwung zu verzeichnen. In der Regionsliga Ost ist das Team der Turnerschaft als einzige Mannschaft beider Klassen noch ungeschlagen und wird auch an der Regionsmeisterschaft am 1. April als Favorit antreten. Zudem war auch schon angedacht, in den Relegationsspielen zur Landesliga der A-Jugend anzutreten, um so die Mannschaft noch weiter nach vorne zu bringen. Ob es jetzt auch hier Auswirkungen auf die Leistungsbereitschaft der Mannschaften gibt, bleibt abzuwarten. „Ich hatte mir für die Zukunft viele Gedanken gemacht und Konzepte erarbeitet“, erklärte Kessler, der nicht nur Erfahrung in den Damen- und Herren-Oberligen mitbringt, sondern auch spanische Zweit- und Drittligisten auf Gran Canaria trainiert hat.